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Lofoten

Doch die Locals sind trotzdem sehr freundlich und offen geblieben. Sie haben in Unstad sogar ein Surfhostel eröffnet und eine Webcam installiert, die Livebilder vom Swell liefert. Die Bucht, die nach Westen geöffnet ist, wird komplett von hohen Bergen eingerahmt. Das ist zunächst einmal suboptimal, wenn es um gleichmäßigen Wind geht. In der Tat funktioniert der Spot für Wellenreiter gerade deshalb so gut, weil die oft stürmischen Winde aus südwestlichen Richtungen geblockt werden. Südost kommt hingegen genau ablandig und wird beschleunigt, ist allerdings sehr böig.

Unstad ist deshalb ein überaus anspruchsvoller Windsurfspot. In einigen norwegischen Foren liest man sogar, dass Unstad zum Windsurfen nicht geeignet ist. Hier bei ablandigem Wind zu surfen war eines der schwierigsten Unterfangen, an die ich mich überhaupt erinnern kann. Zwar rollt der Swell dann geordnet und sehr sauber in Sets aufs Ufer zu, doch der Wind wechselt zwischen 0 und 11 Beaufort. Schon ein einfacher Beachstart im rechten Teil der Bucht, wo es kaum Felsen und viel Sand gibt, stellt sich als reine Frage des Timings heraus. Beim Überqueren der Welle beim Rausfahren oder auch auf der Welle in einer Böe hätte mir ein 3.3er gereicht, steht man in einem Windloch hätte wohl auch ein 8er Racesegel keinen Druck gehabt. On und Off bekommt hier eine ganz neue Dimension.

Vielleicht ist Unstad auch ein digitaler Spot: Eins und null. Hat man es einmal auf eine Welle geschafft und düst sie mit möglichst viel Geschwindigkeit herunter, kann man bei Flut durchaus Turns bis kurz vor den Strand fahren. Doch das gelang mir in ca. zwei Stunden nicht mehr als zehn Mal. Den Rest verbrachte ich schwimmend oder das Segel auffierend, in der Hoffnung die Böe würde nicht mein gesamtes Zeug raus in den arktischen Ozean reißen. Dann reißt der Sturm die Gischt der brechenden Welle mehr als masthoch in die Luft und es bilden sich schnell aufs Meer flüchtende Nebelschwaben.

Kurioserweise strahlt Unstad trotzdem oder vielleicht gerade aufgrund dieser Erscheinungen eine Art meditative Ruhe aus. Während in Deutschland bei einem Sturm alles quietscht, knirrscht und schreit, scheint der Wind hier in Harmonie mit der Landschaft zu sein. Es ist ein einmaliges Erlebnis hier auf dem Wasser zu sein...

Teil II des Lofoten Artikels veröffentlichen wir in der nächsten Woche.

Lofoten
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