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USA
Wer sich über Arbeitstage von 18 Stunden& Schlafmangel beklagt, gilt als „Weichei“.
Amerika – Das gelobte (Ärzte)-Land?!
Im April kehrte ich für einige Monate zurück nach Deutschland um neben meiner Forschungsarbeit auch den Abschluss meines Studiums voran zu treiben. Anfang August war ich zurück in Houstons schwüler Sommerhitze.

Neben dem Abschluss meiner Forschung absolvierte ich eine sechswöchige Famulatur in der Gefäßchirurgie. Bisher hatte ich das amerikanische Gesundheitssystem nur als Zaungast erlebt und nun war ich mitten drin. In keinem Land der Erde sind die Gesundheitsausgaben so hoch, während es an der Versorgung an vielen Stellen hapert. Im Frühjahr 2015 wurde mit „Obama Care“ eine verpflichtende Krankenversicherung eingeführt, um dieses Problem anzugehen.

Insbesondere in Texas kommt dies bei einigen Teilen der Bevölkerung dem Ausruf der „Diktatur des Proletariats“ gleich, und stößt auf völlige Ablehnung – eine Sichtweise, die sich als Deutscher nur sehr schwer nachvollziehen lässt. Während der Führungsstil in so mancher deutschen medizinischen Abteilungen seit dem Kaiserreich unverändert erscheint, hat mich der sehr freundliche Umgang mit Kollegen und Untergebenen in den Staaten nachhaltig beeindruckt.

Allerdings brachte mich der Arbeitsalltag im Krankenhaus an meine Belastungsgrenze. Arbeitsbeginn war um 5 Uhr früh. Die Mittagspause erfolgte im Laufschritt zwischen OP und Notaufnahme und, wenn ich mich gegen 19:30 Uhr mit der Entschuldigung verabschiedete, ich müsse noch was für meine Forschung machen, hatten die meisten Assistenzärzte noch weitere stressige 3 bis 4 Stunden Arbeit vor sich. Wer sich über Arbeitstage von 18 Stunden mit chronischem Schlafmangel beklagt, gilt als „Weichei“. Trotz High-Tech- Equipment und Krankenhauslobbys, die ausschauen wie in einem Luxushotel, blieb bei mir der Eindruck: Nicht alles Gold was glänzt!
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