Tückisch: Eisgries ist nicht tragfähig und schränkt die Bewegungsfreiheit ein. Die Seenotretter halfen diesem Kitesurfer, der nah am Ufer eingebrochen war.
Tückisch: Eisgries ist nicht tragfähig und schränkt die Bewegungsfreiheit ein. Die Seenotretter halfen diesem Kitesurfer, der nah am Ufer eingebrochen war.

Kitesurfer aus Eisgries gerettet

Die dynamische Eissituation sorgt zusätzlich zur Kälte für Gefahr beim Wassersport im Winter.

Normalerweise ist der zur Ostsee offene Großenbroder Binnensee ein recht sicheres Revier. Bei den aktuell niedrigen Temperaturen bergen aber auch sicher geglaubte Spots unerwartete Gefahren.

Neben der Kälte ist es die dynamische Eissituation, die sehr schnell zu einer akuten Lebensgefahr werden kann. Dies zeigt auch der Fall des Kitesurfers, der bei sechs bis sieben Windstärken bei einer Lufttemperatur von -3°C und einer Wassertemperatur um den Gefrierpunkt nahe Großenbrode im Eis eingebrochen war.

Das Tochterboot des Seenotrettungskreuzers Bremen nahm den Kitesurfer an der Eiskante auf. Zum Boot konnte sich der Kiter selbstständig bewegen. Das nahe Ufer hätte er aber aus eigener Kraft nicht erreichen können. Für eine besondere Tücke sorgte in diesem Fall Eisgries, was die Seenotretter so beschreiben: "Das Eis befindet sich dort derzeit in einer Gefrierungsphase, die aus der Wasseroberfläche eine dicke, aber extrem brüchige, trübe Eisschicht macht, die noch keinen festen Zusammenhalt hat."

So nah war der Kitesurfer am Ufer. Aus eigener Kraft hätte er es laut den Seenotrettern nicht mehr erreicht.
So nah war der Kitesurfer am Ufer. Aus eigener Kraft hätte er es laut den Seenotrettern nicht mehr erreicht.

Innerhalb kürzester Zeit kann es zum Beispiel bei Winddrehern passieren, dass sich Eis verschiebt, aufbricht oder an vorher eisfreien Wasserzonen zusammenschiebt. Dies bedeutet, dass eine schnelle Rettung auf dem Seeweg, aber auch auf dem Landweg ausgeschlossen sein kann.

Bei einer erschwerten Rettungssituation bekommt auch der Faktor Zeit eine besondere Dynamik. Moderne Neoprenanzüge bieten zwar bei Bewegung außerhalb des Wassers einen guten Kälteschutz, im Eis führt die Kälte aber schneller als gedacht zu einer Immobilität, da der Körper die Extremitäten weniger durchblutet, um die lebenswichtigen Organe warm zu halten. Mit anderen Worten: Die im Wasser/Eis liegende Person kann die Arme und Beine kaum oder gar nicht mehr bewegen, eine Selbstrettung ist in diesem Zustand nahezu unmöglich. Auch nach der Rettung ist die Überlebenschance einer unterkühlten Person deutlich reduziert.

Stichworte zu diesem Themenkomplex sind: Kälteschock, Schwimmversagen, Rettungskollaps/Bergetod

Link: dailydose.de/story-unterkuehlung-20210423.htm

Link: dailydose.de/story-ploetzlicher-herztod-20210314.htm

05.02.2026 © DAILY DOSE  |  Text: Christian Tillmanns  |  Fotos/Grafiken: DGzRS - Die Seenotretter