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São Miguel do Gostoso
Rino Radloff wurde vom Windsurfvirus so sehr infiziert, dass er in Brasilien ein neues Leben gesucht hat. Für DAILY DOSE hat er einen Spotguide über Gostoso geschrieben.

Eigentlich sollte ich mit der Erzählung dieser Geschichte im Jahr 2010 beginnen, denn in diesem Jahr habe ich mich mit dem Windsurfvirus infiziert. Schon ein Jahr später kündigte ich einen gutbezahlten Job als Schalungsbauer in Norwegen, um in Grömitz an der Ostsee im Wassersportbereich zu arbeiten. Ich verdiente dort nicht einmal die Hälfte meines alten Lohns, aber ich konnte mein Hobby zum Beruf machen und lernte viele interessante Menschen kennen.

Ich machte mir über den kommenden Winter Gedanken und wusste: Ich will besser windsurfen und weiter als Instruktor arbeiten. Mir kam ein Artikel aus einem Surfmagazin in den Sinn: „Kauli steigt auf zum Businessman“. Darin stand, dass er sein zweites Center eröffnete und ich dachte mir: „Der Typ braucht bestimmt Hilfe“. Ab Oktober konnte ich dann bei ihm in Sao Miguel do Gostoso arbeiten. Unentgeltlich.

Die Unterkunft wurde gestellt und ich durfte außerhalb der Arbeitszeit das Surfmaterial nutzen. Insgesamt war es eine unbeschreiblich wichtige Erfahrung. Ich konnte mich auf ein normales Niveau auf dem Wasser bringen und lernte viel fürs Leben dazu. Die fünf Monate vergingen rasend schnell und danach musste ich wieder für eine Saison zurück an die Ostsee.

Nach dem 2012er Sommer in Grömitz ging es wieder nach Brasilien. Diesmal reichte das Geld und die Zeit nur für vier Wochen. Da ich kein Kind wohlhabender Eltern bin und auch nicht im Lotto gewonnen hatte, wusste ich natürlich, dass man als Wassersportlehrer in einem halben Jahr nicht genug verdient, um surfenderweise über den Winter zu kommen. Abgesehen von dem Ziel, jeden Tag aufs Wasser zu kommen, hatte sich mir die Idee in den Kopf gebrannt, einen Fuß in die brasilianische Tür zu stellen.



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