Wintersurfen 2017

Wintersurfen

Wolfgang Strasser zieht auch im Winter möglichst oft an der Gabel. Hier erzählt er, wo die Motivation liegt, auch bei Minustemperaturen aufs Wasser zu gehen.

Im Winter zu surfen ist nicht jedermanns Sache, aber es scheint immer beliebter zu werden. Für viele Nichtbayern mag das dumm erscheinen, denn da denken die meisten an Schnee, Berge, Skihaserl und Hüttengaudi. Das Ganze macht mir auch Spaß, allerdings nicht, wenn Wind weht. Was bewegt mich dazu bei Eiseskälte und Schneetreiben mein Surfmaterial in den Bus zu packen und zum See zu fahren? Vermutlich der Gedanke einen guten Windsurftag nicht genutzt zu haben.
Wintersurfen 2017
Hier bei mir in Bayern wird in den warmen Monaten so oft fälschlich guter Wind angesagt. Alles wird darauf ausgerichtet, dann gibt es ewiges Warten am See und aus 30 Knoten wird miese Laune und manchmal noch nasses aber unbenutztes Surfmaterial und das war's dann. Dieses Szenario wiederholt sich leider viel zu oft. Aber wenn sich der Winter in kleinen Schritten anpirscht, von Mitte Oktober bis Mitte Januar, dann war es in den letzten Jahren so, dass ich etwa 30 gute Surftage mit 5.2 (für Norddeutsche groß, aber bei uns eher klein) hatte. In dieser Jahreszeit kursieren im Netz tolle Bilder von Windsurfern in fernen, warmen Ländern, aber es faszinieren mich trotzdem die Bilder, bei denen jemand bei widrigen Bedingungen rausgeht und glücklich ist.
Wintersurfen 2017
Gibt es was schöneres als daheim bei guten Bedingungen raus zu gehen? Für mich nicht und daher zieht es mich an den See, auch wenn es kalt ist. Ich wohne nur wenige hundert Meter vom See entfernt, bei Wind fahre ich hin und klar, manchmal bin ich auch wieder heimgefahren, weil mich -2°C und Schneetreiben abgehalten haben. Kaum daheim, stelle ich fest "komm, ich reise das ganze Jahr wegen des Windes herum und jetzt hat es Wind bei mir zu Hause und ich sitze vorm Kamin". Das geht dann ja doch nicht und schon sitze ich wieder im Auto. Eine kurze Fahrt, schnell aufgebaut, dann ist es einem schon wieder etwas warm und rein in den kalten See mit Blick auf die verschneiten Berge. Das ist für mich ein ganz besonderes Erlebnis und erzeugt bei mir ein grosses Glücksgefühl, egal wie die Fingerspitzen vor Kälte schmerzen.
Wintersurfen 2017
Die Gefahr bei so niedrigen Temperaturen surfen zu gehen, sollte aber nicht unterschätzt werden, da der Windchillfaktor eine große Rolle spielt. Da können sich 0°C anfühlen wie -15°C. Trotzdem fühle ich es nicht so, obwohl ich nur einen kaschierten 5/4 mm Anzug mit Spraytop (34,- Euro von Triboard, geht also auch günstig) darüber trage. Adrenalin wärmt von innen. (Anmerkung der Redaktion: Vielleicht liegt das Wärmeempfinden bei Wolfgang auch an seinem Energy Drink Sponsor "Sunshine Spirit". Wir raten zu möglichst warmen Neopren!)

Der einzige Schwachpunkt sind für mich die Fingerspitzen, trotz offener Neoprenhandschuhe. Ich komme am Besten damit klar, sobald ich merke, dass ich kalte Finger bekomme, raus aus dem Wasser, denn die Finger müssen gewärmt werden (Kreisen, warmes Wasser aus der Thermoskanne in die Handschuhe). Wenn dann die Finger wieder warm sind, kann ich sogar bei Schneetreiben das Surfen 30-45 Minuten lang geniessen.

Für mich ist der positive Effekt des Wintersurfens ein gesundes Immunsystem. Seit 2001 bin ich wieder in Deutschland und hatte nie eine Erkältung. Zunächst konnte ich mir das ja auch nicht vorstellen, da ich vorher viel im Shorty oder der Short gesurft bin, aber probierts einfach aus. Das Erlebnis ist definitiv ein anderes.

Die letzten Jahre, und 2017 schaut es wieder danach aus, brachte mir das Christkind das schönste Geschenk: Wind bei mir am Chiemsee, frei sein und ein gutes Gefühl.

Einen TV Bericht über Wolgang könnt ihr hier sehen: www.rfo.de