Wave 360

Wave 360

Leon Jamaer zeigt den Wave 360er in Sideonshore-Bedingungen. Zirkel und Geo-Dreieck auspacken!

Meiner Meinung nach gibt es nicht die eine Wave-360er-Technik. Je nach Windrichtung und Wellenform passe ich die Bewegung kurzfristig an und reagiere intuitiv auf das was um mich herum passiert. Eine detaillierte Bewegungsbeschreibung bringt einen deswegen nicht weiter. Trotzdem gibt es wichtige Knotenpunkte, welche die Erfolgschancen des 360°-Zirkels gegen die Wellenlippe verbessern, und Fehler verhindern, die immer wieder gemacht werden.

Allgemein kann man sich das Manöver als komplette Kreisdrehung auf einem Ziffernblatt vorstellen (bei Wind-von-links gegen den Uhrzeigersinn). Bei Sideshore-Bedingungen dreht man ca. 180° während des Bottom Turns und die restlichen 180° nach Kontakt mit der Lippe. Die ersten 180° kann man gut kontrollieren. Bei den zweiten 180° hofft man, dass einen die Welle mit den Füßen auf dem Brett ausspuckt.

Bei Onshore-Bedingungen dreht man im Bottom Turn mehr als 180° und kann daher einen größeren Teil des Manövers kontrollieren. Bei sideoff ist das Gegenteil der Fall und das Manöver wird schwieriger.

Die Wellenauswahl ist wichtig. Ich würde immer eine Welle nehmen, die kräftig von Luv nach Lee bricht, um dann von Lee den brechenden Teil der Welle zu attackieren. Dafür ist ein runder Bottom Turn nötig, mit dem man den brechenden Teil der Welle umfährt.
Wave 360er
Wenn man an der Lippe ankommt, sollte das Brett senkrecht in den Himmel zeigen (12 Uhr) oder, noch besser, schräg gegen den Wind (11 Uhr). Zeigt das Brett von der Wellenlippe weg (1 Uhr), hat man fast keine Chance.

Neben dem richtigen Timing ist auch die Technik des Bottom Turns entscheidend. Am Scheitelpunkt (11-12 Uhr), kurz vor dem Kontakt mit der Lippe, steht das Segel Clew First im Wind und generiert kein Vorschub mehr. Ein häufiges Problem ist, dass man bereits auf dem Weg zum Scheitelpunkt verhungert und nicht genug Impuls für die Drehung mitbringt. Deswegen sollte man sich Speed-Reserven (Segel mit der Masthand dichtnehmen und Beine durchstrecken) für den Weg nach oben aufsparen.

Beim Kontakt mit der Lippe gilt das Prinzip „Actio gleich Reactio“. Drückt man das Brett möglichst flach (große Fläche) und hart gegen die Wellenlippe, dann drückt die Lippe genauso hart zurück und hilft dabei, die fehlenden 180° zu drehen. Bei sehr kraftvollen Wellen muss der Impuls jedoch etwas dosiert werden, da man sonst auch überrotiert.

Wenn man die Tipps zur Wellenauswahl sowie Timing und Speed des Bottom-Turns beachtet und den Impuls gegen die Wellenlippe richtig dosiert, schafft man beste Voraussetzungen dafür, dass man aus dem Manöver rausgleitet, bevor man überhaupt weiß, was passiert ist.

Hier seht ihr vier Videos, die den Wave 360er in Sideonshore-Bedingungen zeigen. Alle Aufnahmen stammen vom selben Tag und zeigen, dass sich die Art der Ausführung intuitiv nach der Beschaffenheit der Welle richtet:
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