Float to Live
Ein abruptes Eintauchen in kaltes Wasser ist für viele Todesfälle verantwortlich. Die gute Nachricht: Es gibt eine Strategie, die die Überlebenswahrscheinlichkeit erhöht.
Der Sturz in kaltes Wasser kann für Menschen tödlich sein. Ein Grund liegt in gegenläufigen körpereigenen Reflexen, die auf das Herz-Kreislauf-System einwirken.
Was kann beim Eintauchen in kaltes Wasser passieren?
1. Der Kaltwasserreflex gibt das Signal für eine erhöhte Frequenz des Herzschlags und den Drang zu hyperventilieren.
2. Der Tauchreflex (über Rezeptoren im Gesicht ausgelöst) gibt das Signal zu einem verlangsamten Herzschlag.
Die Signale stehen in einem Konflikt zueinander und können zu einer im EKG sichtbaren, sehr deutlichen Arrhythmie des Herzschlags führen. Die gleichzeitig auftretenden, aber gegenläufigen wirkenden Signale können im schlimmsten Fall zu einem plötzlichen Herztod führen.
In 2021 haben wir diese Mechanismen mit einem Artikel über den plötzlichen Herztod beim Sturz ins Wasser erklärt. Wer dort tiefer einsteigen möchte, findet den Artikel mit ausführlicher Quellennennung der zugrundeliegenden Studien hier:
dailydose.de/story-ploetzlicher-herztod-20210314.htm
Gefährliche Instinkte
Allerding kann auch der Kaltwasserreflex alleine gefährlich werden, denn bei diesem Reflex steigt der Drang zu hyperventilieren. Bei Probanden wurde eine stark erhöhte Atemfrequenz gemessen. Im Wasser ist das besonders gefährlich.
Aufkommende Panik verleitet dazu, möglichst schnell in Sicherheit schwimmen zu wollen. Die zusätzliche körperliche Belastung des hektischen Schwimmens kann die Situation jedoch weiter verschärfen. Darüber hinaus erhöht sich bei Personen, die hektisch nach Luft schnappen, das Risiko, Wasser einzuatmen.
Gegenmaßnahme: Float to Live
Gegen die eigenen Instinkte ankämpfen
Eine wirksame Gegenmaßnahme liegt bei aufkommenden Symptomen in der Reduzierung der körperlichen Aktivität.
- Drehe dich im Wasser auf den Rücken, neige den Kopf nach hinten und halte deine Ohren unter Wasser.
- Entspanne dich und versuche, deine Atmung zu kontrollieren.
- Bewege deine Hände und Beine, um dich über Wasser zu halten.
- Deine Beine sinken vielleicht etwas ab, aber das ist in Ordnung.
Warum Float to Live funktioniert
Nach ein bis zwei Minuten haben sich die Kälterezeptoren der Haut, die den Kaltwasserreflex auslösen, an die Wassertemperatur gewöhnt. Die Atmung stabilisiert sich nach diesem Zeitraum wieder. Float to Live hilft also, die notwendige Zeit zu schaffen, die der Körper benötigt, um sich an die Situation zu gewöhnen. Danach kann versucht werden, Hilfe herbeizurufen oder das Board beziehungsweise das Ufer zu erreichen.
In Großbritannien wird die Float-to-Live-Position auch Kindern beigebracht, um das richtige Verhalten anzutrainieren.
Facts
- 55 % der jährlichen Todesfälle im offenen Wasser in Großbritannien ereigneten sich innerhalb von 3 m Entfernung zu einem sicheren Zufluchtsort (42 % innerhalb von 2 m Entfernung zu einem sicheren Ort), und zwei Drittel der Verstorbenen galten als „gute Schwimmer”.
- Der Kaltwasserreflex ist bei Wassertemperaturen von 10 bis 15°C besonders ausgeprägt. Ein Szenario ergibt sich zum Beispiel beim vermeindlich harmlosen Flachwasser-SUPen bei 20°C Lufttemperatur ohne Kälteschutzanzug.
- Wer ins kalte Wasser fällt, neigt instinktiv dazu, schneller zu Schwimmen, als in warmem Wasser. Die Atemfrequenz erhöht sich dadurch noch mehr.
Quellen:
- Inj Prev 2025, ’From lab to lifesaving’: the evolution of a public health campaign to reduce drownings, Michael Tipton, Martin Barwood, Clare Eglin, Heather Massey, Ross Macleod –
injuryprevention.bmj.com/content/early/2026/01/23/ip-2025-045970 - Float to Live
rnli.org/safety/float - J Physiol 590.14 (2012) pp 3219–3230, ‘Autonomic conflict’: a different way to die during cold water immersion? Michael J. Shattock, Michael J. Tipton
- rnli.org/magazine/magazine-featured-list/2016/august/cold-water-shock-a-bolt-from-the-blue
- news.bbc.co.uk/2/hi/uk_news/england/southern_counties/4248105.stm
03.03.2026 © DAILY DOSE | Text: Christian Tillmanns | Fotos/Grafiken: Christian Tillmanns, RNLI