Marokko

Tom Brendt ist Windsurftrainer und veranstaltet rund um den Globus seine Camps. Von Marokko ist er seit einigen Jahren begeistert. Liebe auf den ersten Blick war es aber nicht...

Eigentlich würde ein Postkarte ausreichen: War super hier, komme wieder. Eigentlich, denn ich möchte dann doch lieber aufzählen, was ist denn so super und weshalb werde ich immer wieder komme?

Moulay Bouzerktoun, liegt an der Atlantikküste Marokkos und am Fuße des Atlasgebirges. Mein alljährliche Reise dorthin hat mittlerweile bereits fast Tradition und ist aus meinem Kalender nicht mehr wegzudenken.

Dabei hatte ich nach meinen ersten Erfahrungen vor ein paar Jahren nicht unbedingt vor, nochmals die Reise nach Nordafrika anzutreten. Braunes Wasser, Müll und ein paar eher merkwürdige Momente mit Marokkanern in der Stadt Essaouira verhalfen nur bedingt zu einem ersten positiven Eindruck. Glücklicherweise brachte mich zunächst die sehr gute Windstatistik zum Umdenken.

Marokko
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Dass Marokko den Tourismus als Einnahmequelle Nummer eins entdeckt hat, bemerkt man nicht nur an der mittlerweile fast europäischen Infrastruktur in den touristischen Teilen des Landes, sondern vor allem auch daran, dass sich meine ersten negativen Eindrücke nicht wiederholen haben.

Stattdessen durfte ich bereits sehr viele fast schon magische Momente erleben und in die Historie dieser doch grundverschiedenen Welt eintauchen. Unterschiedlichste Kulturen andere Architektur finde ich immer wieder unglaublich interessant.

Marokko
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Berber ziehen mit ihren Eselskarren über die Landstraßen, ältere arabische Frauen dreschen komplett verhüllt auf den Feldern in mühsamer Handarbeit das Korn und kratzen bei Ebbe die Algen von den Riffen. Kamelherden bringen wie selbstverständlich für einen Moment den Straßenverkehr zum Erliegen. Ziegenherden erklimmen die Arganienbäume bis in die Krone, um an die kostbare Früchte zu gelangen, während direkt darunter die Ziegenhirtinnen die anfallenden Kerne einzusammeln um später daraus in einer der unzähligen weiblichen Kooperativen das kostbare Arganöl zu pressen.

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Das es neben den kulturellen Aspekten auch noch unzählige, perfekte Strände und Buchten zum Windsurfen, Kiten und Wellenreiten gibt, dürfte mittlerweile bekannt sein. Nicht ohne Grund wird es an den meisten Stränden und Lineups gerade in den Sommermonaten auch schon mal richtig voll. Nicht nur um dem Gerangel auf dem Wasser zu entgehen, sondern vor allem um die höchstmögliche Wahrscheinlichkeit auf Wind und Wellen zu nutzen, halte ich die Monate April und Mai für optimal. Während der Wintermonate rauschen teils riesige Wellenberge an die marokkanische Küste, wobei der Wind nur selten stark genug bläst. Das macht er dafür umso stärker in den Sommermonaten, allerdings kommen in diesem Zeitraum kaum Wellen an.

Marokko
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Auch in diesem Jahr wurden wir während unserer beiden Camps am Magic Fun Moulay / Fanatic Boarderscenter erneut von den guten Bedingungen verwöhnt. Zwar wollte uns der Wind nicht jeden Tag antreiben, darüber war am Ende des Tages aber niemand wirklich verärgert. Durch die hundertprozentige Wellenausbeute bekam die Gruppe die Gelegenheit neben dem Waveriding auf dem Windsurfer, auch die ersten Schritte beim Wellenreiten und beim Stand Up Paddeln in der Welle zu erlernen, Wellenritte zu verbessern oder auch einfach einmal im Lineup zu sitzen und die Wellen zu beobachten.

Die gerade für Wellennovizen teilweise recht große Wellenhöhe von bis zu drei Metern kostete sicherlich etwas Überwindung. Aber bereits nach den ersten kleineren Waschgängen bemerkte ich, das sich auf meinem Gesicht ein Dauergrinsen eingestellt hatte, als ich sah, wie meine Gruppe sich furchtlos in ihre ersten Take Offs paddelte. Das nicht nur ich daran Spaß hatte, konnte ich spätestens abends beim „Feierabend Bier“, welches landestypisch eher ein „Feierabend Minztee“ war, feststellen. Zum Sonnenuntergang ließen wir uns wie eine Truppe müder aber glücklicher Krieger in die Liegestühle der Chill Out Terrasse des Magic Fun fallen. Auch an den windigen Tagen konnte ich teilweise kaum glauben, was sich auf dem Wasser abspielte. Fast eins zu eins wurde die zuerst an Land erlernte Technik umgesetzt und zudem einige Rotationen in der Luft gelernt. Es war eine wahre Freude zwei wirklich grandiose Gruppen trainieren zu dürfen.

Marokko
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Nach zwei Wochen bleibt nur noch das Fazit zu ziehen, das wir wieder einmal eine sagenhafte Zeit hatten. Den meisten fiel tatsächlich erst bei Betrachtung der täglichen Aufnahmen auf, das wir auf ziemlich braunen Wasser unterwegs waren. Es gab einfach zu viel Action auf dem Wasser, die alle Aufmerksamkeit forderte. (Die Wasserfarbe ist das Resultat aus sehr sandigem Untergrund zwischen den Riffs und der ständigen Wellenbewegung).

Bereist man das Land als Nordeuropäer zum ersten Mal, ist es ein Leichtes das Land als unhygienisch und langsam zu bezeichnen, sich über die Kamelherden zu ärgern, wenn man mal wieder bei dreißig Grad im unklimatisierten Taxi aufgehalten wird oder das Wasser als zu braun zu bezeichnen und man hätte nicht einmal Unrecht. Bei etwas differenzierterer Sichtweise fasziniert das Land aber und sicher wird es dem ein oder anderen so gehen wir mir und es wird nicht bei einer Reise nach Marokko bleiben.

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