Philip Köster
Sebastian Kördel ist 2017 unter die Top-10 im Slalom gefahren. Er erklärt, warum ein Sieg in den Top-10 zwischen den Ohren entsteht und gibt Tipps für Hobbyracer. Ein Interview.


2014 Platz 26, 2015 Patz 16, 2016 Platz 15. In diesem Jahr schließt Du die Saison mit einem hervorragenden Platz 10 ab. Läuft alles nach Plan? Wie beurteilst du deine Saison 2017 im Rückblick?
Generell bin ich sehr zufrieden, wie die letzten 3 Jahre, in denen ich mich voll auf den Worldcup konzentrieren konnte, gelaufen sind. Ich bin zwar hinter meinem Zeitplan, aber der war vielleicht auch ein bisschen zu ambitioniert. Ich wollte 2016 schon die Top-10 knacken und mich 2017 dann fest darin etablieren. Wenn man dann aber auf ein entsprechend hohes Level kommt, merkt man schnell, dass die Luft doch ganz schön dünn ist. Ich bin allerdings sehr zufrieden mit meiner Leistung in 2017 und stolz darauf, was ich erreicht habe. Vom Bodensee bis in die Top-10 des PWA Worldcups zu fahren, gab es glaube ich noch nicht so häufig.

Wenn ich genauer auf die Saison zurückblicke, dann erkenne ich klar, dass ich stark angefangen habe, dann eine gewisse Durststrecke hinter mich brachte und erfreulicher Weise am Ende der Saison wieder stark gefahren bin. In Korea hatte ich ein bisschen Pech, dass kein Ergebnis eingefahren wurde. Ich war schon für das Finale qualifiziert und dann hat der Wind einfach nicht gereicht, um dieses fertig zu fahren. Das sichere gute Ergebnis aus Korea blieb mir damit versagt. Das hätte es am Ende dann nicht so unglaublich spannend gemacht, ob ich es in die Top-10 schaffe oder nicht. Ich denke mein 5. Platz auf Neukaledonien hat bewiesen, dass ich das Zeug dazu habe das Ranking noch weiter nach oben zu klettern und in den nächsten Jahren vielleicht um den Titel zu kämpfen. Das Wichtigste aus der Saison 2017 ist, dass ich gelernt habe woran es liegt, wenn ich keine gute Leistung bringe und worauf es bei mir ankommt, damit ich gute Leistung bringe. Das muss jetzt nur noch diszipliniert durchgezogen werden und dann sehen wir mal wo es hingeht.

Sebastian Kördel
Wie trainierst Du? Hast Du dein Training in den vergangenen Jahren verändert?
Wie schon erwähnt lernt man jedes Jahr dazu und dem entsprechend hat sich auch mein Training immer weiter verfeinert. Ich verbringe meinen Winter größtenteils in Andalusien, in Tarifa und arbeite dort mit meinem Coach an meiner Fitness. Dazu bin ich und eine Hand voll andere PWA Fahrer fast jeden Tag auf dem Wasser. Im Februar und März sogar dreimal die Woche mit Boot und Bojen, um die Worldcuprennen bestmöglich zu simulieren.

Du konntest Deine Leistung ständig steigern. Steigt jetzt auch der psychische Druck? Wie wichtig ist die Psyche in den Profirennen?
Immens wichtig! Ab einem gewissen Level sind alle Fahrer auf vergleichbar gutem Material. Alle sind gut trainiert und schnell. Der Unterschied liegt zwischen den Ohren. Nur wenn man cool bleibt und seine Erfahrung richtig anzuwenden weiß, also die richtigen Entscheidungen trifft, fährt man vorne. Ich stelle da immer gerne einen Vergleich auf. Wenn du mit der besseren Finne oder einem besseren Board unterwegs bist, dann machst du im Vergleich zu einem anderen Fahrer nach einem km vielleicht fünf Meter gut. So eng geht es geschwindigkeitstechnisch in den Top-10 zu! Bist du allerdings am Start nur eine halbe Sekunde zu spät, dann bist du fast zehn Meter hinten. Der Start ist eine rein mentale Sache. Du musst dich richtig positionieren, die Entfernung zur Startlinie mit deiner jetzigen und zukünftigen Geschwindigkeit abgleichen, die Wellen im Auge behalten und dann entscheiden, wann du Vollgas gibst. Um auf die Frage zurück zu kommen, der psychische Druck ist sehr hoch, allerdings komme ich damit ganz gut klar..
Sebastian Kördel

Die Leistungsdichte ist an der Spitze extrem eng. Wo siehst Du bei Dir noch Schwächen?
Meine Schwächen liegen klar darin, dass ich während der Saison, mit ihren vielen Reisen, mein Fitness Level aus dem Wintertraining nur schwer halten kann. Das bekomme ich für nächste Saison aber in den Griff. Ansonsten muss ich daran arbeiten keine Frühstarts mehr zu machen und natürlich muss weiter am Speed gefeilt werden. Es gibt kein Limit, es geht immer noch diesen kleinen Tick schneller.

Stichwort Material. Wieviel tut sich beim Material von Jahr zu Jahr? Wärest Du mit Equiment von 2016 in 2018 noch konkurrenzfähig?
Das weiß ich nicht genau, wäre mal lustig das auszuprobieren. Ich bin allerdings froh, dass ich jedes Jahr neues Material bekomme. Ich weiß wie viel Entwicklungsarbeit bei anderen Windsurf Firmen betrieben wird und ich weiß welche großen Schritte wir bei Starboard und Gaastra innerhalb eines Entwicklungszeitraums nach vorne machen und ich würde nur sehr ungern auf altem Material fahren.

Welche Tipps hättest Du für Amateure ohne Rennambition, die einfach nur schneller werden wollen?
Tuning! Man kann aus fast jeden Material einigermaßen Performance herausholen, wenn man es nur richtig einstellt. Mastfuß-, Gabel- und Schlaufenpositon, Vorliek Spannung, Achterliek Spannung, die Finne, der Mast, die Latten. Man muss auf dem Wasser immer versuchen in das Material hinein zu fühlen, dann etwas vom oben genannten verändern und wieder aufs Wasser. Kleinste Veränderungen bei den Wind- und Wasserbedinungen verlangen schon eine Veränderung der Einstellungen. Also immer viel verändern, ausprobieren und aufschreiben, was gut geklappt hat.

Sebastian Kördel