Antwort, 10.10.2008 00:10 von jogi1111
Zitat: Die Segelrange eines Boards hat nichts mit dem Fahrergewicht zu tun.
Das ist so wohl nicht richtig !
Erstmal vorweg: Es geht hier nicht darum, ob schwerere Surfer mehr Segel bei einer bestimmten Windstärke halten können - natürlich können Sie das. Es geht um die Segelrange eines Boards. Beispiel: Starboard S-Type 104. Angegebene Segelrange von 4.5 ... 6.8 qm.
Ist diese Segelrange für alle Gewichtsklassen gleich ?
Die Beobachtung, das leichtere Surfer ein bestimmtes Board bei leichtem Wind mit größeren Segeln fahren können als Schwere (ohne das dies zu viel anluvt) und sehr schwere Surfer ein bestimmtes Board auch noch mit einem Segel fahren können, das unterhalb der ausgewiesenen Segelrange liegt (wo Leichtgewichte längst abheben würden), hat jeder erfahrene Surfer schon gemacht.
Warum dies so ist, ist aber nicht so leicht zu erklären.
Anschaulich ausgedrückt, würde ich das so erklären:
Ein grosses Board mit genügend Überschussvolumen ist easy zu fahren, wenn der Wind gering ist. Jeder Anfänger kennt das. Nimmt der Wind aber zu, dann wird es immer schwerer, ein (grosses) Board zu kontrollieren, insbesondere für die Leichtgewichte.
Nehmen wir also ein und dasselbe Brett, dann ist es für den Leichtgewichtigen ein Board mit viel Überschussvolumen, für den Schwergewichtigen u.U. ein Board, was fast am untergehen ist - also für ihn deutlich wackeliger ist. In dieser Situation kann der leichtere Surfer viel eher ein großes Segel halten und auch weit nach vorne legen, um nicht anzuluven. Ein schwerer Surfer hat dagegen kaum Möglichkeiten, Gewichtsverlageungen nach vorne vorzunehmen. Folge: der Leichtere kann grössere Segel auf dem Board fahren ! Das zeigt auch die Praxis.
Bei starkem Wind ist es anders herum. Während ein schwerer Surer ein bestimmtes Board auch noch mit 4.0er Segel fahren kann, würde der Leichte mit einem 4.0er Segel und diesem Board glatt abheben - es wäre für ihn nicht mehr kontrollierbar; er müßte ein deutlich kleineres Board zum 4.0er wählen !
Neben diesen anschaulichen Gründen, gibt es auch noch technische Gründe:
Wenn ein Board durch einen schweren Surfer weit(er) unter Wasser gedrückt wird, dann verlagert sich der Lateralschwerpunkt der Brett-Finnen-Kombi nach vorne. Bei großem Segel (mit weit hinten liegendem Druckschwerpunkt) führt dies zum Anluven des Brettes. Damit wird deutlich, dass neben den eingeschränkten Möglichkeiten der Gewichtsverlagerung auch dieser zweite Effekt das Fahren mit (zu) grossem Segel einem schweren Surfer eher verleidet.
Beim unteren Ende an der Segelrange sieht es ganz anders aus: da ist man i.d.R. voll im Gleiten - Probleme mit dem Angleiten oder dümpeln gibt's da eher nicht. Hier limitiert der Wind, der unter das Board greifen kann, den Einsatzbereich, gerade für den leichten Surfer. Auch wenn der Leichte ein 4.0er bei etwas weniger Wind fährt, als ein Schwerer - der Effekt des Verblasens des Boards überwiegt deutlich.
Zum Abschluß noch ein Beispiel: Nehmen wir den oben genannten S-Type 104. Angegebene Segelrange: 4.5 ... 6.8qm. Ich als Leichtgewicht mit 73 Kg fahre den im Bereich von 5.7 ... 7.8, zur Not auch mal mit 9,0 und wenn es sein muss mit 5.0qm. Jeder Versuch, mit dem empfohlenen 4.5er zu fahren, führt zu einem für mich unkontrollierbaren Board. Ein 100Kg Fahrer hat i.a. keine Probleme, da auch noch ein 4.0er drauf zu fahren - aber lass den mal ein 9.0er probieren :eek:
Um nicht missverstanden zu werden: Den Effekt, dass sich die Segelrange mit dem Gewicht des Surfers verschiebt, kann man beobachten. Wie gross er tatsächlich ist, läßt sich aber schwer abschätzen, weil das Fahrkönnen bzw. die eingesetzte Fahrtechnik und nicht zuletzt der Boardshape einen sehr grossen Anteil hat.
Gruß Jogi
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Daß etwas neu ist und daher gesagt werden sollte, merkt man erst, wenn man auf scharfen Widerspruch stößt. (Konrad Lorenz)