Windsurf-Session in Weißenhaus
Sturmtag im Frühling an der Ostsee
Die Vorhersage hatte schon Tage vorher geflüstert, dass da was kommt: der erste nicht mehr ganz eisige Frühlingssturm, welcher auf die Nord- und Ostseeküste trifft. Spätestens am Freitag war klar – Samstag wird kein Couch-Tag.
Mittags sah’s dann allerdings noch ziemlich unspektakulär aus. Zwischen Heidkate und Brasilien: kaum Wellen, die meisten mit großen Wavesegeln unterwegs, eher Cruisen als Action. Ich selbst noch leicht angeschlagen, also Plan B: Kamera statt Gabelbaum.
Gegen 17:30 komme ich auf dem Parkplatz in Weißenhaus an. Ein paar sind schon draußen, aber irgendwie sieht es noch nicht wie angekündigt aus. Alle schielen auf dieses ominöse „orange Feld“, das laut Forecast ab 18 Uhr in die Hohwachter Bucht drücken soll. Also: warm einpacken, Stativ schultern, runter zum Spot.
Punkt 18 Uhr dann wie auf Knopfdruck: Der Wind legt den Schalter um. Hinter mir wird der Parkplatz plötzlich lebendig. Was eben noch nach Feierabend aussah, explodiert in einer halben Stunde – aus vielleicht 20 Windsurfenden werden gut 50.
Die Bedingungen? Naja, sagen wir: ausbaufähig. Wellen irgendwo zwischen Hüfte und Brust, dazu ordentlich böiger Wind. Kein Bilderbuch-Setup. Aber genau das macht’s manchmal ja spannend. Und was da auf dem Wasser passiert, lässt mich die schwächelnden Verhältnisse sofort vergessen: Cutbacks mit ordentlich Spray, Backies und sogar ein paar Wave 360s und Takas. Alles wird rausgehauen, was die kleine Ostseewelle hergibt. Ich komme kaum hinterher mit der Kamera, ständig passiert irgendwo etwas.
Nach gut zwei Stunden im Wind meldet sich dann doch die Realität zurück: kalt. Ziemlich kalt. Offenbar war die „warm genug“-Einschätzung optimistisch. Aber zwischendurch bricht die Sonne durch die Wolken, taucht den Spot in dieses goldene Licht, das man nicht planen kann – und plötzlich sind die Finger wieder halbwegs einsatzbereit.
Irgendwann ist dann Schluss: zwei leere Akkus, durchgefroren bis auf die Knochen. Zurück zum Auto, noch einmal umdrehen, letzter Blick aufs Wasser. Fazit des Tages? Komplett gelohnt. Genau diese Sessions sind es, die hängen bleiben.
29.04.2026 © DAILY DOSE | Text: Marc Hollenbach | Fotos/Grafiken: Marc Hollenbach | Translation: EN