Interview: Malte Fürstenberg
Malte Fürstenberg hat seine Wurzeln im Windsurfen. Als Entwickler arbeitet er bei Airbus. Als Erfinder wagte er sich auch in die Höhle des Löwen.
Bei uns zum ersten Mal aufgetaucht bist du als Anbieter von Surfboard-Reparaturen. Mit dem Foilen ging es dann auf einmal rund. Eigene Inflatable-Boards, ein e-Foil-Projekt, Tandem-Foilen, modulare Foil-Adapter, dann die iSUP-Technologie umgesetzt als Baumschutz, Fußschlaufen-Anti-Rutsch-Pads, die CONU-Kegelmutter und dann auf einmal auch mit VLIPPY Tür- und Fensterstopper in der Höhle der Löwen. Woher kommt so viel Erfindergeist und wie hat sich das alles entwickelt?
»Wenn ich ehrlich bin, hat das vermutlich schon als Kind angefangen. Ich habe Dinge selten einfach so akzeptiert, sondern immer überlegt, ob man sie nicht besser, einfacher oder intelligenter lösen kann. Das ist bis heute geblieben.
Der Wassersport war dabei eine Art Spielwiese. Früher habe ich Surfboards repariert, später eigene Boards umgebaut, Prototypen gebaut und ständig neue Dinge ausprobiert. Irgendwann kamen die ersten eigenen Produkte dazu. Viele davon entstanden aus Problemen, die ich selbst auf dem Wasser erlebt habe.
Spannend finde ich bis heute, dass gute Ideen oft branchenübergreifend funktionieren. Die Technologie hinter aufblasbaren SUP-Boards hat beispielsweise zur Entwicklung von TreeHugAir® geführt, einem aufblasbaren Baumschutz für Baustellen. Aus technischen Fragestellungen entstand später CONU®, eine selbstsichernde Kegelmutter für den Maschinenbau. Und VLIPPY® wiederum entstand aus einem ganz alltäglichen Problem mit Türen und Fenstern.
Viele Menschen stellen sich Erfinder als Menschen vor, die plötzlich einen Geistesblitz haben. In Wirklichkeit besteht ein Großteil der Arbeit aus Beobachten, Testen, Scheitern und Weitermachen. Manche Ideen verschwinden wieder, andere entwickeln sich zu Patenten oder Produkten. Mittlerweile sind daraus über 20 Patente, Marken und Schutzrechte entstanden.«
Hast du deine Wurzel im Windsurfsport? Und wie sah deine berufliche Karriere parallel dazu, bzw. wie ist dann alles verschmolzen?
»Ja, definitiv. Meine Wurzeln liegen ganz klar im Windsurfen. Schon als Jugendlicher haben mich nicht nur die sportlichen Aspekte fasziniert, sondern auch die Technik dahinter. Warum fährt ein Board besser als ein anderes? Warum funktioniert eine Finne? Wie verändern kleine Geometrieänderungen das Fahrverhalten?
Später habe ich Flugzeugbau studiert und arbeite inzwischen seit vielen Jahren im Innovationsumfeld bei Airbus. Rückblickend ist das eigentlich die perfekte Kombination. Im Studium und Beruf beschäftigt man sich mit Aerodynamik, Leichtbau, Werkstoffen und Konstruktion. Genau dieselben Themen begegnen einem beim Windsurfen und Foilen wieder.
Gerade beim Foilen merkt man oft, wie ähnlich sich Flugzeuge und Foils eigentlich sind. Im Grunde fliegt man mit einem Tragflügel durchs Wasser. Vielleicht hat mich genau deshalb diese Sportart von Anfang an so begeistert.
Heute verschwimmen die Grenzen zwischen Hobby, Beruf und Produktentwicklung oft komplett. Viele Ideen entstehen auf dem Wasser und viele technische Lösungsansätze aus dem Beruf helfen wiederum bei der Entwicklung neuer Produkte.«
Ich habe dich schon beim Wingfoilen Frontflips und Backloops springen sehen und auch Backloops beim Windfoilen. Bist du in anderen Sportarten ähnlich unterwegs?
»Ja, durchaus. Mich begeistert eigentlich alles, bei dem man sich ständig weiterentwickeln kann. Deshalb liebe ich Windsurfen, Wingfoilen, Windfoilen, SUP-Foilen und Wellenreiten.
Dabei geht es mir gar nicht unbedingt um höher, schneller oder extremer. Mich reizt eher der Lernprozess. Neue Tricks lernen, neue Bedingungen meistern oder neue Sportarten entdecken.
Vielleicht gibt es auch deshalb Parallelen zum Erfinden. In beiden Fällen funktioniert Fortschritt selten auf Anhieb. Man probiert etwas aus, scheitert, verändert Details und irgendwann klappt es.«
Beruf und Surfsport, bekommst du das gut kombiniert?
»Erstaunlicherweise ja. Viele Menschen denken, dass Sport und Beruf Gegensätze sind. Für mich ist es eher eine Ergänzung.
Auf dem Wasser bekomme ich den Kopf frei. Viele Ideen entstehen tatsächlich nicht am Schreibtisch, sondern während einer Session auf dem Wasser oder später beim Nachdenken darüber.
Umgekehrt hilft mir die strukturierte Herangehensweise aus dem Beruf auch bei sportlichen Projekten und Produktentwicklungen.
Meine Familie spielt dabei natürlich ebenfalls eine wichtige Rolle. Ohne Verständnis und Unterstützung wäre vieles in diesem Umfang wahrscheinlich gar nicht möglich.«
Wo surfst und foilst du am liebsten?
»Dänemark und speziell Klitmøller gehören definitiv zu meinen Lieblingsorten. Dort habe ich unzählige Stunden auf dem Wasser verbracht.
Was ich aber besonders spannend finde: Durch das Foilen haben sich die Spielregeln komplett verändert.
Früher war man oft auf perfekte Wellen oder starken Wind angewiesen. Heute können plötzlich die Elbe vor der Haustür, ein Baggersee oder ein kleiner See irgendwo in Norddeutschland zu hervorragenden Surfspots werden.
Das hat den Sport aus meiner Sicht revolutioniert. Viele Menschen können heute direkt vor ihrer Haustür aufs Wasser gehen und großartige Sessions erleben, ohne stundenlang ans Meer fahren zu müssen.«
Was ist momentan deine Surf- oder Foil-Favoriten-Sportart?
»Das wechselt ständig. Aktuell habe ich tatsächlich besonders viel Spaß mit dem Pump-Foil-Scooter. Das wirkt auf den ersten Blick etwas verrückt, ist aber aus meiner Sicht eine der spannendsten Entwicklungen der letzten Jahre.
Der große Vorteil ist, dass man anderen Menschen das Foilen damit unglaublich schnell beibringen kann. Viele schaffen ihre ersten längeren Flüge deutlich schneller als über klassische Einstiegswege.
Generell begeistert mich am Foilen die Dynamik der gesamten Szene. Gefühlt entstehen jedes Jahr neue Disziplinen, neue Geräte und neue Ideen. Genau diese Innovationsgeschwindigkeit macht den Reiz aus.«
Nochmal zum Fernsehauftritt: Wie lief das bei Die Höhle der Löwen ab? Es hat ja “gedümmelt”. Wurden deine Erwartungen erfüllt? War das ein Boost für den Sale oder ist der eher “unsichtbare” Bereich mit CONU der größere Erfolg?
»Die Höhle der Löwen war definitiv ein Erlebnis, das wir so schnell nicht vergessen werden. Von außen wirkt die Sendung oft sehr geordnet. Tatsächlich ist es deutlich turbulenter. Man wird unterbrochen, muss spontan reagieren und kann seinen eigentlichen Pitch oft gar nicht vollständig durchziehen.
Für VLIPPY® war die Sendung natürlich ein riesiger Boost. Das Produkt ist einfach zu verstehen und die Vorteile erkennt praktisch jeder innerhalb weniger Sekunden.
Bei CONU® ist die Situation komplett anders. Die Kegelmutter wirkt auf den ersten Blick unscheinbar. Viele Menschen sehen zunächst nur eine weitere Mutter.
Interessanterweise haben wir erlebt, dass selbst Professoren, Doktoren und erfahrene Ingenieure teilweise einen Flyer angeschaut und eher zurückhaltend reagiert haben. Sobald sie CONU jedoch selbst montiert und ausprobiert haben, änderte sich das Bild oft schlagartig. Plötzlich kamen Aussagen wie: “Jetzt verstehe ich erst, was daran so clever ist.”
Das hat uns gezeigt, dass CONU einen starken technischen Vertrieb benötigt. Man muss das Produkt erleben. Eine Zeichnung oder ein Flyer reichen oft nicht aus.
Deshalb wünschen wir uns für CONU langfristig einen ähnlichen Erfolg wie für VLIPPY®. Der Weg dorthin wird aber vermutlich ein anderer sein. Weniger Massenmarkt, dafür mehr technische Beratung, Demonstrationen und persönliche Überzeugungsarbeit. Gerade deshalb sehen wir dort noch enormes Potenzial.«
Entwickelst du gerade an neuen Projekten oder Ideen oder steckst du deine Arbeit in die vorhandenen?
»Eigentlich beides. Wer einmal angefangen hat zu erfinden, hört damit vermutlich nie wieder auf. Ideen entstehen ständig. Manche werden innerhalb weniger Minuten verworfen, andere beschäftigen uns über Jahre.
Aktuell liegt unser Fokus aber klar auf den bestehenden Produkten. VLIPPY®, CONU® und TreeHugAir® haben enormes Potenzial und verdienen unsere volle Aufmerksamkeit.
Trotzdem entstehen fast täglich neue Ideen. Meine Familie verdreht inzwischen manchmal schon die Augen, wenn ich wieder mit einer neuen Skizze um die Ecke komme.
Zum Glück sind nicht alle Ideen gut. Sonst hätten wir wahrscheinlich noch deutlich mehr Projekte gleichzeitig laufen.
Was motiviert dich nach all den Jahren immer noch, neue Produkte zu entwickeln? Der schönste Moment ist für mich, wenn aus einer Idee etwas Reales wird.
Eine Skizze auf einem Blatt Papier ist zunächst nur eine Idee. Wenn daraus später ein Produkt entsteht, das Menschen nutzen und das ihnen tatsächlich hilft, dann ist das ein unglaublich gutes Gefühl.
Dabei spielt es für mich kaum eine Rolle, ob es sich um ein technisches Produkt für die Industrie, einen Baumschutz für Baustellen oder einen Tür- und Fensterhalter für den Alltag handelt.
Mich begeistert die Vorstellung, Probleme zu lösen. Wahrscheinlich ist genau das der eigentliche Antrieb hinter allem.«
07.06.2026 © DAILY DOSE | Text: Jürgen Schall | Fotos/Grafiken: Malte Fürstenberg, Privat, RTL / Bernd Michael Maurer | Translation: EN