Tarifa

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Weihnachten und Silvester in Spanien

Lasse Brudek zieht es zum Wintersport seit einigen Jahren über Weihnachten und Neujahr nach Tarifa. Auch in diesem Jahr war die Reise eine gute Investition, auch wenn sehr viel Zeit für das Surfen draufging und wenig für die Uni gelernt werden konnte...

Die Reise beginnt fünf Wochen vor dem eigentlichen Abreisedatum: Die Taschen müssen gepackt werden. Während ich noch zu Hause bleibe, macht sich das Wohnmobil mit anderer Besatzung auf in den Süden. Ich muss mich bereits entscheiden welches Surfmaterial sich schon auf den Weg nach Tarifa macht und was ich noch für die Winterstürme zu Hause brauche. Nach kurzem hin und her, wird dann doch irgendwie alles ins Wohnmobil gestopft und nur ein Notvorrat zu Hause behalten. Belohnt werde ich dann tatsächlich mit zwei guten Surftagen, bei denen wir aber besser nicht über die Temperaturen sprechen wollen...

Es folgt: Fünf Uhr, Tag der Abreise. Der Wecker klingelt und es geht los zum Flughafen. Zum Glück fährt mein Onkel uns hin und so bleibt mir zumindest die Zugfahrt erspart. Bereits online eingecheckt geht es weiter zur Sicherheitskontrolle und zu einer Schnitzeljagd ans Gate. Dies sind die Momente wo du wieder realisierst, dass du eben doch immer wieder auf die Preise der Billigairline reinfällst und du gleich einen grandiosen Flug erster Klasse genießen wirst. Aber egal einfach einsteigen und los, dachte ich...
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Da seit diesem Jahr kein kostenfreies Handgepäck mehr gestattet wird, verzögert sich das Einsteigen. Taschen, Boardingpässe und alles Weitere wird akribisch kontrolliert. Mein viel zu großer Rucksack ist natürlich nicht gebucht und mit hunderten Kilos an Kameramaterial beladen. Irgendwie schaffe ich es ihn unter meiner Jacke, die ich bei 1 Grad Außentemperatur dafür ausgezogen habe, zu verstecken und quetsche mich mit in den Bus. Nach einer Fahrt ans letzte Ende des Flughafens, dann die Erleichterung. Es ist dem Flugzeug zuzutrauen, dass es den Flug bis nach Spanien schafft. Die Klappstühle zeugen nicht von Komfort, die drei schreienden Babys sorgen für Stimmung aber wie gesagt das Flugzeug fliegt. Man darf die Ansprüche ja auch nicht zu hoch setzten und schallabsorbierende Kopfhörer sind einfach eine geile Erfindung.

Angekommen in Malaga geht es direkt zum Autoverleiher, wo der günstige Mietwagen mal wieder doch nicht ganz so günstig ist wie gedacht, da einem ausdrücklich zu verstehen gegeben wird, die Versicherung zu buchen, sonst würde das Auto definitiv bei Rückgabe als Totalschaden verbucht. Aber da nichts Anderes zu erwarten war, geht es natürlich gut gelaunt nach Tarifa. Wo es dann am Abend sogar noch für die erste Wellenreitsession reicht.

In den weiteren Tagen, mache ich immer wieder Freudensprünge. Nachdem wir im letzten Jahr jeden Tag Poniente (Westwind) hatten, werden wir diesmal zehn Tage lang in Folge mit Levante (Ostwind) belohnt. Natürlich mal stärker und mal schwächer, aber es ist halt Wind von links und was will man mehr. Ein weiteres Highlight, nach wenigen Tagen ist unsere Clique fast vollständig. Nach der Ankunft von Tino, folgt Lina und abschließend Nico. Irgendwie fühle es sich an wie eine Art Klassentreffen, der "Weihnachtstarifakinder". Vor fünf Jahren war wir das letzte Mal so vereint und kommt es zu langen und gesprächigen Abenden, dem ein oder anderen Bier und natürlich vielen Sessions auf dem Wasser.
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Die Tage teilen sich eigentlich relativ gut auf, morgens eine kleine Wellenreit- oder SUP-Session, dann ein kurzes Planen des möglichen Spots für den Tag und der Windsurfsession. Frei nach dem Motto "Surf-Eat-Surf-Eat-Beer-Sleep-Repeat". An einem der letzten Tage geht es nochmal nach Caños, wo ich ganz cool der Meinung bin "3.9qm geht immer". Ich würde sagen es ging auch, aber irgendwie war Lina dann doch mit 3.2qm unterwegs und mein "Lappen" der Größte des Tages, von allen Surfern auf dem Wasser. Man sollte ja meinen man lernt dazu, so riggte ich am nächsten Tag bei Druck ohne Ende 4.5qm. Geplant war ein gemeinsamer Downwinder mit Lina vom Playa Chica zum Torre.

Gesagt getan riggte Lina 4.0qm und wir probierte schlauerweise erst ob die Segelgrößen fahrbar sind. Nach einem klaren "Jein" ging es dann los. Erster Schlag: Katastrophe. Zweiter Schlag: Vollgas. Dritter Schlag: Gas. Und ab dem Vierten eine lange Reise, mit mehr als böigen Bedingungen und einer Mischung aus Speedsurfen, die Böe zum Freestylen nutzen und spekulieren, ob man mit den kleinen Waveboards überhaupt ankommt. Da ihr allerdings in den Genuss dieses wunderbaren Berichts kommt, könnt ihr euch ja vorstellen wir sind nach mehr oder minder adrenalinreichen 30 Minuten lauthals lachend wieder am Torre gelandet.

Zum Abschluss folgte ein gemütlicher Silvesterabend in gemeinsamer Runde wo fleißig über die folgenden Jahrespläne und Ziele philosophiert wurde. Für mich gleichzeitig leider der letzte Abend vor Ort und so folgte am nächsten Tag ein Rückflug, wo ich dann doch ein bisschen skeptisch war ob die Piloten in der Nacht nicht doch auch ein bisschen zu häufig angestoßen haben.

P.S. Eigentlich wollte ich in der Zeit natürlich auch noch ganz viel für das Studium schaffen. Die Bilanz war dann doch eher, 12 Tage vor Ort, 10 Windsurftage, 1,5 Wellenreittage und 0,5 Lerntage...