iFoil - Olympia 2024
Jetzt also doch: Das iFoil löst RS:X ab

Olympia 2024

Wundersame Wendung

Noch vor einigen Jahren drohte das Windsurfen von der olympischen Bildfläche zu verschwinden. Dann sollte der gewichtige Dinosaurier RS:X auch 2024 weiterleben und jetzt fiel doch noch die Entscheidung zugunsten einer Foil-Einheitsklasse. Kritik aus Fahrerkreisen gab es trotzdem.

Mangelnde Dynamik kann man dem Entscheidungsprozedere des Weltsegelverbandes in letzter Zeit kaum vorwerfen. Für Außenstehende ist die Entscheidungsfindung in etwa so überschaubar, wie die Struktur einer UNO Vollversammlung. Unzählige Nationen sind involviert und haben ihre ganz eigene Vorstellung von dem, was Regattawindsurfen eigentlich sein sollte.
iFoil - Olympia 2024
Die RS:X Klasse wäre 2024 20 Jahre alt
Rückblick: Aus deutscher Sicht war das olympische Windsurfen tot. Der DSV (Deutscher Segler-Verband) hat vor langer Zeit seinen Windsurf-Kader für die RS:X Klasse aufgelöst. Das Windsurfen drohte sogar aus der Riege der Olympia-Sportarten eliminiert zu werden. Das wurde verhindert. Viele Regattafahrer hatten gehofft, dass wie schon beim Kiten auch beim Windsurfen auf Foils gesetzt würde. Das wurde aber 2018 aus diversen Gründen abgelehnt.

Ein Argument der internationalen Sportfunktionäre war, dass neues Equipment für ärmere Länder zu teuer sei. Alte Zöpfe abschneiden ist schwer. Das zeigte sich auch hier. Die RS:X Klasse wurde für 2024 wieder ins Rennen geworfen. Damit schien die Nutzung eines 15,5 Kilo schweren Boards, dessen Design 2024 den 20. Geburtstag feiern würde, festzustehen. Das fanden viele dann doch nicht gut. Es rumorte fortan hinter den Kulissen und in Punkto RS:X war das letzte Wort doch nicht gesprochen.
iFoil - Olympia 2024
iFoil bei der Testveranstaltung am Gardasee
Was geschah 2019? Das Council des Weltsegelverbandes wollte erst nach einem Test der Optionen das Material für die Olympiade 2024 final festlegen. Diverse Vorschläge für Windsurfmaterial waren unterbreitet worden. Fünf Optionen wurden im September 2019 auf dem Gardasee unter anderem von internationalen Regattafahrern für den Weltsegelverband evaluiert. Getestet wurden: RS:X, Glide, iFoil, Windfoil 1 und Formula Foil. Besonders das offene System des Windfoil 1 war bei der Testveranstaltung der Favorit vieler. Hinter dem relativ offenen Windfoil 1 stehen besonders viele ehemalige Olympiateilnehmer und Medaillengewinner.

Dennoch stand in der Empfehlung der Testkomission des Weltsegelverbandes das iFoil, das als Einheitsklasse konzipiert ist. Damit war der Abstimmungsvorgang jedoch nicht beendet. Auch Vincent Langer, der als Fahrer bei der Testveranstaltung am Gardasee dabei war, hatte generell auf ein Foil-System gehofft. Langer hatte aber Zweifel, ob sich ein neues Konzept bei der Hauptversammlung durchsetzen kann. Das Komitee des Weltsegelverbandes ist auch dafür bekannt, dass es die Vorschläge der Testkomission komplett ignoriert.
iFoil - Olympia 2024
iFoils bei der Testveranstaltung am Gardasee
Der vorläufigen Schlussstrich wurde bei der Jahresversammlung des Weltsegelverbandes im November 2019 auf Bermuda gezogen. Mit überwältigender Mehrheit wurde im Windsurfbereich der Vorschlag der Testkommission angenommen. Damit wurde das iFoil für Olympia 2024 verbindlich und löst nun doch die RS:X Klasse ab.

Der dreifache Weltmeister Vincent Langer übt hier Kritik: "Durch die Einheitsklasse ist das Material kaum in vorhandene nationale Regattaserien wie den DWC integrierbar, was bei einem offenen System besser möglich gewesen wäre."
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iFoil
Das iFoil: Beim iFoil handelt es sich um ein "One Design" von Starboard. Dies bedeutet, dass alle Teilnehmerinnen bzw. Teilnehmer mit dem gleichen Material antreten. Männern steht ein 9m² großes Rigg zur Verfügung. Frauen nutzen ein 8m² großes Rigg. Sollte der Wind zu stark zum Foilen sein, kann das Board mit einer Finne in herkömmlicher Gleitfahrt gefahren werden. Das Design des iFoil ist lizensierbar, so dass die Produktion (zumindest theoretisch) auch anderen Herstellern offen steht.

Das Material soll von 5 bis 35 Knoten Wind nutzbar sein. Wie bei Einheitsklassen üblich, ist das Material aber nicht für alle Fahrer optimal. Für ein Fahrergewicht von 70 Kilo verhält sich das Equipment selbstverständlich anders, als für ein Fahrergewicht von 95 Kilo. Mal eben einen längeren Foil-Mast oder einen größeren Frontflügel einzubauen, um auf eine unterschiedliche Physis der Fahrer einzugehen, ist nicht gestattet. Gerade für ärmere Länder ist die Materialbeschränkung aber ein Plus, denn eine teure Materialschlacht, die besser betuchte Länder bevorzugt hätte, wurde auf diese Weise vermieden. Bei Starboard kostet ein segelfertiges Board inklusive Rigg und Foil 6829 Euro. Die Version für Frauen kostet 6729 Euro.