Epoxyd-Recycling von Cobra International und Aditya Birla

Der Durchbruch: Epoxid-Recycling

Finnen und Boards können endlich recycelt werden

Der indische Chemiekonzern Aditya Birla und die thailändische Firma Cobra International haben in Zusammenarbeit mit der Maui Fin Company eine Recycling-Methode für (Sandwich-) Bauteile aus Epoxidharzen zur Serienreife entwickelt.

Epoxidharze sind aus der Windsurfindustrie nicht wegzudenken. Das Harz verbindet die einzelnen Komponenten eines Boards oder einer Finne. Das macht das Harz sehr gut. Und so waren die Bestandteile zum Beispiel einer Finne bisher nahezu untrennbar mit einander verklebt. An ein Recycling war eigentlich nicht zu denken. Dieses Problem scheinen die Techniker von Aditya Birla und Cobra mit einem neuen Harzsystem jetzt geknackt zu haben.

Pio Marasco, Chef des Finnenherstellers Maui Fin Company kommentiert: "Wir haben im Produktionsprozess auch Ausschuss. Diese fehlerhaften Finnen mussten bisher weggeschmissen werden." In Zukunft bekommt auch dieser Ausschuss ein zweites Leben.

Durch die neue Methode kann bei einer Temperatur von 80-90°C in einer sauren Lösung zum Beispiel die oben erwähnte Finne wieder in ihre einzelnen Bestandteile zerlegt werden. Das Harz wird wieder flüssig. Dann wird die Harzlösung gefiltert und neutralisiert. Das wiederverwendbare thermoplastische Polymer flockt aus und kann aus der Lösung entfernt werden.
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Starboard
Cobra produziert Boards und Komponenten für viele Hersteller und kann mit neuen Technologien stark auf die Ökobilanz des Sports Einfluss nehmen
Die herausgelösten Glasfasermatten können geschreddert werden und die so gewonnenen Fasern können erneut in Produkten verwendet werden. Auch das Harz kann wieder verwendet werden. So entstehen aus dem vermeintlichen Abfall wieder neue Produkte, wie zum Beispiel Plugs für Fußschlaufen.

Die neuen Produkte haben allerdings andere mechanische Eigenschaften als die Ausgangsprodukte. Aus einer alten Finne, kann deshalb keine neue Finne mit den mechanischen Eigenschaften einer herkömmlichen Finne hergestellt werden. Deshalb finden die zurückgewonnenen Stoffe dort Anwendung, wo die mechanischen Eigenschaften immer noch ausreichen.

Pio Marasco weist darauf hin, dass auch bei Harzen, die als biologisch abbaubar gelten, dies oft nur bis zu einem Gewissen Prozentsatz der Fall ist. So könnten zwar auf einer Müllkippe 32% des Harzes biologisch abgebaut werden, 68% verbleiben aber.

Marasco kommentiert: "Deshalb wollen wir möglichst Abfall zu vermeiden. Wir wollen einen geschlossenen Kreislauf."

In unserem Artikel, "Surfing on Oil" haben wir uns 2014 damit beschäftigt, dass die meisten Harze und andere Windsurf-Komponenten aus Erdöl hergestellt werden. Dies ist bis heute so, auch wenn es immer mehr Versuche gibt, Harze aus (kurzfristig) erneuerbaren Rohstoffen herzustellen.

Deshalb ist es umso wichtiger, in einem energetisch sinnvollen Verfahren Rohstoffe zurückzugewinnen. Das neue Verfahren ist ein großer Schritt in die richtige Richtung. Der Prozess wurde mit dem JEC-Innovationspreis der Technologiemesse JEC ausgezeichnet.

"Aufbauend auf dem Erfolg dieses Projekts konzentrieren sich Cobra und unsere Partner nun auf den Ausbau der Recycling-Infrastruktur. Starboard und MFC werden recycelbare Epoxidharzfinnen in 2020 ausliefern, und Cobra arbeitet auch an den nächsten Schritten zur Verwendung recycelbarer Epoxidharze für größere Komponenten und Bauformen innerhalb der Firma", kommentiert Danu Chotikapanich, CEO von Cobra.