Macht Surfen krank?

Eine britische Studie wies im Verdauungstrakt von Surfern rund viermal so oft multiresistente Keime nach, wie bei Nicht-Wassersportlern. Was bedeutet dies?

Multiresistente Keime sind eines der Schreckenszenarios der Medizin. Durch die Antibiotikaresistenz und Virostatikaresistenz von Erregern (Bakterien und Viren) wird in den kommenden Jahren mit stark steigenden Sterberaten bei bislang heilbaren Krankheiten gerechnet.

Worum geht es?
Bakterien, gute wie schlechte, vermehren sich durch Teilung außerordentlich schnell. Innerhalb von kürzester Zeit können Bakterien ihre Menge durch Teilung verdoppeln. Diese Vermehrungsstrategie führt bei idealen Bedingungen zu einem exponentiellen Anstieg. Unser Immunsystem hat schädliche Bakterien normalerweise recht gut im Griff. Gelingt dem Immunsystem das nicht, kommen oft Antibiotika ins Spiel. Die Antibiotika verhindern die massenhafte Vermehrung der schädlichen Bakterien. Dadurch wird der Mensch geheilt. Er wird die Bakterieninfektion los.

Durch die massenhafte, oft auch prophylaktische Verwendung von Antibiotika in der Landwirtschaft und auch beim Menschen bietet sich den Bakterienstämme vielfache Gelegenheit sich so anzupassen, dass sie resistent gegen diese Antibiotika werden. Bei einer Infektion durch diese Bakterien ist die moderne Medizin vielfach machtlos. Der Patient kann nicht geheilt werden. Diese resistenten Bakterienstämme gelangen unter anderem über die Fäkalien der Tiere in die Gewässer und gelangen so auch ins Meer.
E. coli / multirestitente Keime
Die Studie
Hier setzte 2017 eine Studie von Wissenschaftlern der University of Exeter (1) an. Die Forscher haben sich rund um die Küste Englands angesehen, ob sich im Meer schwimmende multiresistente E. coli Bakterien im Verdauungstrakt von Surfern nachweisen lassen. Hierzu wurde vergleichend eine Gruppe von Menschen untersucht, die nicht längere Zeit dem Seewasser ausgesetzt war.

Das Ergebnis war erschreckend. Bei 9,1% der getesteten Wellenreiter konnten die resistenten Bakterienstämme im Verdauungstrakt nachgewiesen werden. Die Kontrollgruppe der Nicht-Wellenreiter kam lediglich auf 3,1%.

Ebenso fanden sich häufiger Bakterien in Surfern, die in der Lage waren ihre Resistenz an andere Stämme zu vererben (6,3% zu 1,5% in der Kontrollgruppe).

Was bedeutet das Ergebnis?
Werden diese Bakterienstämme in einem Menschen nachgewiesen, bedeutet dies nicht, dass der Mensch krank ist. Sobald der Mensch aber geschwächt ist, zum Beispiel durch eine andere Infektion oder einfach durch sein Alter, können sich die Keime vermehren. Dies äußert sich beim Patienten zum Beispiel mit einer Sepsis (Blutvergiftung). Dies ist dann, da Antibiotika nicht mehr wirken, eine lebensbedrohende Situation. Surfer sind demnach einem erhöhten Risiko ausgesetzt.

Die Wasserkontrollen rund um England wiesen große Unterschiede in der Konzentration der Keime auf. An der Ostküste, also der Nordseeseite, war die Konzentration durchweg höher als an der Atlantikseite. Für die Nordsee an heimischen Gewässern lässt sich daher vermuten, dass das Problem hier ebenso vorhanden ist. Der Antibiotikaverbrauch in Deutschland und England pro Milligramm Biomasse ist in etwa gleich groß. In den Niederlanden und Frankreich war die Antibiotika Nutzung 2010 etwa doppelt so hoch. (2,3)
Macht Surfen krank?
Wie kann man sich schützen?
Surfen ist natürlich nicht die einzige Möglichkeit sich mit resistenten Erregern zu infizieren. Oft sind Fleischprodukte mit resistenten Bakterien belastet. Es wird dazu geraten, kein rohes Fleisch und keine Rohmilchprodukte zu verzehren, sowie die Küchenutensilien gründlich zu reinigen. Beim Surfen sollte Wasser - egal ob im Fluss, See oder im Meer - möglichst nicht geschluckt werden. Das Surfen mit offenen Wunden kann ebenfalls das Risiko einer Infektion erhöhen.

Wie kann man auf lange Sicht helfen, das Problem zu mindern?
Wenn denn Antibiotika beim Menschen verschrieben werden, sollten diese auf jedem Fall wie verschrieben genommen werden. Abgebrochene Therapien erzeugen Resistenzen.

Ein Umdenken in der Landwirtschaft (weniger Antibiotikaeinsatz, bessere Haltungsbedingungen) und in der Bevölkerung (Fleischkonsum drastisch einschränken) können das Problem eindämmen.

Quelle 1: Exposure to and colonisation by antibiotic-resistant E. coli in UK coastal water users: Environmental surveillance, exposure assessment, and epidemiological study (Beach Bum Survey) Anne F.C. Leonarda,*, Lihong Zhanga,*, Andrew J. Balfoura, Ruth Garsidea, Peter M. Hawkeyb, Aimee K. Murraya, Obioha C. Ukoumunnec, William H. Gazea,*

Quelle 2: Wassenberg MW, Bootsma MC, Troelstra A, Kluytmans JA, Bonten MJ. Transmissibility of livestock-associated methicillin-resistant Staphylococcus aureus (ST398) in Dutch hospitals. Clin Microbiol Infect. 2011 Feb;17(2):316-9.

Quelle 3: Grave K, Torren-Edo J, and Mackay D, Comparison of the sales of veterinary antibacterial agents between 10 European countries. J Antimicrob Chemother, 2010. 65(9): p. 2037-40