El Yaque Report

Tom Brendt hat vor einigen Jahren seine zweite Heimat in El Yaque gefunden. An den guten Windsurfbedingungen hat sich seitdem zwar nichts geändert, aber das Land und die Windsurfer leiden momentan unter den Folgen der sozialistischen Politik des Landes.

Venezuela ist extrem vielfältig. Es gibt dichten Urwald, Wüste und Steppe. 4000 Meter hohe Gebirgsketten ragen empor und 3000km Küste, geschmückt mit Karibikinseln, hatten mich vor einigen Jahren zum Bleiben bewegt. Natürlich stieß ich damals auch auf die vielen Informationen über einen politischen Wechsel im Land. Ein neuer charismatischer Präsident trat gerade sein Amt an und das Volk lag ihm mehr oder weniger zu Füßen. Das las ich jedoch nur am Rande bevor ich mich wieder den Windsurf- und Wellenreitbedingungen widmete.

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Mittlerweile sind einige Jahre vergangen und es hat sich einiges getan in meiner Wahlheimat. Selbst unter Windsurfern, die eigentlich, die am Liebsten über ihre neuesten Manöver oder Windsurftrips philosophieren, ist die Politik im Lande zu einem Dauerthema geworden.

Als Sozialismus des 21. Jahrhunderts wird die politische Situation von der Regierung bezeichnet. Es gibt festgelegte Wechselkurse, Devisen wurden aus dem Land verbannt, und ein Teufelskreis samt Hyperinflation wurde ins Rollen gebracht.

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Versorgungsengpässe waren die weitere Folge und das Land wurde politisch in zwei extreme Lager gespalten, was teils zu Unruhen führte. Sämtliche internationalen Reiseveranstalter strichen nach und nach ihre Segel und die Charterairlines die Flüge. Sogar die Linienflüge nach Caracas wurden auf ein Minimum reduziert. Venezuela war eines der reichsten Erdöl-produzierender Länder auf dem Planeten. Jetzt befindet sich das Land vor dem wirtschaftlichen Aus.

Noch immer kann man El Yaque erreichen, aber man muss tief in die Tasche greifen, extrem früh planen und dann noch auf den Faktor Glück setzen.

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Die internationaler Touristen und vor allem die Windsportler bleiben aus. Das ehemals beschauliche, sehr windigen Wüstendörfchen wandelte sich. Fast alle Hotels wurden an Venezolaner verkauft, welche dem Wind- und Kitesurfen nicht wirklich viel abgewinnen. Sie sehen in dem Ort vielmehr das Potential einer Partyhochburg.

Das wirkt sich momentan nur während der Ferienzeiten um Weihnachten, Karneval und vor allem Ostern aus. Dass es noch nicht schlimmer ist, kann man zu einem Großteil den El Yaque Windsurf Heroes um Gollito Estredo, Ricardo Campello, Diony Guadagnino und Yoli de Brendt verdanken, die das Banner des Ortes als Sportregion hoch halten. Bei jeder Gelegenheit treten sie in den venezolanischen Nationalfarben an und versuchen nicht nur Eigenwerbung im Land betreiben, sondern möchten vor allem positive Akzente für ihr Land setzen.

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Wenigstens scheinen die Inselregierung und die Partyveranstalter durch die Öffentlichkeitsarbeit der Windsurfer gemerkt zu haben, dass sich in diesem Dörfchen deutlich mehr um Sport dreht als an vielen anderen Orten im Land. So wurden während der Hochsaison um Weihnachten und Ostern die Strandveranstaltungen unter sportlichem Motto mit Beachvolleyball, Strandspielen und Skateboarden abgehalten.

Tatsächlich kann man aber neben diesen ganzen Widrigkeiten im Land, eine ganz normale und relaxte Zeit in El Yaque verbringen. Das hat mittlerweile auch der kanadische Pro Freestyler Philip Soltysiak erkannt. Er kehrt bei jeder Gelegenheit in das Karibikdörfchen zurück.

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Normalerweise bin ich immer ab Oktober oder November in El Yaque und nutze fast ausschließlich ein 5,4er oder 5,6 Segel und in Boards um 95 Liter. Damit komme ich drei bis viermal pro Woche aufs Wasser komme. Den Rest der Zeit bringe ich mich vor den teils sehr heftigen Regenschauern während der Regenzeit in Sicherheit. In diesem Jahr habe ich mein 5,6er Segel in diesem Winter fast ausschließlich während meiner Windsurfclinics verwendet. Das 4,7er durfte dafür mehr aufs Wasser, deutlich mehr. Denn die Regenzeit blieb aus, das trockene, dürre Hinterland vor allem auf Macanao, dem kargen Teil der Isla Margarita, beschleunigte die Thermik und hinzu kam der täglich wehende Passatwind.

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Ich kann mich nur an wenige Jahre erinnern in welchen wir eine so perfekte Windstatistik hatten. Es stach nicht nur die extrem geringe Anzahl an windlosen Tagen heraus, sondern auch die Windgeschwindigkeiten mit welchen die Luftmoleküle in unsere Segel schossen. Dazu hatten wir natürlich aufgrund der bereits angesprochenen Probleme sehr, sehr viel Platz auf dem Wasser, eigentlich mehr als uns lieb war, denn natürlich macht das Windsurfen unter Gleichgesinnten immer noch einen Tick mehr Spaß.

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Glücklicherweise kam zu dem Wind auch immer wieder etwas Swell. Es war zwar deutlich weniger als in den vergangenen Jahren, aber doch sauber und mit teilweise knapp zwei Meter Höhe gab es einen ausreichend Spaßfaktor.

Um unseren Körper durch das ständige Windsurfen nicht zu einseitig belasten, erkundeten wir mit dem Mountainbike einige sehr interessante Trails durch die Kakteenwälder und Hügellandschaften.

Unsere Tage fingen also mit einem netten aber anspruchsvollen Mountainbike Ride oder einer SUP oder Surf Sessions bei Sonnenaufgang an. Nach einem ausgiebigem Frühstück gingen wir dann Windsurfen.

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Alles in allem war es ein wirklich ausgezeichneter Winter, zwar mit der ein oder anderen Umstellung im täglichen Leben, aber doch hätte ich stattdessen kaum etwas anderes machen wollen.

Als der Winter vorbei war, flogen wir wieder nach Europa und hoffen jetzt auf eine Besserung der politischen Lage im Land und vor allem darauf, dass die Flugverbindungen bestehen bleiben. So könnte es dann vielleicht im nächsten Winter wieder mehr Windsurfer in El Yaque geben.

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