Jennifer Eschenbach

Vor einiger Zeit hat Jennifer Eschenbach auf DAILY DOSE ihre Geschichte (Teil 1) erzählt: Mit 18 war sie als Au Pair nach Maui gegangen und war dann mit vielen neuen Erfahrungen und Plänen wieder zurück gekommen. Doch die Rückkehr aus dem Paradies war zunächst nicht einfach…

„Alles, was hoch fliegt, muss auch wieder runter kommen.“

Genau diesen Dämpfer hatte ich wohl nach einem halbjährigen Höhenflug voller Windsurfen und Lebensfreude auf Maui verdient. Geplant hatte ich nach meiner Rückkehr im Frühjahr einen Bus zu kaufen und an den Mittelmeer- und Atlantikküsten entlang das Wasser unsicher zu machen.

Plan und Realität fallen leider nicht immer zusammen. So habe ich mir zwar knapp einen Monat nach meiner Rückkehr einen Bus – sogar mit Innenausbau – gekauft, fleißig daran rumgebastelt, geschraubt, abgedichtet und repariert und blieb prompt bei meiner ersten längeren Probefahrt liegen. Diagnose: Motorschaden. Oder besser: Bei dem Auto? Mit dem Wert? Totalschaden!

Mein Geld war knapp bemessen, für einen Trip nach Frankreich hätte es wohl gereicht, mit einem neuen Job als Au-Pair, den ich schon sicher hatte, hätte ich mir noch so viel Geld dazu verdient, noch ein paar Monate reisen zu können. Allerdings hätte dieser Bus, der sich weiß qualmend Urlaub genommen hat, fahren müssen.

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Nun, Hürden sind dazu da, sie zu überwinden und etwas daraus zu lernen. Das habe ich definitiv geschafft – ohne diese Panne wäre ich jetzt wohl nicht in Kiel, meinem neuen deutschen Windsurfparadies.

Während nun Freunde und deren Freunde und befreundete Mechaniker versucht haben, mir zu helfen, den Totalschaden am Motor zu beheben, wo ich nun wirklich nicht viel mithelfen konnte, hatte ich also jede Menge Zeit. Was fängt man nun mit einem Sommer voller Zeit an? Man geht Windsurfen. Das konnte ich auf Fehmarn.

Und was noch? Man plant seine Zukunft von Neuem. Da ich stets gehofft habe, doch noch aufbrechen zu können, mit dem Bus und meinem Spielzeug, habe ich weiter in die Zukunft geschaut, um herauszufinden, was nach dem Sommer kommen würde. Und da war mein Studium, und mit dem Studium die Frage nach dem was und wo.

Ursprünglich hatte ich Computergestützte Ingenieurwissenschaften in meiner Heimatstadt Hannover, fernab von jeglichem echten Meer, studieren wollen. Später wollte ich dann, mit dem entsprechenden Backgroundwissen, dem Beispiel meines Sponsors Rick (von Maui Ultra Fins) folgend, Windsurfsegel und Boards entwickeln. Über einige Umwege hätte mich dieser Sudiengang wohl an mein Ziel geführt, aber in Hannover? Was wäre denn mit einer Stadt am Meer, mit Windsurfen?



Jennifer Eschenbach

Nach viel Hin und Her habe ich mich schließlich an einigen Unis in Norddeutschland beworben. Für Ozeanographie und Ethnologie, bis ich alle Orte nach und nach ausgeschlossen hatte, die zu weit vom Wasser weg lagen. Berlin, Göttingen, dann Hamburg, Hannover und schließlich war noch Kiel übrig.

Kiel – die Hauptstadt des Windsurfens in Deutschland. Kiel – mit Spots für jede Windrichtung. Kiel – mit der Ostsee nebenan, der Nordsee etwas weiter weg und Dänemark als wunderschönem Nachbarn. Und Kiel mit einem Studiengang, der mir helfen würde, das Meer und das Wetter besser zu verstehen: Physik des Erdystems – Geophysik, Ozeanographie, Meteorologie.

Nun wollte ich aber auch ohne Auto unbedingt reisen, denn Reisen ist auch eine unglaublich gute Möglichkeit den Kopf frei zu bekommen und zu sich selbst und seinen Wünschen zu finden. Also bin ich mit einem Kumpel zu einer Radtour durch Italien aufgebrochen. Von dort aus habe ich dann meine WG in Kiel organisiert, während mein Vater – selbst Windsurfer und leidenschaftlicher Bus-Bastler – mich stark unterstützt hat, mein Auto doch wieder zum Fahren zu bekommen. Und damit hat er wohl die Startbahn für meinen nächsten Höhenflug geebnet. Ich konnte also abheben und mein Studium in Kiel mit einem maximal 80 km/h fahrenden, aber fahrenden (!) Bus voller Surfmaterial beginnen..

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Kaum war ich umgezogen und hatte die ersten Tage Mathevorkurs mit den ersten neuen Freundschaften hinter mir, kam Wind. Zusammen mit Steffi Schwarz, einer RS:X-Surferin aus Bayern, wurde die erste Erkundungstour gestartet: Strande bzw. der Bülker Leuchtturm.

Kaum eine Session wird mir wohl so gut in Erinnerung bleiben, wie diese Erste in Kiel, meiner neuen Heimat, mit optimalen Bedingungen, einer kleinen freundlichen, gerade reitbaren Welle und jeder Menge Spaß.

Nun würde also ein neuer Lebensabschnitt voller Wind, Wasser und Wellen beginnen; ein neuer Lebensabschnitt mit Surfsessions bei Sonnenaufgang noch kurz vor der Uni oder spontanen Surftrips nach Dänemark oder sonst wo hin, mal eben zwischen einigen Vorlesungen. Surfen, wann immer die Bedingungen passen; Spots, gerade mal 30 Minuten Autofahrt entfernt; Surfern als Mitstudenten.

Wie Maui eben, nur fast noch besser…