Südafrika
„Gib mir zwei Matjes!“, fordert der angetrunkene Tourist und fuchtelt mit seiner Hand in Richtung der Bismarckbrötchen.

„Sie meinen Bismarckhering, oder?“, frage ich vorsichtshalber nochmal nach, um eine Diskussion darüber was ich nun verstanden habe und er aber gemeint hatte zu vermeiden. „Ja! Sag ich doch, nun gib schon her!“

Ich sage gar nichts dazu sondern grinse nur und denke an Südafrika.
Jeden Tag aufs Neue fuhr ich zum Strand, um in der Fischbude meine Stunden abzuleisten, das Ziel stets vor Augen: Kapstadt. Nach 10 Jahren träumen schien es endlich wahr zu werden. Ich hatte Zeit und das Geld würde ich schon irgendwie verdienen.

Ich konnte aushandeln, dass ich an den windigen Tagen frei machen konnte und den Rest des Sommers im Laden stehe. Als eine Ostwindperiode im Anmarsch war, durfte ich nachmittags eine Stunde Pause machen und mir aus dem Schuppen den Wellenreiter holen.
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Ansonsten bestand mein Alltag aus essen, spülen, aufräumen, essen, verkaufen, putzen und… essen. Mir fällt gerade auf, dass das gar nicht so schlecht war, vor allem das Essen hat mir viel Spaß gemacht.

Bevor ich jetzt noch in die „Fischerei-Nostalgie“ verfalle, noch ein Schwenk aus der Begegnung mit einem alten Nachbarn. Dieser schüttelte, als ich ihm meine Pläne erzählte, nur den Kopf und grummelte „Ihr jungen Leute, müsst arbeiten für die Rente, aber das ist nichts für dich was?“
Auch hier ersparte ich mir Widerworte, da es in solchen Fällen eh zu nichts führt. Dieser ganze Pessimismus, der einem auch durch viele Medien entgegen schlägt, ging mir gehörig gegen den Strich.

Und dann saß ich im Flieger, irgendwie wirkte es noch etwas irreal. Plötzlich ging alles so verdammt schnell. War ich nicht noch vor 2 Tagen in Hanstholm windsurfen?
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Als ich nach einer Nacht mit einem schreienden Kind im Rücken aus dem Flieger stieg, hätte mich auch der Linksverkehr nicht aufhalten können. Meine Autovermieterin war leider nicht auffindbar und ich fing an mir alternativen Transportmöglichkeiten zu überlegen. Ich könnte Thomas vom Hostel anrufen, der hilft mir bestimmt weiter. Hätte er bestimmt gemacht, nur hatte ich mir seine Nummer nicht aufgeschrieben. Ich ließ mein Blick über das Flughafengelände schweifen und entdeckte diese großen Busse welche Taxis zu sein schienen. Ich wollte mich gerade erkundigen als meine Vermieterin doch noch um die Ecke flitzte. Im Nachhinein war es vielleicht besser nicht mit einer dieser Taxen zu fahren…
Der Weg zu dem Hostel führte mich direkt an einem Township vorbei und es ist bedrückend dies von außen zu sehen. Natürlich kennt man die Fotos aus den Medien, dies aber mit eigenen Augen zu ist aber nochmal eine andere Nummer. Man selbst setzt sich in den Flieger und ist in ca. 16 Stunden in Kapstadt. Die Menschen in den Townships werden dort in Armut geboren und sterben zum Teil auch dort. Wenige schaffen es aus den Townships heraus und ich wollte erfahren welche Möglichkeiten es denn vor Ort gibt den Menschen zu helfen. Durch eine Mitbewohnerin bin ich in das Township „Philippi“ gekommen, wo sie in einem sozialen Projekt arbeitete. In dem Projekt sind Menschen aus den Townships angestellt und bauen für ihre „Community“ Gemüse an, welches sie günstig untereinander verkaufen.
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Das Ziel sei es den Menschen die Selbstversorgung aufzuzeigen, eine gesündere Ernährung anzustreben und natürlich eine berufliche Perspektive zu schaffen. Danach gingen wir mit einem der Angestellten eine kurze Runde durch das Township, er versicherte, dass wir Fotos machen dürften und keine Angst haben bräuchten. Ich verzichtete auf die Fotos da ich mir eh etwas fehl am Platze vorkam und die Situation nicht noch unangenehmer machen wollte. Die Lebensumstände sind erbärmlich, was mich jedoch viel mehr überraschte war die Offenheit, Freundlichkeit und Gelassenheit der Menschen. Meine Bedenken, dass sie mich vielleicht als weißen Touristen sehen der wie in einem Zoo durch ihr Gehege geht, wurde innerhalb weniger Minuten widerlegt und ich fühlte mich innerlich schlecht so etwas gedacht zu haben.
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Die Menschen sind total offen und vor allem dankbar das man sich für ihr Leben interessiert. Die Regierung tut es nämlich weniger und so ist es nicht verwunderlich das sich nahezu fast alle sozialen Projekte durch Spenden finanzieren. Wer mehr über einige soziale Projekte erfahren möchte kann sich z.B. hier informieren: www.heartcapital.co.za

Neben diesen ersten Eindrücken wurde die letzten Woche verdammt viel gesurft. Nachdem Thore, der erst ein Jahr windsurft, am vorletzten Tag seiner Abreise nochmal eben angefangen hat den Frontloop zu üben, traf wenige Tage später Claudius ein. Wir erwischten einige Tage mit schönen Wellen bei leichtem Wind und dann gab es noch die Tage mit sehr viel Wind.
Bisher ist die Vorsaison aus meiner Sicht ziemlich gut, aber ich habe da auch keinen Vergleich. Ich freue mich auf jeden Fall bald hier wieder bekannte Gesichter zu sehen. Ich hoffe das Video verkürzt dem ein oder anderen die Wartezeit beziehungsweise verstärkt die Vorfreude. Wobei im Norden ja auch gerade ein Tief nach dem anderen angerückt kommt…
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