IDM Windsurfer-LT-Klasse
Internationalen Deutsche Meisterschaften am Dümmer See 18.09.2026 - 20.09.2026
Bei den Internationalen Deutschen Meisterschaften der Windsurfer-LT-Klasse wurde am Dümmer See viel geboten: kräftiger Wind, enge Rennen, schmerzende Arme und ein Finale, das bis zum letzten Meter offenblieb. Lasse Brudek hat erfolgreich mitgemacht und berichtet.
Es gibt Regatten, an die erinnert man sich wegen eines Ergebnisses. Und es gibt Regatten, die im Kopf bleiben, weil das gesamte Wochenende einfach besonders war. Die Internationalen Deutschen Meisterschaften der Windsurfer-LT-Klasse am Dümmer See waren beides.
Schon vor der Anreise war klar: Gemütliches Dahingleiten würde eher nicht auf dem Programm stehen. Die Vorhersage versprach kräftigen Wind und Böen bis in den stürmischen Bereich.
Das große Starterfeld ermöglichte Wertungen in vier Gewichtsklassen. Vom ersten Start an war zu spüren, wie eng es werden würde.
Freitag: Vier Rennen und drei Verdächtige
Am ersten Tag konnten direkt vier Rennen ausgetragen werden. Dabei kristallisierte sich schnell ein Spitzentrio heraus: Leon Delle, Fred Hastman aus den Niederlanden und ich. Wir wechselten uns an der Spitze ab und landeten in allen Rennen unter den ersten drei.
Nach vier Läufen führte Fred die Gesamtwertung an. Leon lag nur einen Punkt hinter ihm, ich folgte mit einem weiteren Punkt Rückstand auf Rang drei. Enger hätte ein Regattawochenende kaum beginnen können.
Samstag: Der Dümmer zeigt die Zähne
Am zweiten Tag legte der Wind noch einmal nach. Aus „sportlichen Bedingungen“ wurde schnell „gut festhalten und hoffen, über den Kurs zu kommen“.
Im ersten Rennen erwischte Leon nicht den optimalen Trimm und kam auf Rang fünf. Fred wurde Zweiter, ich Dritter. In den beiden folgenden Läufen konnte Fred nur noch einmal unter die besten drei fahren, während Leon und ich uns ein immer engeres Duell um die Spitze lieferten.
Dann stand das Marathonrennen auf dem Programm.
Passend zum längeren Kurs frischte der Wind noch einmal deutlich auf. Hohe Wellen und harte Böen machten das Rennen zu einem echten Kraftakt. Mehrere Materialbrüche zwangen Fahrerinnen und Fahrer zur Aufgabe. Wer jetzt noch sauber um den Kurs kommen wollte, brauchte nicht nur Geschwindigkeit, sondern auch Gefühl, Konzentration und eine gewisse Leidensfähigkeit.
Mir lagen die Bedingungen. Ich fand einen guten Rhythmus, kam mit Wind und Wellen zurecht und gewann das Marathonrennen vor Leon. Fred erreichte Rang sechs.
Damit übernahm ich die Führung in der Gesamtwertung, allerdings nur mit einem Punkt Vorsprung auf Leon. Fred lag lediglich einen weiteren Zähler dahinter.
Viel besser hätte die Ausgangslage für einen spannenden Finaltag kaum sein können.
Sonntag: Wie man eine gute Ausgangslage fast vollständig entsorgt
Für den letzten Tag waren drei weitere Rennen angesetzt. Ich ging als Führender aufs Wasser und hatte die beste Ausgangslage. Mit einem Sieg im ersten Lauf hätte ich einen riesigen Schritt in Richtung Titel gemacht.
Das war zumindest der Plan.
Die Realität bestand aus zwei taktischen Fehlentscheidungen und Platz vier. Leon wurde Zweiter, Fred Dritter. Von meiner komfortablen Ausgangslage war damit nicht mehr viel übrig.
Im nächsten Rennen wollte ich es besser machen. Nach einer anstrengenden Aufholjagd gelang es mir tatsächlich, Leon zu überholen. Unmittelbar danach fiel jedoch mein Segel ins Wasser und Leon zog wieder vorbei. Fred gewann den Lauf, ich kam erneut als Vierter ins Ziel. Nach der guten Ausgangslage vom Vortag war zweimal Platz vier ungefähr so weit von meinem Wunschzettel entfernt wie Flaute von einer Sturmwarnung.
Ich war entsprechend schlecht gelaunt und benötigte erst einmal einen Moment für mich. Viel Zeit zum Ärgern blieb allerdings nicht, denn vor dem letzten Rennen war die Lage plötzlich ebenso einfach wie dramatisch: Fred, Leon und ich waren punktgleich.
Ein Rennen. Drei Fahrer. Wer vorn landet, gewinnt den Titel.
Vor dem Start war die Anspannung auf dem gesamten Kurs zu spüren. Für uns drei schien der Rest des Feldes in diesem Moment jedoch beinahe ausgeblendet zu sein.
Wir erwischten alle einen guten Start.
Leon wendete zuerst und entschied sich für die rechte Seite des Kurses. Fred und ich kreuzten über links. Zunächst sah unsere Seite dank eines Winddrehers ziemlich gut aus. Dann drehte der Wind erneut und plötzlich war rechts doch wieder schneller.
An der ersten Boje lag Leon vorn, ich folgte dahinter, Fred war Dritter.
Damit begann meine Aufholjagd. Ich pumpte, was Arme und Rücken noch hergaben, verkürzte den Abstand und zog kurz vor dem unteren Gate an Leon vorbei. Dort mussten wir uns erneut entscheiden: Ich nahm die rechte Boje, Leon die linke.
Auf der zweiten Kreuz entwickelte sich ein echtes Kopf-an-Kopf-Rennen. Mal hatte Leon einen kleinen Vorteil, mal ich. Mehrfach wechselte die Führung. Jede Böe konnte das Rennen drehen, jeder kleine Fehler die Meisterschaft kosten.
An der oberen Tonne lag Leon wieder hauchdünn vor mir.
Jetzt blieb nur noch der Zielsprint. Ich mobilisierte alles, was nach drei Tagen Regatta noch übrig war, und pumpte um jeden Meter. Langsam kam ich näher. Kurz vor dem Ziel zog ich wieder an Leon vorbei und gewann das Rennen.
Als ich realisierte, dass ich das Rennen und damit den Titel gewonnen hatte, fiel die gesamte Anspannung auf einmal ab. Mein Freudenschrei dürfte noch am anderen Ufer zu hören gewesen sein. Es war das wichtigste, spannendste und zugleich schönste Rennen des Wochenendes.
Mehr als eine Ergebnisliste
Wieder deutscher Meister zu sein, ist unfassbar cool! Aber was von diesem Wochenende bleibt, ist für mich mehr als nur der erste Platz.
In Erinnerung bleibt mir die gesamte Veranstaltung: das große Feld, die engen Rennen und das besondere Miteinander, bei dem an Land gemeinsam gefachsimpelt und auf dem Wasser kompromisslos gegeneinander gesurft wird.
50 % Fun, 50 % Racing
Egal, von welchem Verein man kam oder in welcher Gewichtsklasse man startete: Dieses Wochenende hat wieder einmal gezeigt, warum solche Regatten so viel Spaß machen. Gleiches Material, wechselhafte Bedingungen, faire Duelle und genug gemeinsame Erlebnisse, um noch lange darüber zu philosophieren.
Und weil man nach drei Tagen Sturm, Marathon und Herzschlagfinale offenbar noch nicht genug Windsurfen haben kann, geht es für uns direkt weiter: Am kommenden Wochenende findet das Bundesligafinale statt. Wieder am Dümmer See.
Die Arme dürfen sich bis dahin kurz erholen. Sehr kurz.
Die kompletten Ergebnisse findet ihr hier: www.manage2sail.com/...
27.09.2026 © DAILY DOSE | Text: Lasse Brudek | Fotos/Grafiken: Dr. Nathalie Kürten, Ralf Stubbe | Translation: EN