Tobias Gottfried - Interview

INTERVIEW

TOBIAS GOTTFRIED

Tobias Gottfrieds Geschichte zeigt, dass man auch heute noch, obwohl die meisten Nischen schon besetzt sind, im Windsurf- und Reisebusiness neue Dinge aufbauen kann. Im Interview erzählt Tobias, wie er vom KFZ-Mechaniker zum Besitzer einer Surfstation und eines Glampinghotels wurde.

Wie kamst Du zum Windsurfen?
Als Kind war ich mit meinen Eltern viel am Gardasee, wo ich die Leidenschaft für das Windsurfen für mich entdeckt habe. Während meiner Meisterschule in Lübeck nutzte ich jede freie Minute, um mit meinem Surfequipment nach Kiel zu düsen und auf der Ostsee zu surfen.

Wie kamst Du nach Rhodos?
Ich kam 2012, mit 23 Jahren, eher zufällig nach Rhodos, da ich meinem Arbeitsalltag im grauen Deutschland entfliehen und eine entspannte Saison als Windsurflehrer in der Sonne verbringen wollte. Im Sommer bot sich mir dann spontan die Möglichkeit auf der griechischen Insel Rhodos zu arbeiten und so stürzte ich mich ins Abenteuer. Ich konnte meine Wassersport-Leidenschaft mit Geld verdienen verbinden. Letztendlich bin ich von diesem Sommerjob nie mehr zurückgekehrt.

Wie hast du es geschafft, dir deinen Traum von einer eigenen Windsurf- und Kitestation sowie einem Hotel zu erfüllen?
Rückblickend würde ich sagen, war ich vermutlich einfach zur richtigen Zeit am richtigen Ort. Ich habe nicht lange gezögert und ergriff die Chance, die sich mir damals bot. Natürlich musste ich für meinen Traum auch etwas wagen, Risiken eingehen, meinen Job kündigen und auf meine Fähigkeiten und Fertigkeiten vertrauen. Viel Fleiß und Schweiß liegen hinter mir. Aber meine Leidenschaft zum Wassersport und meine immer fortwährende Suche nach neuen Herausforderungen und Investitionen haben mich dort hin gebracht, wo ich heute stehe. Ich habe mir über die Jahre eine loyale und herzliche Freundschaft zu den Griechen hier auf der Insel aufgebaut, fühle mich sehr verbunden. Bei all meinen Vorhaben war es mir immer wichtig, nicht nur für mich, sondern auch für den Ort Theologos zu arbeiten.
Tobias Gottfried - Interview
Ein traumhafter Arbeitsplatz ergibt sich nicht von selbst. Mut und Unternehmergeist gehören dazu.
Wie konntest du das Surfcenter übernehmen?
Zu der Zeit gehörte die Windsurfstation zwei älteren Typen, die sich dazu entschieden hatten, ihrem Leben lieber wieder eine etwas „zivilisiertere“ Richtung zu geben. Das war dann quasi meine Chance. Ich bot den beiden an, die Station zu übernehmen. Und so kam es dann auch. Die Lage der Station, direkt am Alex Beach Hotel gelegen, war bereits existent und somit musste ich hierfür kein Grundstück suchen. Das Grundstück für die Kitestation und die spätere Erweiterung unser eigenes Hotels war ein Glücksgriff. Einzig die Lizenzen der jeweiligen Betriebe war eine Mammutaufgabe. Aber selbst das hat funktioniert

Beim Logos hast Du auf ein Glamping-Konzept gesetzt. Warum? Wie lief der Bau ab? Konntest Du viel selber machen?
Das Glamping-Konzept bot sich an unserem Spot mit der perfekten Strand-Lage absolut an. Es gibt ein Hauch von Natur und bietet trotzdem jeglichen Luxus. Die weitläufige Anlage umfasst über 10.000 qm und befindet sich unmittelbar hinter der Kitestation mit direktem Zugang zum Spot. Der Bau des LOGOS Beach Village dauerte nur knappe vier Monate, von März 2018 bis Juni 2018. Die Eröffnung war am 21.06.2018 geplant. Um das Ziel zu erreichen, musste alles zügig ablaufen und genau geplant sein. Aber wie das eben bei den meisten Südländern so ist: Einiges dauerte länger, als erwartet. Sicherlich tauchten hier und da auch Probleme auf - wie bei jedem Bau - die aber glücklicherweise am Ende des Tages alle gelöst werden konnten. Wir hatten viele fleißige Helfer und Bauarbeiter. Zudem war ich selber Tag und Nacht vor Ort und habe eigenhändig mit viel Schweiß, vielen neuen grauen Haaren und harter Arbeit eine Oase erschaffen.
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Tobias Gottfried - Interview
Tobias war zur richtigen Zeit am richtigen Ort
Wie diszipliniert muss man in geschäftlicher Hinsicht mit so einem Unternehmen sein? Würdest Du dich als Workaholic bezeichnen, oder hast Du noch genug Zeit für dich und Deine Familie?
Ich denke schon, dass ich in gewisser Weise ein Workaholic bin. Mir macht meine Arbeit viel Spaß und ich bin durchaus bereit, viel Zeit und Disziplin in meine Arbeit zu investieren, damit mein Unternehmen erfolgreich ist und bleibt. Das Sprichwort: „Ohne Fleiß, kein Preis“ trifft es schon sehr genau. Allerdings richte ich mein Leben nicht gänzlich nach meinem Business aus. Ich versuche stets alles im Gleichgewicht zu halten. Nun habe ich das große Glück, dass meine Frau und meine Tochter, solange die Kleine noch nicht schulpflichtig ist, die Saison mit mir verbringen können, wodurch sich Familie und Beruf in meinem Fall gut vereinbaren lassen. Außerdem bin ich mein eigener Chef, was es mir während der Arbeit erlaubt, auch mal eine Runde aufs Wasser zu gehen oder mit Gästen und Freunden ein kühles Bier zu genießen. Nach einer lebhaften Saison freue ich mich in den Wintermonaten natürlich trotzdem über mehr Ruhe und Erholung, allerdings war ich schon immer jemand, der nicht ewig auf dem Sofa rumsitzen und nichts tun kann. Neue Pläne und Erweiterungen stehen schon in den Startlöchern.

Bist Du auch im Winter auf Rhodos? Falls ja: Wie findest Du die Insel dann? Wie ist der Wind zu dieser Zeit? Wäre es für Dich auch eine Option im Winter Gäste unterzubringen?
Unsere Saison auf Rhodos geht von Anfang April bis Ende Oktober. Meist komme ich im Februar und März auf die Insel, um für die neue Saison alles zu koordinieren, organisieren und vorzubereiten. Die restliche Winterzeit verbringe ich ansonsten mit meiner Familie in der Nähe von Köln.

Windig kann es durchaus den ganzen Winter über auf Rhodos sein. Meine griechischen Freunde sind in den Wintermonaten viel auf dem Wasser. Das Klima bleibt auch im Winter relativ mild, so dass man im Shorty oder Neo durchaus Surfen kann. Allerdings leben die meisten südländischen Inseln, so auch Rhodos, vom Tourismus, welcher von April bis Oktober stattfindet. Daher bleibt unser LOGOS Beach Village sowie das Wassersportcenter im Winter geschlossen, da drum herum keinerlei Shops, Restaurants, Supermärkte, Hotels oder Freizeitunternehmungen geöffnet haben. Die Insel befindet sich dann im „Winterschlaf“. Vielleicht können wir das ändern!
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Bis alles so aussah, floss jede Menge Schweiß
Das Frühjahr 2020 brachte völlig überraschend Covid-19 und traf auch die Reise- und Tourismusbranche schwer. Wie bist du mit der Situation umgegangen?
Nachdem ich reichlich Investitionen für das in 2018 neu erbaute LOGOS Beach Village getätigt hatte, war es natürlich erst mal ein großer Schock. Eine komplette Saison ausfallen zu lassen, hätte eine immense Kostenbelastung bedeutet. Da ich aber grundsätzlich ein sehr positiver Mensch bin, war es wichtig, optimistisch zu bleiben, die Lage notfalls mit finanzieller Unterstützung auszusitzen. Mit meinen Gästen und Mitarbeitern blieben wir in regem Kontakt, um für eine mögliche Öffnung jederzeit vorbereitet zu sein. An dieser Stelle möchte ich einmal positiv hervorheben, dass Griechenland die Krise sehr gut im Griff hatte. Die griechische Regierung hat innerhalb Europas einen hervorragenden Job gemacht, der schlussendlich dazu führte, dass wir die Sommersaison 2020 Mitte Juni erfreulicherweise eröffnen und trotz aller Umstände erfolgreich zu Ende führen konnten. Für die Zukunft hoffe ich natürlich, dass wir irgendwann wieder völlig unbeschwert und ohne Pandemie urlauben können.

Über folgenden Link könnt ihr euch anschauen, was Tobias in Theologos aufgebaut hat: www.surfandkitetheologos.com