Antwort, 11.04.2007 20:15 von olli1111
Tach zusammen, hi Nado!
"Mir ist klar, dass sich ein 160l Freerider nicht sonderlich gut für die Welle eignet usw. aber wenn Freeride mein einziges Ziel ist, ist es doch egal ob ich 30 oder 80 Liter Restauftrieb habe, wenn man Material- und Körpergewicht abzieht, oder?"
Das ist nicht nur nicht egal, es ist sogar mit entscheidend für Deinen Spaß auf dem Wasser, Nado.
Die Leute die schreiben: nimm ein kleines Brett, sonst hast Du auf lange Sicht keinen Spaß damit, tun vielen keinen wirklichen Gefallen mit ihren kurzen Empfehlungen. Sicherlich steckt oft ein Funken Wahrheit dahinter aber das deckt sich dann mit 'deren' Erfahrungen und Bedingungen, nicht aber unbedingt mit den Bedürfnissen, des Fragenden.
Auf Deine Angaben bezogen, finde ich 200 Liter etwas überdimensioniert, da Du ja schon einige Grundlagen kannst. Du schleppst bei solchen Dampfern immer zusätzliches Gewicht mit herum, das auf dem Wasser beim Angleiten eher bremst. Zudem sind die breiteren, voluminöseren Bretter träger in Manövern und werden meist nicht so schnell wie ihre kleinen Verwandten. In Deinem Fall würde ich sagen, dass ein Brett von 145 Litern - 180 Litern Sinn macht. Ich bezieh mich hier aber nicht auf großvolumige Anfängerbretter sondern auf echte Freerider.
Sie bieten Dir in dieser 'Größe' genug Stabilität um an Deiner Halsentechnik zu feilen, gleiten gut an und durch, tragen (auf Dein Gewicht bezogen) große und kleinere Segel (ca. 6-10 m²) und decken von Leicht- bis Mittelwind den Einsatzbereich ab, in dem Du am besten üben kannst und der Dir bei Deinem Fahrkönnen mit Abstand am meisten Spaß bereiten dürfte.
Da ich bei Dir noch nichts von Trapezfahren oder Schlaufentechnik lese, würde ich zu einem Brett mit stabiler Bauweise greifen (ASA oder ähnliches). Das verkraftet noch den ein oder anderen Schleudersturz besser als Bretter mit Holz- oder Carbonsandwich. Ich fahre als großes Leichtwindbrett zum Beispiel eins mit 145 Litern. Mit ca 10 m² gleitet es auch bei leichterem Wind an und lässt sich auch in Böen von mittleren/oberen 5 bft noch prima angepowert mit 7 m² kontrollieren. Der Vorteil ist hier, dass auf unseren Baggerseeen sehr böige Bedingungen vorherrschen. Bei solchen Böen liegt die Grundwindstärke - über den Tag verteilt - irgendwo im oberen 3er Bereich. Für meine 85 Kilo zu wenig, um mit nem kleinen Brett (95/115 Liter) häufig im Gleiten zu sein. Die würde ich erst bei konstanten mittleren/oberen 4 auspacken. Das ist auch der Grund, warum ich einem Anfänger auf schlecht belüfteten Binnenseeen zu nichts Kleinerem raten würde als 60 Liter Restvolumen - schließlich darfst Du noch das Gewicht für das Rigg und den Neo und evtl. Schluppen abziehen.
In windigeren Revieren und/oder Stehrevieren sieht das schon ganz anders aus. Dann aber hängt es von der Auffassungsgabe und dem Bewegungstalent des einzelnen ab. Ein hochmotivierter Fahrer mit hoher Frustrationstoleranz, guter Auffassungsgabe und Motorik, wird das auch auf einem kleineren Brett verhältnismäßig schnell meistern, wenn er oft genug an's Wasser kommt.
Auch gibt es surfer, die unter 4 bft gar nicht erst ans Wasser fahren. Auch für die lohnt sich ein Brett mit mehr Überschussvolumen weniger. Jemand, der aber den kompletten Windbereich abdecken möchte (Leicht - Starkwind), der kommt um minimal 2 Bretter nicht herum. Die sollten im Volumen und im optimalen Windeinsatzbereich möglichst wenig Überschneidung haben - z.B. 145 Liter (3 - mittlere 5 bft) und 85 - 115 Liter (mittlere 4 bft - mittlere 7 bft). Das hängt natürlich auch immer vom Shape der Bretter und damit vom Einsatzbereich ab. Ein 2-Brett-Setup macht aber eh erst dann Sinn, wenn Du die Grundlagen, wie Trapez- und Schlaufenfahren, Beach- und Wasserstart und Powerhalse oder Speedtack kannst.
Wichtig für Dich ist, dass unterschiedliche Shapes bei gleichem Volumen unterschiedliche Fahr-, Gleit- und Manövereigenschaften mitbringen und Bretter auch unterschiedliche Wertstabilität besitzen.
Du solltest also für Dich klären, wie ehrgeizig und sportlich Du bist. Bist Du leicht zu frustrieren, oder findest Du es eher amüsant, öfter mal ins Wasser zu fallen?
Wichtig ist nur, dass Du die Sachen, die Du lernen möchtest möglichst häufig probierst. Gibst Du z.B. beim Halsenlernen nach dem 4. Versuch auf, sollte die Plattform stabiler sein. Ähnlich verhält es sich beim Schlaufenfahren usw.
Zu breiteren Brettern ist noch zu sagen, dass es nicht nur einfacher ist, große Segel auf ihnen zu fahren, sie brauchen die größere Segelfläche auch, um im direkten Vergleich der Gleitleistung mit schmaleren Shapes mitzuhalten.
Schließlich kommen wir wieder auf den - für meinen Geschmack - wichtigsten Faktor zurück: das eigene Wohlbefinden. Aus Deiner Aussage lese ich heraus, dass Du Dich gedanklich (und auch in der Praxis) auf voluminöseren Brettern eher wohlfühlst. Du hast das One Design angeführt. Um das Brett mal mit einem aktuellen shape zu vergleichen:
- One Design: Länge 372 cm, Breite 63,5 cm, Volumen 235 ltr (alte Version)
Das ist ne ziemliche Zigarre - also hohes Volumen bei geringer Breite, stabilisiert durch das Schwert.
Eine ähnliche Kippstabilität erreichst Du auch mit einem über 80 cm breiten Funboard mit entsprechender Finne, bei wesentlich kompakterer Länge und deutlich weniger Volumen. Große Freerider bieten ähnliche Kippstabilität, gleiten aber deutlich freier, lassen sich leichter halsen und fühlen sich leichter und lebendiger an, im Vergleich zu einem Raceboard wie dem One Design. Wichtig für Dich dürfte aber sein, dass Du testest, mit welchem Volumen Du Dich wohl fühlst. Vielleicht brauchst Du ein Brett wie den Starboard Go 185, um Dich wohlzufühlen, evt. empfindest Du nach kurzer Eingewöhnungszeit auch einen Go 155 als ausreichend. Den Go nehme ich nur als Beispiel. Es gibt etliche andere Bretter, die in Frage kommen, z.B.: Fanatic Shark, JP Excite Ride, Starboard Go, F2 Hornet, etc. und viele ältere Bretter mit halbwegs aktuellem (kurzen, breiten) Shape (z.B.: RRD AVR, F2 Powerglide, etc.). Das 'kleinere' Brett (bis zu 145 Litern) wird Dir aber immer mehr Fahrspaß vermitteln, als ein 'größeres' - vorausgesetzt, Du empfindest es nicht als zu klein und vorausgesetzt, Du kannst entspannt darauf lernen.
Ich würde, an Deiner Stelle, eher ein größeres als zu kleines wählen - und später gegen ein kleineres Brett eintauschen, wenn Du die Basics kannst.
Stell Dich also - wenn möglich - mal auf Bretter mit unterschiedlichem Volumen und probier aus, was Dir liegt (auf einem Testival oder in einer Verleih-/Teststation.
Wenn Du die Grundlagen kannst, würde ich mit 85 Kilo aber unter 160 Litern bleiben - vorausgesetzt, Du planst nicht noch zuzulegen :)
Cheers,
Oliver