Foilsurfen


FOILSURFEN
Auf den Spuren von Marty McFly


Herbsturlaub in Dänemark. Ich stehe an einem Fjord in Nordjütland, der Wind weht schrägauflandig mit 3-4 Windstärken. Gleiten wäre selbst mit großem Freestyleboard und 5,2er Segel nicht möglich. Aber im Wagen wartet eine Geheimwaffe, eine Konstruktion aus Carbon und Aluminium, die Nichtsurfer am ehesten als Modellflugzeug samt Standfuß einordnen würden.

Dieses ominöse Objekt ist ein Hydrofoil - ein Tragflügel, der Windsurf-, Kite-, SUP- und Wellenreitboards über dem Wasser schweben lässt. Schon als vor Jahren die ersten Videos im Web auftauchten war klar: "Das muss ausprobiert werden".

Diese Art zu Gleiten erinnerte mich schon immer an eine Szene aus dem Film "Zurück in die Zukunft", in der Marty McFly mit einem Hoverboard, einer Art fliegendem Skateboard, über die Straße schwebt. Zumindest auf dem Wasser ist das seit einiger Zeit möglich, erfreut sich zunehmender Beliebtheit und erobert als neue Disziplin die Racing Szene.
Foilsurfen
Der Transport - komplett oder demontiert
Foilsurfen
Unterschiedliche Mastlängen - kurz für die ersten Versuche, länger für mehr Spielraum beim Hovern
Mein Foil benötigt eine Deep-Tuttle-Box zur Befestigung im Board, was die Auswahl der verwendbaren Surfbretter limitiert. Auch das andere System auf dem Markt, die Doppel-US-Box, ist bei normalen Windsurfboards nicht zu finden. Unabhängig davon empfehlen Hersteller, zum Foilsurfen nur speziell verstärkte Boards zu verwenden, denn die Belastung am Heck ist deutlich höher als beim Windsurfen.

Ich habe direkt auf ein großes Foilsurfboard mit 145 Litern Volumen zurückgegriffen, da Wende, Halse und Schotstart beim Einstieg ins Foilsurfen die Standardmanöver der Wahl sind.

Die erste Herausforderung ist der Weg zum Wasser. Der Foil ragt weit unter dem Board hervor, entsprechend aufmerksam muss man beim Tragen sein. Auch im Wasser kann man das Gerät erst absetzen, wenn die Tiefe ausreichend ist.
Anzeige
Foilsurfen
An Land ist der Boardtransport getrennt vom Rigg einfacher
Zum Start habe ich einen Foil mit kurzem "Mast" montiert. So nennt man den Teil des Foils, der einer Finne am ähnlichsten ist. Diese Halterung stellt die Verbindung vom Board zum Tragflügel her und ist bei modularen Systemen in unterschiedlichen Längen erhältlich.

Der kurze Mast ermöglicht den Einsatz in geringeren Wassertiefen und verhindert beim Lernen das zu hohe Aufsteigen des Boards beim Hovern. Schleuderstürze bei Spin-outs lassen sich so vermeiden. Später kann man längere Masten verwenden, um mehr Spielraum beim Hovern zu haben und die Leistung des Foils voll auszunutzen.

Aber so weit bin ich noch nicht. Der Schotstart steht an. Als Segel habe ich ein flachgezogenes Wavesegel mit 5,2 Quadratmetern aufgezogen, das mir bei diesem leichten Wind kaum ausreichend Lift zum Wasserstart geben würde. Die Segelgröße passt trotzdem, denn "mindestens ein Quadratmeter kleiner" ist die Regel beim Foilsurfen.
Foilsurfen
Alles zusammen tragen - Boardunterseite nach oben, bis man tiefes Wasser erreicht
In Verdrängerfahrt gleicht das Fahrverhalten mit Foil unterm Heck dem Windsurfen auf einem Einsteigerboard. Normale Halsen und Wenden lassen sich fahren, das Board liegt wegen des Tiefgangs kippstabil im Wasser. Ungewohnt ist es trotzdem von oben auf den "Säbel" am Heck zu schauen. Kontakt bei Stürzen gilt es auf jeden Fall zu vermeiden, ausreichender Abstand zu anderen Wassersportlern und Badegästen ist selbsterklärend.

"Pass beim Wasserstart und Schwimmen ums Board herum auf deine Beine auf", ist ein Rat von erfahrenen Foilsurfern an Neueinsteiger. Recht haben sie, denn beim Beinschlag treffen Füße oder Unterschenkel sonst schnell eine der zahlreichen Kanten - und das schmerzt.

Aber wie ins Hovern kommen? Das Board beschleunigt auf leichtem Raumschotkurs, hebt sich aber nicht aus dem Wasser. Druck aufs Heck geben? Plötzlich schieße ich in die Höhe, aber das Heck rutscht nach Lee weg, weil die Tragflügel die Wasseroberfläche erreichen und die seitliche Führung verlieren. Das Board stürzt mit der Nose voran zurück aufs Wasser.
Foilsurfen
Standposition vor den Fußschlaufen
Foilsurfen
Balance Board 2.0
Dem Schleudersturz knapp entgangen folgen die nächsten Versuche. Nach und nach stellt sich heraus, dass die Kontrolle der neuen Dimension über eine virtuelle Achse erfolgt - genau wie auf einem Balance Board: Fußstellung wie bei Verdrängerfahrt in Grundstellung auf dem Board, nicht in die Fußschlaufen, Körperschwerpunkt eher tief und nah am Mastfuß behalten, Oberkörper aufrecht, beide Beine leicht gebeugt.

Dosiert wird das hintere Bein stärker belastet, dabei auch das Segel etwas dicht gezogen. Man muss dabei nicht besonders schnell sein, der Tragflügel erzeugt schon relativ früh einen starken dynamischen Auftrieb.

Wenn alles funktioniert, beginnt das Board langsam mit dem Aufsteigen. Das Rauschen des Wassers unterm Heck verschwindet, nur ein leises Gurgeln stört die Stille - ein ziemlich abgefahrenes Gefühl!
Foilsurfen
Falsche Belastung = Spin-out + Schleudersturz
Segel öffnen und den Körperschwerpunkt weit nach vorne neigen bringt das Board zurück ins Wasser. Die ersten Schwebefahrten fühlen sich noch schwer kontrollierbar an - auf, ab, recht, links - man schlingert regelrecht übers Wasser.

Dann steht der Wechsel zu einem mittellangen Mast an, denn damit lässt es sich deutlich besser hovern. Der Spielraum zwischen Aufsteigen des Boards und Spin-out ist deutlich größer. Deshalb hat man mehr Zeit zur Verfügung, um die Pendelbewegung des Auf- und Absteigens zu kontrollieren. So werden längere Hoverfahrten möglich, aber auch die Gefahr von Schleuderstürzen steigt.

Mit längerem Mast stürzt die Nose des Boards bei einem Spin-out in einem steileren Winkel zurück zur Wasseroberfläche. Das Board bremst stärker ab und bei höherem Speed lässt sich ein Sturz nicht mehr verhindern.
Foilsurfen
Wenn die Tragflügel die Oberfläche erreichen, droht ein Spin-out
Längere Hoverfahrten folgen, Höhelaufen und Abfallen auf Raumschotkurs sind relativ einfach. Es ist absolut erstaunlich, wie früh man mit einem Foil in den Gleitzustand gelangt und wie schnell man Höhe gewinnt. Bei weniger Wind kann man dazu größere Segel verwenden.

Das Gefühl zum Wasser ist dabei eher indirekt, da man nicht die Oberfläche zum Carven nutzt. Das Hebelverhältnis ist anders, als würde man auf Stelzen surfen. Beim Windsurfen befindet sich die Wasseroberfläche nur wenige Zentimeter unter dem Board, beim Windfoilen greift der Tragflügel gut einen Meter tiefer.
Foilsurfen
Mit steigender Erfahrung lässt sich der Spin-out ohne Sturz abfangen
Windfoilen erweitert die Möglichkeiten des Windsurfens bei Leichtwind enorm - und damit auch den Spaß. Frühes Gleiten und nahezu geräuschloses Cruisen über eine glatte Wasseroberfläche ist dann mit leichten, angleitstarken Segel schon unter 6 Quadratmetern möglich.

Für schwerere Surfer gibt es größere Foils mit hohem Lift bei wenig Speed. Speedorientierte Foils sind kleiner dimensioniert und liefern weniger Lift.

Mit leistungsorientierten Racefoils und passenden Segeln werden ambitionierte Foilsurfer alles schlagen, was an konventionellem Race-Material auf dem Wasser ist - wie man in letzter Zeit auch schon an Regattaergebnissen verfolgen konnte.

Kleineres Material, größerer Leistungsbereich - wer es ausprobiert wird erkennen, Foilsurfen ist bei Leichtwind eine spannende Alternative.
Foilsurfen
Mehr Speed - die Standposition auf dem Board langsam nach hinten verlagern
Foilsurfen
Schon am ersten Tag kann man Spaß auf dem Foilsurfboard haben