PWA World Cup Maui 2016
Lay Day am elften Tag des Events

PWA World Cup Maui 2016 - Update 7

Interview mit Victor Fernandez

10.11.2016 - Auch am Donnerstag gab es keine Heats in Hookipa. Damit bleiben noch drei Tage, um die Entscheidung in der Double Elimination zwischen Kai Lenny, Levi Siver, Brawzinho und Kevin Pritchard, sowie die Finalrunde bei den Frauen auszutragen.

Zeit genug, um sich Victor Fernandez zu widmen, der mit seinem Abschneiden den 2016er PWA Titel in der Welle bereits sicher hat. Die PWA führte ein Interview mit dem Spanier, der in seiner beachtlichen Karriere neben dem beiden Weltmeistertiteln bereits fünf Mal Vize-Champion war.
PWA World Cup Maui 2016
Victor und seine zweite Trophäe als World Champion
PWA: Es ist nun ein paar Tage her, seitdem du den Titel geholt hast - wie fühlt sich der Erfolg mit diesem Abstand an?
Victor Fernandez: "Es fühlt sich großartig an. Es war ein langer Schlussspurt in diesem Jahr mit zwei Events ohne Wind - also viel Wartezeit dazwischen. Mein Start in die Saison war perfekt, in Pozo und auf Teneriffa ist alles gut für mich gelaufen. Hier auf Maui kam es am ersten Tag dann ziemlich dick - ich landete auf den Rocks, die Single Elimination war deshalb für mich schnell gelaufen. In der Double lief alles besser. Ich war gut unterwegs, aber im dritten Heat fand ich einfach keine passenden Wellen und war damit raus. Alex Mussolini ereilte wenige Heats später das selbe Schicksal, dadurch hatte ich den Titel sicher."

Gibt es einen Unterschied zu deinem ersten Titelgewinn, war es einfacher oder schwerer?
"Es ist in jedem Jahr anders. Es ist jetzt 6 Jahre her, dass ich die Tour zum ersten Mal gewonnen habe und der erste Sieg ist sicher besonders. Zuvor war ich bereits zweimal mit dem Vizetitel nah dran. Dieses Jahr ist aber auch etwas besonderes, weil die Entscheidung auf Maui fiel - der Heimat des Windsurfens. Hier traten 48 Starter beim letzten Event des Jahres an, unterschiedliche Generationen, neue Talente und Legenden in diesem Sport. Ich freue mich auf jeden Fall total, denn es ist nicht leicht bei dem aktuellen Level der Konkurrenz die Tour zu gewinnen."
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Victor in den Wellen vor Hookipa
Seitdem du in 2010 zum ersten Mal Weltmeister warst, hast du immer die Top 10 erreicht, aber keinen Titel mehr geholt. Bist du dieses Jahr anders angegangen?
"Ich habe mich gut vorbereitet gefühlt. Mir hat es für mein gesamtes Windsurfen viel gebracht, dass ich die vergangenen vier Winter auch auf Maui verbracht habe. Zusammen mit Segeldesigner Kai Hopf konnte ich meine Segel perfekt abstimmen und auch durch die Boardtests mit Klaas Voget gab es viel Feintuning am Material. Den Winter auf Maui zu verbringen bedeutet nicht nur, dass man viel auf dem Wasser ist. Krafttraining, gesunde Ernährung und frühes Schlafengehen lassen sich hier gut umsetzen. Die Beibehaltung der täglichen Routine stärkt mich mental und wirkt sich vor allem am Ende des Jahres aus, wenn nur Nuancen zwischen Erfolg und Misserfolg entscheiden."


Die Bedingungen beim diesjährigen Aloha Classic war extrem - wie ist es in Hookipa bei diesen Wellen auf dem Wasser zu sein?
"Es ist richtig anspruchsvoll - besonders weil ich mich dieses Mal nicht 100% fit für diese Wellen fühlte. Ich bin hier schon so oft mit vielen guten Surfern auf dem Wasser gewesen und dachte ich kenne mich an diesen Breaks gut aus. Aber diese Bedingungen waren einfach so extreme, dass hier selbst viele Locals normalerweise gar nicht Windsurfen gehen würden. Unter diesen Voraussetzungen bist du auf dem Wasser sehr angespannt. Die Wellen waren so hoch, dass auch der Channel fast zu jedem Zweitpunkt zu war. Überhaupt nach draußen zu gelangen war extrem schwierig. Man musste es versuchen und das Risiko abschätzen - mit der falschen Taktik endet man auf den Rocks und der Heat ist vorbei. Aber das ist die World Tour und du musst vorbereitet sein, wenn du gewinnen möchtest."
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Aerial
Du siehst beim Wettkampf immer sehr gefasst aus. Wirst du jemals sauer, wenn du verlierst?
"Ja, natürlich, du bist ja nie glücklich, wenn du verlierst. Aber solange ich alles gegeben habe, was in mir steckt und der Gegner einfach nur besser war, dann ist es in Ordnung. Ich mache mich deswegen nicht fertig. Ich stehe seit vielen Jahren im Wettbewerb und habe einige schmerzhafte Niederlagen und viele erfreuliche Siege erlebt. So ist Wettkampf eben. Manchmal gewinnt eben ein anderer an diesem speziellen Tag. Manchmal verlierst du mit nur 0,1 Punkten, aber es ist wie es ist. Ich denke, das konnte man in dieser Woche sehen. Nur zwei Wellen gingen in die Wertung ein, da gab es kaum Platz für Fehler und es machte bei dem hohen Level alles nur noch enger."
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Frontloop off the Lip
Was war als Kind dein Berufswunsch?
"Ich wollte immer professioneller Windsurfer werden. Ich lebe also meinen Traum."

Glaubst du an Leben nach dem Tod?
"Ehhhh, vielleicht gibt es da irgendetwas, aber um ehrlich zu sein lebe ich mein Leben, sicherheitshalber."

Was ist mit Aliens?
"Nicht wirklich, ich sehe gerne Science Fiction Filme, aber weiter geht es dann nicht."

Was nervt dich?
"Hmmm… Wenn ich bei einer langen Reise einen Anschlussflug verpasse, irgendwo übernachten muss und dann die ganze Reise neu aufbauen muss. Das ist ziemlich nervig und ermüdend."

Was ist der Faktor, der deinen Erfolg am meisten beeinflusst?
"Ich denke, dieser Faktor heißt "Familie und Freunde". Ohne deren Unterstützung wäre es nicht möglich."

Wie wirst du den Titel feiern?
"Ich werde mit meiner Frau und einigen Freunden ausgehen, ein paar Biere trinken und einen Nutella Crepe essen. Ich hatte in den zwei Wochen, in denen ich hier bin, keinen einzigen. Am Sonntag, während der Abschlussparty, werden wir wohl noch etwas mehr feiern. Wir werden sehen…"

Danke und nochmals herzlichen Glückwunsch.
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Im Abendlicht mit PWA Fotograf John Carter unterwegs
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