Travel Report: Windsurfen in Galizien & Nord-Portugal
Moledo bei Ebbe

Nord-Portugal & Galizien

Josef Kainzner hat sich die Windsurf-Spots im Norden Portugals und in Galizien angeschaut

Seit vielen Jahren steht Windsurfen im Norden Portugals und in Galizien auf meiner Reiseliste ganz oben. Ich habe vor langer Zeit einmal auf Fuerte als Surflehrer gearbeitet und ein Surflehrerkollege aus Galizien war mit Fuerte unglücklich, weil Galizien für ihn "mucho mas mejor", also sehr viel besser war. Die Fotos die er damals zeigte, waren wirklich mega und so nahm ich mir vor, die Gegend einmal zu erkunden.

Ich habe über die Jahre jeden Spotguide aufbewahrt und kann auch spanische Spotguides lesen (die sind besser als die deutschen oder die englischen Berichte, weil sie genauer auf die Tiden eingehen), aber es war immer noch kompliziert. Die Spots sind teilweise bei Ebbe groß, aber die Flut sollte man bei einigen nicht abwarten, denn sonst muss man über die Felsen raus. Teilweise sind aber genau bei Ebbe Felsen eine Gefahr, die man bei Flut nicht erwischen würde. Ein paar Spots sind aber anscheinend immer unproblematisch. Die wurden notiert.

Und jetzt kommt das Gute und das Schlechte gleichzeitig an Galizien: Es gibt viele Winde und es ist jede Richtung vertreten. Irgendwo bläst es eigentlich immer (Viana und Moledo in Portugal habe ich dabei mitgerechnet) - nur muss man dafür eventuell eine dreistündige Anfahrt in Kauf nehmen. Sonst geht die Windausbeute deutlich hinunter. Wir hatten deshalb unser Base Camp Cabo Vilan (angeblich der windigste Platz in Galizien).
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Traumstrand bei Leis/Muxia
Von München flogen wir nach Asturias. Wir sind mit Volotea geflogen, mein Koffer kam durchbohrt an und auch das Boardbag war beschädigt. Die Airline zeigte sich extrem sperrig und wollte diesen "normalen" Schaden nicht als regulierungspflichtigen Schaden anerkennen. Das Windsurf-Material war aber glücklicherweise nicht beschädigt. Der über den Broker Auto Europe gebuchte Van entpuppte sich beim lokalen Vermieter Thrifty als Golf Kombi und nur gegen 200% Aufschlag sollte es den Van geben. Wir stopften das Material also in den Golf. Augen auf beim Kleingedruckten...

An den ersten drei Tagen war Nordwestwind angesagt. Wir machten uns also auf den Weg nach Viana do Castelo in Portugal. Der Spot ist bekannt und entsprechend voll ist es dort.

Am nächsten Tag fuhren wir nach Moledo - ca. 20 Kilometer nördlich von Viana. Dort ist der Wind nicht ganz so stark, dafür gibt es eine Sandbank hinter einer Insel, auf der die Wellen punktgenau brechen. Nördlich der Insel macht der Strand eine Biegung Richtung Landesinneres, wo ein Fluss mündet. Dieser Abschnitt des Strandes ist bei Ebbe ein Flachwasserspot. Wenn allerdings die Flut kommt, dann läuft dort eine sicher 500 Meter lange, down the line abreitbare Welle. Die Bedingungen sind komisch: Man hat schräg auflandigen Wind, und eine Welle, die von unten nach oben bricht. Bei auflaufendem Wasser gibt es zusäzlich eine recht heftige Strömung in den Fluss hinein. Man macht quasi mit der Strömung Höhe und hat ein Gefühl wie bei einem permanent Downwinder. Fährt man wieder hinaus, so hat man perfekte Rampen zum Springen. Sie waren bei uns nur ungefähr einen bis eineinhalb Meter hoch, aber man kann jedes Mal mit Anlauf drauflosheizen.
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Corrubedo
Der nächste Tag war ein Nortada Tag, an dem wir Corrubedo probierten. Das ist ein sehr schöner, langer Strand. An der Südseite des Strandes steigt die Wellenhöhe. Bei Ebbe sieht man einige Felsen, die potentiell gefährlich werden können. Außerdem ist dann der Einstieg einfacher, weil die großen Klopfer weiter draußen brechen. Wir hatten eine gute Zeit mit 5,4 in etwa zwei Meter Welle. Bei Flut war der Einstieg deutlich schwieriger, Strömung und Shorebreak kosteten mich einen Mast. Weiter nördlich in der etwa vier Kilometer langen Bucht wäre der Mast noch heil geblieben, da dort die Wellen deutlich kleiner reinkommen.

Zwei Tage später probierten wir Muxia aus. Die Webcam hatte keinen Wind gezeigt, trotzdem blies es auf einem 500 Meter breiter Streifen. Von der anderen Seite der großen Bucht aus etwa zwei Kilometer Luftlinie hatten wir nicht erkennen können, dass es dort hackt. Der Spot funktioniert wirklich nur vor Muxia. Auf der anderen Seite der Bucht (Leis) gibt es mehrere Unterkünfte, aber da ist man eigentlich am falschen Platz. Der Wind war extrem böig, reichte aber für 4,2. Lustig war es nicht. Es war eher wie Surfen bei Föhn am Achensee, nur mit sehr viel mehr Chop und kürzeren Pausen zwischen dem fliegenden Wasser.

Ein echtes Highlight gab es dann aber doch. Nachdem am Vortag eine Delfinfamilie direkt am Ufer vorbeigeschwommen ist, hat mich heute ein Wal ziemlich geschockt, der in der Bucht plötzlich zehn Meter neben mir auftauchte und ausblies. So etwas hatte ich noch nie erlebt.

Wir schauten auch in Traba vorbei, eigentlich ein guter Wavespot, aber dort brachen drei Meter hohe Sets auf ganzer Länge. Der Spot ist sonst sicher bei kleineren Wellen brauchbar.
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Der Strand von Traba und ein Delfin in der Bucht von Muxia
Die nächsten Tage gab es dann Nordost-Wind, der in der Ecke um La Coruña für die besten Bedingungen sorgen sollte. Wir fuhren wieder nach Traba - und wieder gab es das selbe Bild. Alles bricht Close oder zumindest total ungeordnet. Auch zum Wellenreiten wäre das nichts gewesen.

Wir waren aber früh dran und hatten laut Windy noch Zeit bis ca. 14:00 Uhr. So fuhren wir zwei Stunden weiter nach San Xurxo. Da waren dann plötzlich ca 40 Windsurfsegel und einige Kiter zu sehen. Wir orientierten uns kurz und sahen dann wieso alle hier waren: Die Welle kam zwar deutlich kleiner als in Traba in die Bucht, aber in der Mitte gab es einen Channel, durch den man locker raus kam und nach links und rechts brachen die Wellen schön regelmäßig.

Wir bauten schnell auf und dann gab es wieder eine Überraschung. Genau dort wo man die Wellen sauber rein kamen war null Wind. So war kein Sprung auf dem Weg nach draußen möglich. Dafür gab es beim Reinfahren umso mehr Spass. Einziger Wermutstropfen war, dass man sich die Welle mit vielen anderen teilen musste. Es ging dabei aber sehr fair zu. Nur zwei Kiter führten sich unserer Meinung nach wie die Rüpel auf. Sonst war es ein schöner Nachmittag.

Wir fuhren wieder zur Homebase und leider gab es dann eine Überraschung von Windy.com. Die Vorhersage "versprach" noch zwei Badetage und wenig Wind. Am nächsten Tag fuhren wir wieder nach Traba einfach um zu baden. Und da wir den ganzen Tag dort blieben, sahen wir ein anderes Bild von Traba: Bei Ebbe funktioniert der Spot wunderbar. Wieder zeigt sich, wie wichtig in Galizien der richtige Tidenstand ist.
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Shore Break in Corrubedo und üppiges galizisches Grün
Fazit: Galizien ist cool aber kompliziert. Für einen zehntägigen Urlaub ist die Gegend meiner Meinung nach eher nicht geeignet. Man hat zwar Wind, aber um ihn zu erwischen muss man weite Wege zu fahren. Wir fuhren während unseres Aufenthaltes 2200km und waren 38 Stunden im Auto. Wir waren aber leider oft zur falschen Zeit am falschen Ort. Viele Spots funktionieren wegen der Tidenabhängigkeit nur ein paar Stunden am Tag. Dafür braucht man Zeit und genaues Wissen. Das sahen wir in San Xurxo. Die Einheimischen wussten genau, wann sie wo sein mussten. Ich würde es noch einmal machen, aber man muss es als spannenden Urlaub mit eventuellem Surfglück sehen und nicht als Surfurlaub.

Wenn man ein Womo hat und ein halbes Jahr Zeit, dann wäre es sicher perfekt. Vielleicht schaffe ich es irgendwann einmal auf diese Weise Galizien zu erkunden.
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Cabo Vilan