Fanatic Ray Eco
Michael Walther und Jannek Grocholl setzen beim Fanatic Ray Eco auf Holz und andere Naturwerkstoffe, die sich seit Jahrhunderten bewährt haben.

Back to the Roots

Alte Handwerkskunst im nachhaltigen, modernen Boardbau

Auf der Suche nach möglichst nachhaltigen Produkten wird momentan viel experimentiert. Michael Walther und Jannek Grocholl kombinieren altes Wissen um Leinöl und Kaseinleim mit modernem Boardbau auf der Suche nach einem möglichst umweltfreundlichen Produkt.

Auch wenn Holz sporadisch Feuchtigkeit ausgesetzt wird, kann es Jahrhunderte lang seine Funktion in einem Gegenstand oder Bauwerk erfüllen. Es muss nur gut gegen die Feuchtigkeit geschützt sein und abtrocknen können. Über 500 Jahre gut gepflegte Fachwerkhäuser zeigen das in vielen Städten eindrucksvoll.

Die meisten dieser alten Konstruktionen sind aus regionalen Werkstoffen gebaut und der Holzschutz erfolgt seit Jahrhunderten mit natürlichen Produkten. Leinöl kann man nicht nur bei der Essenszubereitung verwenden. Das Öl der Leinsamen wird seit Jahrhunderten zum Holzschutz genutzt, denn das Öl polymerisiert im Werkstoff, bleibt dabei aber dampfdiffusionsoffen. Auch natürliche Klebstoffe gibt es seit Jahrhunderten. Kaseinleim, der aus (Säure-)Quark und gelöschtem Kalk hergestellt wird, klebt Holz zuverlässig und wasserfest.

Michael Walther und Jannek Grocholl haben sich mit Fanatic zusammengetan und setzen dieses alte Wissen im experimentellen SUP-Bau ein. Das Ziel ist ein möglichst nachhaltiges SUP-Board. Kaufen kann man so ein Board auch schon, aber dazu am Ende des Artikels mehr. Abseits von dieser Co-Produktion beschäftigt sich Michael Walther mit seinem Zero Emissions Project seit Jahren mit Nachhaltigkeit und Jannek Grocholl tüftelt in seinem Boardlab an Bauweisen und Shapes.
Fanatic Ray Eco
Die traditionelle Spantenbauweise funktioniert bei einem SUP Board gut. Dieses Board wurde noch mit Bio-Epoxy zusammengeklebt.
Das Konzept-Board, das die beiden Erbauer jetzt vorgelegt haben, wurde in einer hohlen Spantenbauweise gebaut. Bei diesem Board wurden die Spanten noch mit Bio-Epoxy zusammengeklebt. Epoxy ist auch mit dem Zusatz „Bio“ jedoch nicht wirklich umweltfreundlich. Deshalb sollen Versuche mit Kaseinleim folgen.

In heutigen Ohren klingt der aus Quark und Kalk zusammengerührte Kaseinleim exotisch. In vergangenen Jahrhunderten war dieser Leim überall zu finden und wurde früher frisch angerührt. (Falls jemand das zuhause nachbaut: Wichtig dabei ist, dass man nur Quark nutzt, der durch Säurezugabe gewonnen wurde. Mit Lab hergestellter Quark funktioniert nicht.)
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Fanatic Ray Eco
Die schnellwüchsigen Paulownia Bäume wachsen auf Äckern als landwirtschaftliches Produkt. Auf dem Foto ist genau das Feld in der Nähe von Heidelberg zu sehen, von dem der Baum für das Board stammt.
Als Holz kam ein Exot zum Zug, der seit 2012 auch in Deutschland angebaut wird. Das Holz des schnellwüchsigen Blauglockenbaumes (diverse Arten von Paulownia) ist leicht, hart und ideal für den Bau von Wasserfahrzeugen geeignet. Man kann es in einigen seiner Eigenschaften mit Balsaholz vergleichen. Im Handel wird das Holz auch als Kiri-Holz vertrieben. Ursprünglich kommt der Baum in China, Taiwan, Indochina und Myanmar vor.

Der bei diesem Board verwendete Baum wurde in der Nähe von Heidelberg gefällt. Wald wird hier nicht geopfert. Die Bäume wachsen auf normalen landwirtschaftlichen Flächen. In den ersten zwei Jahren werden die dort gepflanzten, besonders frostharten Hybriden durch Schafe bzw. ihren Kot gedüngt. Danach wurzeln die Bäume so tief, dass keine weitere Düngergabe notwendig wird.

Eine Besonderheit zeigt der Baum nach der Fällung: Er treibt wieder aus, so dass ein und derselbe Baum quasi mehrfach gefällt wird. „Nach einer Fällung benötigt der Baum in Deutschland etwa 10 bis 12 Jahre für das erneute Wachstum“, erklärt Peter Diessenbacher von WeGrow. Diessenbacher hat die hier verwendete Hybride aus Paulownia tomentosa + Paulownia fortunei erzeugt. Verwerflich ist der Anbau einer nicht heimischen Art sicher nicht. Sonst würde man in Deutschland zum Beispiel auf den Kartoffenabau verzichten müssen...
Das geölte Board ist natürlich wasserfest
Das geölte Board ist natürlich wasserfest
Kein Laminat
Der große Unterschied zu anderen auf Holz basierenden Konstruktionen ist, dass in diesem Fall kein Laminat als Außenschicht gewählt wurde. Die Holzoberfläche wurde mit Leinöl behandelt und wurde danach nochmals mit Bienenwachs versiegelt. Damit entsteht dann ein Produkt, das, wenn die Klebung auch noch auf Epoxy verzichtet, geschreddert und kompostiert werden kann.

Auch bei den Details gingen die beiden Macher weit. Der Aufdruck greift zum Beispiel auf natürliche Pigmente zurück.
Fanatic Ray Eco
Im Prinzip ist dieses Board die erfolgreiche Kombination aus Handwerkskunst mit einem (für deutsche Verhältnisse) exotischen Holz und kann im wahrsten Sinn als Back to the roots bezeichnet werden. Es wird auf Techniken zurückgegriffen, die in Vergessenheit gerieten, weil sich mit anderen Techniken mehr Geld verdienen ließ und weil die Produkte billiger und weniger pflegeintensiv waren. Wobei die Kosten ja immer relativ zu sehen sind, denn die Allgemeinheit zahlt auch für Umweltschäden einen Preis, zum Beispiel in Form von Steuergeldern, die aufgewendet werden müssen, um die Schäden von umweltfeindlicher Produktion wieder gutzumachen.

Damit kommen wir zum Preis für dieses Stück Handwerkskunst. 6950 Euro inklusive Mehrwertsteuer kostet so ein Board aktuell. Damit ist es für die meisten nicht erschwinglich.
Fanatic Ray Eco
Abgesehen von diesem Projekt von Walther, Grocholl und Fanatic: Der Selbstbau wäre kostengünstig möglich, wenn man sich die Arbeit zutraut. Holz, Leinöl und Kaseinkleber sind vergleichsweise günstige Werkstoffe. Eigenen Experimenten steht also nichts im Weg.

Auch Bausätze mit bereits maschinell gefrästem Holz sind denkbar. Chesapeake Light Craft und diverse andere Hersteller verkaufen schon jetzt Bausätze. Allerdings werden diese bisher aus Sperrholz und Laminat gefertigt. Eine Umstellung wäre aber schnell möglich.

Der Preis kann erheblich gesenkt werden, wenn die Handarbeit zum Kunden ausgelagert wird. Und auch das Versandvolumen würde verringert, da weniger Luft im Lastwagen oder Container transportiert werden muss. Die Frage ist, ob diese IKEA-Methode auch im Boardbau massentauglich wäre…