Flo Jung
Der Saarbrücker Flo Jung lebt einen Windsurftraum. Er hat sich nicht zu sehr auf die Wettkampfschiene eingelassen und reist stattdessen für seine Abenteuer rund um den Globus.
Ein Interview.


Du kommst aus Saarbrücken. Wann und wie bist Du zum Windsurfen gekommen?
Ich habe an einem kleinen See in der Nähe von Saarbrücken mit dem Windsurfen angefangen. Es fing eigentlich alles mit einem uralten Hilfly Board an, das ich in der Garage meines Onkels gefunden habe. Das war so gegen 1999 als ich 15 Jahre alt war.
Flo Jung
Fährst du von dort für kurze Tripps eher nach Holland, Belgien, an die französische Kanalküste, oder eher in Richtung Süden?
Nein das stimmt! Ich verbringe im Winter viel Zeit in Kapstadt und in den Sommermonaten bin ich durch die Worldtour oft auf den kanarischen Inseln. Von daher sind die Trips zu den heimischen Küsten eher seltener geworden. Aber wenn ein gutes Sturmtief aus SW herein rollt, ist eigentlich Wissant in Nordfrankreich meine erste Wahl. In den letzten zwei Jahren habe ich auch in Marseille gewohnt, das meine Anlaufstelle in Europa war, deshalb kenne ich auch diese Ecke ganz gut.

Ist Gunsails (ebenfalls in Saarbrücken ansässig) für dich nur eine Firma, oder steckt mehr dahinter? Mit Gun arbeitest Du ja schon eine Weile zusammen.
Wie schon gesagt bin ich mit Gunsails sehr verwurzelt. Zum einen befindet sich die Firma in meiner Heimatstadt und ohne Gunsails wäre meine Karriere sicherlich auch anders verlaufen. Als Jugendlicher habe ich hier im Lager Segel verpackt, um mir meine ersten Hawaii Trips zu finanzieren. Zudem wurde ich relativ früh vom damaligen Firmengründer Eberhard von Osterhausen unterstützt und als Teamfahrer aufgebaut. Ich bin sozusagen seit 15 Jahren Teil des Unternehmens und versuche mein Fachwissen in vielen Bereichen mit einfließen zu lassen, sei es für die Entwicklung neuer Produkte oder auch als Teamrider auf Wettkämpfen und Photoshootings.
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Flo Jung

Du hast es immer geschafft, dich anders sponsern zu lassen, als andere eher wettkampforientierte Fahrer. Wie finden Deine Sponsoren und Du zusammen?
Ich denke mal, dass ich im Gegensatz zu manch einem anderen Pro Surfer sehr früh versucht habe, mich auch ausserhalb der Windsurf Szene zu vermarkten. Das Thema Sponsorensuche ist extrem schwierig, um wirklich langfristige Partner zu finden, die genau das suchen, was man verkörpert. Ich kann mich noch gut daran erinnern, als ich eine Weltreise unter dem Motto "Follow the trade winds" auf die Beine stellen wollte. Ziel war es den Passatwinden rund um den Globus zu folgen und 8 Monate lang neue Spots und Destinationen vorzustellen. Dazu habe ich wahrscheinlich 100 potentielle Sponsoren angeschrieben und nur Absagen bekommen. Letztlich habe ich die Reise Low Budget auch ohne Sponsoren durchgezogen und in Sachen Pressearbeit so viel gelernt. Danach konnte mit Hilfe der vielen Veröffentlichungen und mit der Zusammenarbeit von Agenturen den ein oder anderen Sponsor für mich gewinnen. Aber wie gesagt, es ist ein langer Weg der viel Disziplin und Ausdauer voraussetzt.

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Welches war Dein bisher interessantestes Projekt?
Ich glaube mein bisher interessanteste Projekt war die Aquapower Expedition, bei der ich zusammen mit weiteren Athleten und Meeresbiologen drei Monate über den Atlantik gesegelt bin. Bei dem Projekt ging es hauptsächlich darum, die Meeresverschmutzung durch Plastikmüll aufzuzeigen aber auch zu zeigen, wie wichtig und einzigartig der Ozean in all seinen Facetten ist. Wir haben Strandsäuberungen durchgeführt, Interviews mit Wissenschaftern und Einheimischen geführt, Web-Episoden produziert und Wasserproben entnommen, um den Plastikgehalt auf der gesamten Route für wissenschaftliche Zwecke zu messen. Darüber hinaus habe ich auch sehr viel über mich selbst gelernt und welche Konsequenzen mein tägliches Handeln hat. Obendrauf gab es natürlich auch einen Crashkurs im Sturmsegeln, der uns ein Großsegel gekostet hat. (Weitere Informationen findet ihr auch unter www.aquapower-expedition.com)

Du warst auch in Jaws unterwegs. Wie kam es dazu? Ist Jaws tatsächlich so furchteinflößend wie es aussieht?
Ich hatte bisher ca. vier Surf Sessions in Jaws und es ist jedesmal aufs Neue sehr aufregend. Einige Tage davor sieht man auf den Wetterkarten ziemlich deutlich ob Jaws funktionieren wird und versucht sich bestmöglich darauf vorzubereiten. Mal hatte ich die Chance mit einem Jetski rauszufahren, mal bin ich von den Felsen gesprungen oder auch von Hookipa hochgekreuzt. Die Welle dort ist ohrenbetäubend laut, hat extrem viel Power und setzt pures Adrenalin frei. Es macht Spass sich dieser Herausforderung von Zeit zu Zeit zu stellen aber es ist auch keine Welle, wo man endlos viele Turns fahren kann.

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Wie hast du dich vorbereitet? Atemtraining, Steine unter Wasser schleppen?
Meistens ist meine Devise, dass ich körperlich extrem fit sein muss und im Ruhezustand mindestens drei Minuten die Luft anhalten kann. Dazu gibt es einige Atemübungen die man machen kann und setze auf gutes Sicherheitsequipment wie zB. eine Life Vest mit aufblasbaren Luftkammern, die ich zusammen mit Resttube entwickelt habe.

War das die 'gefährlichste' Situation in deiner Karriere, oder gab es andere heftige Bedingungen, die ein höheres Risiko mit sich brachten?
Jaws ist an sich nicht sehr gefährlich, solange man nicht gewaschen wird. :) Ich bin schon öfter in Situationen gekommen, die nicht ganz ohne waren, wie z.B. als ich mir beim Surfen in Alaska vor der Gletscherabbruchkante ein Mast gebrochen habe oder bei Winterstürmen, bei denen ohne Material länger schwimmen musste. Aber bisher hatte ich extrem viel Glück und diese Situationen hielten sich in Grenzen.

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Du geht auch Mountainbiken - Freeriden und Downhillfahren? Ausgleichstraining oder mehr?
Ich habe das Biken für mich vor ein paar Jahren entdeckt. Es ist der perfekte Ausgleich und man kann es fast überall machen - auch ganz ohne Wind. Ein paar Freunde von mir haben mich auf Touren mitgenommen und nach dem ein oder anderen Sturz, habe ich dann in eine gute Ausrüstung investiert. Meistens beschränken sich diese Trips aber auf Deutschland oder Frankreich, da mein Übergepäck meist mehr als ausgereizt ist.

Was machst du sonst an Wassersport und Boardsport zum Training?
Ich versuche so oft es geht Wellenreiten zu gehen oder mich auf mein SUP zu stellen. Ich bin auch gerade dabei das Foilen für mich zu entdecken.

Wie siehst Du Deine Zukunft? Für immer fast das ganze Jahr unterwegs sein geht ja nicht ewig. Oder doch?
Ich weiß ehrlich gesagt nicht was die Zukunft so mit sich bringt. Momentan lebe ich von Jahr zu Jahr und fahre mit diesem Konzept sehr gut. Im großen Ganzen ist es mir wichtig meine Leidenschaft mit 100% Einsatz zu leben und zu lernen - sei es bei Wettkämpfen auf der Worldtour, bei der Entwicklung von Segeln oder Öko-Boards, beim Bigwave surfen oder bei dem Ausbau meiner Non Profit Organisation "MON COEUR". Ich bin dankbar für jeden Tag auf den Wasser und versuche das beste draus zu machen.

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