Hebriden - Leon Jamaer

Hebriden

Leon Jamaer in Schottland

Leon Jamaer war auf den sturmumtosten Äußeren Hebriden unterwegs. Die Inselgruppe vor Schottland bekommt fast jedes Sturmtief ab, das in unseren Breiten unterwegs ist...

Keine Staus, keine Hektik, keine Kompromisse, kein anderer Ort - wie das Wetter so die Wellen - schottisch rau. Der assoziierte Durst ist begründet. Die Rede ist von den Äußeren Hybriden im Nordwesten von Schottland. Fast jedes Sturmtief, das sich über den Atlantik bewegt, zieht über oder streift zumindest entlang der Inselkette und drückt die mitgebrachte Brandung an die schroffe Küste.
Hebriden - Leon Jamaer
Der Atlantik ist hier tief, schimmert mal blau-grün oder ist pechschwarz und lässt die Atlantikwellen ungehindert heranrollen. Der Wind weht häufig stark und aus wechselnden Richtungen. Die meisten Straßen wirken im Oktober verlassen. Mit Verkehr ist weder an Land noch auf den Wellen zu rechnen.
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Hat man einmal die lange Anreise mit zwei Fähren und endlosen Kilometern Autobahn überwunden, so bietet die Insel Lewis alles was das Windsurfherz begehrt. Von kraftvollen Beachbreaks bis hin zu steinigen Down-the-Line Points - die wenigen Spots auf Lewis decken ein großes Spektrum an Windrichtungen ab. Ein gewisses Fahrkönnen in der Welle ist jedoch vorausgesetzt und einige Einstiege erfordern schmerzunempfindliche Fußsohlen.
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Meine V-Klasse (Leons Trip wurde von der Automarke mit dem Stern gesponsert) ist mit dem Nötigsten ausgestattet, um die Grundbedürfnisse zu decken und mich ganz dem Rhythmus der Natur anzupassen: Ein Bett, ein Campingkocher, eine Harpune, 3 Windsurfboards, 2 Wellenreiter und 7 Segel. Der gefangene Fisch reicht zwar gerade mal aus, um den Energieverlust vom An- und Ausziehen des Neoprenanzugs wett zu machen, ermöglicht aber trotzdem einen faszinierend klaren Einblick in die Unterwasserwelt.
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Das Leben im Einklang mit der fast unberührten Natur wird von den Einheimischen sehr geschätzt. Die Naturtöne lassen sich in der Farbgebung des weltbekannten Harris-Tweeds wiederfinden. Die Flüsse sind voller Lachs und Forellen. Der Torf-Boden heizt die vom Wetter gezeichneten Bauten der Menschen. Im Whiskey kann der erfahrene Schotte wohl den Torfgehalt des Bodens und den Salzgehalt der Luft schmecken.
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Die freundlichen Locals teilen mir gerne landestypische Weisheiten mit. Unter anderem empfiehlt mir ein Surfer, der in den 90er Jahren als erster die Wellen vor Lewis ritt, bei riesigem Swell eine Welle, die zwischen zwei vorgelagerten Insel liegen würde, zu surfen. Die dafür passenden Bedingungen soll es aber auf meiner Reise nicht mehr geben. Doch der Spot Bragar, von dem mir mein Bruder Dani erzählt hatte, läuft am letzten Tag zu Höchstform auf. Die Wellen brechen vor der tief ins Landesinnere reichenden Bucht und reihen sich dann erneut an dem inneren Riff zu sauberen Linien auf. Obwohl ein Sturm tobt und ich das 3,7er kaum noch halten kann, bleibt die Welle sauber.
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Eigentlich sollte es für mich bereits Tage zuvor zurück nach Deutschland gehen. Doch der Sturm ließ mich länger als geplant auf der Insel ausharren. Dabei hatte ich nicht bedacht, dass bei schlechtem Wetter die Fähren den Verkehr einstellen. Den nächsten Tag harre ich am Fährterminal aus und bekomme glücklicherweise abends einen Platz auf einer Frachtfähre die mich zurück ans Festland bringt. Ohne spezielle Erwartungen kam ich vor etwa zehn Tagen auf die Insel und verlasse sie bei diesigem Wetter und Nieselregel mit einem Erfahrungsschatz, der um eine Menge Abenteuer reicher ist.
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