Olympisches Windsurfen
Links: BIC Wind Foil 130 (130 Liter, 81,5 cm breit) rechts: iQ Foil (196 Liter, 95 cm breit)

BIC Techno 293, BIC Wind Foil und iQ Foil

Einstieg ins Olympische Windsurfen

2024 wird das Olympische Windsurfen in der Einheitsklasse iQ Foil stattfinden. Im Jugend- und Amateurbereich wird auf nationaler Ebene auf Einheitsklassen von BIC gesetzt. Wie passt das zusammen und wie kann man in den olympischen Regattasport einsteigen?

Rückblick: Nach langem Gerangel fiel 2019 die Entscheidung. Die RS:X Klasse wird aufs olympische Altenteil geschickt, denn 2024 wird das Olympische Windsurfen auf Foils stattfinden. Hierzu wurde das iQ Foil von Starboard als Einheitsmaterial ausgewählt. Männer müssen ein 9m² großes Rigg nutzen. Frauen fahren ein 8m² großes Rigg. Sollte der Wind so stark sein, dass sicheres Foilen nicht möglich ist, kann das Board mit einer Finne in herkömmlicher Gleitfahrt gefahren werden. So soll mit einem Board und einem Segel das Windsurfen von 5 bis 30 Knoten (!) möglich sein.

Das Design des iQ Foil ist lizenzierbar, so dass die Produktion (zumindest theoretisch) auch anderen Herstellern offen steht. Ein segelfertiges Board inklusive Rigg, Foil, Finne, zweiter Fuselage und Bags kostet zur Zeit offiziell 9519 Euro und stellt damit eine nicht zu unterschätzende Investition dar. Das Komplettpaket für Frauen kostet 9399 EUR. Eine Jugendpackage des iQ Foil u.a. mit einem kleineren Board (153 Liter, 85 cm breit), kleiner Finne, kleinerem Segel kostet 5949 EUR. Dies ist aber im Jugendbereich nicht das Material, auf das der DSV setzt.

Wer als Jugendlicher oder Einsteiger aus deutscher Sicht den Traum von der Olympiade träumt, steht einer komplexen und teilweise noch im Aufbau befindlichen Struktur gegenüber.
Olympisches Windsurfen
Das iQ Foil kostet im Komplettpaket bis zu 9519 Euro
Der Deutsche Segler-Verband (DSV) propagiert im Jugendbereich nicht die iQ Youth Package, sondern setzt auf die etablierte und starke Regattaklasse des Herstellers BIC. Deshalb wird für die Altersgruppe U13 und U15 auf die BIC Techno 293 Klasse gesetzt. In der Altersgruppe U17, also ab einem Alter von 15 Jahren, darf der Nachwuchs in Regatten erstmals aufs Foil. Dort wird der BIC Techno Wind Foil 130 genutzt. Das Foil Equipment von BIC kostet etwa 4000 Euro. Dieser Einstieg ist also knapp 2000 Euro günstiger, als ein Einstieg über das iQ Foil in der Jugendversion (5949 Euro) wäre. Wer vorher schon in der BIC Techno 293 Klasse aktiv war, kann von dort das Rigg übernehmen. Dann reduziert sich die Investition auf etwa 2800 Euro.

In der Altersklasse U19 fährt der DSV zweigleisig. Für den Leistungssport (Landeskader, DSV Nachwuchskader) wird das iQ Foil gewählt, der Breitensport und Teile des Leistungssports (AK 17 Landeskader / DSV Nachwuchskader) werden auf BIC Techno Wind Foil 130 fahren.

Einen Überblick stellt der DSV hier zur Verfügung: www.dsv.org/segeln/breitensport/windsurfen/regattasport/

Es ist von Seiten des Weltsegelverbandes momentan nicht geklärt, welches Material zukünftig in der vorolympischen Klasse tatsächlich genutzt werden soll. Momentan ist hier noch die BIC Techno 293 Klasse im Rennen.

Wer als Jugendlicher den Traum von Olympia hat, muss aber der Tatsache ins Auge sehen, dass gar nicht sicher ist, ob Deutschland überhaupt Windsurfer zur Olympiade schickt, bzw. schicken darf. Hierzu wird es internationale Kriterien geben. On-Top kann es aber auch noch nationale Kriterien geben, die über die internationalen Kriterien hinausgehen und diese verschärfen.

Eine erste Möglichkeit den Trigger (das Nationenticket) für eine deutsche Olympiateilnahme zu setzen, ist eine bestimmte Platzierung bei der WM 2022.
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Das Material von BIC ist günstiger. Das Komplettpaket liegt bei etwa 4000 Euro
Dies bedeutet aber nicht, dass die Fahrer, die das Nationenticket gelöst haben, auch zur Olympiade fahren. Dies wird kurzfristig entschieden, aber eben nur positiv, wenn vorher gezeigt wurde, dass überhaupt deutsche Fahrer international in den vorderen Rängen mitfahren können. Ein deutsches "Cool Runnings" oder einen deutschen Eddy the Eagle wird es nach aktuellem Stand eher nicht geben.

Wenn es um Olympia geht, kommt der Staat ins Spiel. Die Leistungsabteilung des DSV bekommt Zuschüsse vom Bundesministerium des Inneren. Mit diesen Geldern soll ein erfolgreiches Abschneiden bei den Olympischen Spielen erreicht werden. Es gibt auch Vorgaben des Deutschen Olympischen Sportbundes, was beispielsweise Kaderkriterien und Kaderberufungen angeht.

So darf der DSV zwar denjenigen, die in den Olympiakader aufgerückt sind, Fahrtkosten oder Meldegebühren erstatten, aber einen Materialkostenzuschuß gibt es nicht. Die Landesverbände bieten in diesem Konstrukt einen wichtiges Standbein in der Nachwuchsausbildung. Ergänzend zu den Vereinen sollen sie Trainingsmaßnahmen organisieren, Regatten betreuen und Landeskader bilden, die leistungsstarken Jugendliche fördern. Von dort können Athleten in den Bundeskader aufsteigen und dann durch den DSV gefördert werden.

Aber wo genau kann eine Windsurferin oder ein Windsurfer, die sich für den olympischen Gedanken und die olympische Regattaform interessieren, einsteigen?

Der erste Weg führt über einen lokalen Verein und die Teilnahme an Techno 293 Regatten, bzw. BIC Techno Wind Foil 130 Regatten, die mit relativ geringem Material- und Kostenaufwand locken. Wer dann am Ball bleibt, kann zum IQ Foil aufsteigen.

Obwohl der große Traum einer potentielle Olympiateilnahme sicher sehr motivierend sein kann, scheint gerade für Jugendliche ein Weg der kleinen Schritte sinnvoll, bei dem der Weg das Ziel ist und nicht eine mögliche Teilnahme bei einer Olympiade.

Regatten gäbe es, wenn nicht gerade eine Virus-Pandemie über die Welt fegt, genug, wie ein Blick auf den Regattakalender (www.dwsv.net/news/regattatermine-2020/) des DSWV zeigt. Wer also Lust auf die olympische Form der Regatta hat, kann relativ einfach einsteigen.
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