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Almerimar

Wer kennt Almerimar, den Poniente Top-Spot mit Charakter?

Nachdem ich den letzten Winter im überfüllten Kapstadt verbracht habe, wollte ich dieses Jahr die kalte Jahreszeit im Süden von Spanien verbringen. Neben der Aussicht mit meinem vorhandenen Womo auch Kosten sparen zu können, reizte es mich auch endlich mal wieder, bei Wind von rechts Windsurfen zu gehen. So machte ich mich Anfang Dezember nach Tarifa auf.

Während in Europa überall kühles ungemütliches Wetter vorhielt, wurde ich in Tarifa von sonnigem Wetter, angenehmen Temperaturen, Levante und netten Wellen empfangen. Leider stellte sich aber heraus, dass solche sonnigen Tage durchaus nicht der Normalfall sind, denn die vorherrschende Windrichtung im Winter ist SW-W. Der Poniente, so wird dieser Wind genannt, bringt hohe Wellen, aber auch sehr oft schlechtes Wetter und viel Regen mit sich.

Ende Dezember brachte ich eine Bekannte zum Flughafen nach Malaga und nahm dies zum Anlass nach Almerimar weiter zu fahren.

Von Steffen, einem guten Freund, wusste ich, dass es dort im Winter bei Poniente tolle Bedingungen geben soll. Im Nachhinein kann ich sagen, dass Steffen nicht übertrieben hatte.

Während Almerimar sich mir bei Levante oder bei schwächerem Poniente eher als Freeriderevier zeigte, ging bei starkem Poniente richtig die Post ab. Bei sechs Beaufort und mehr kann man in Almerimar beständig in anspruchsvollen Bedingungen mit Welle und meistens auch mit Sonne windsurfen.

Anspruchsvoll sind die Bedingungen nicht wegen der maximalen Wellenhöhe, sondern wegen des oft sehr starken Windes und einem je nach Spot relativ hohen Shorebreak. An solchen Tagen werden die Wellen draußen sehr schnell zwischen zwei und drei Meter hoch. Bei ungefähr vier Meter ist dann das Ende der Fahnenstange erreicht. So schnell die Wellen kommen, so schnell gehen sie auch wieder.

Dennoch kann man bis circa zwölf Stunden nach starkem Wind mit Wellen zum Wellenreiten rechnen.

Almerimar

Die meiste Zeit wird man in Almerimar mit Sideonshore-Bedingungen konfrontiert. Trotzdem eignen sich die Wellen nicht nur zum Springen, sondern auch hervorragend zum Abreiten. Vor allem der Shorebreak am Camping zeichnet sich durch kraftvolle Wellen aus, die auch sehr gut für Aerials geeignet sind.

Direkt an meinem ersten Tag lernte ich Caro, Claudius und Jens kennen, die schon jahrelang regelmäßig nach Almerimar kommen. Ich wollte natürlich genau wissen, wo ich hier gelandet bin. Caro konnte mir so einiges berichten:

Almería kommt aus dem arabischen. Al-Mariyya, Spiegel des Meeres. Und tatsächlich spiegelt sich hier in der Provinz Almería, genauer gesagt in Almerimar, dass Meer. In den Leuten, in der Natur und in einem selbst. Viele Marokkaner leben hier, die oftmals illegal auf Booten bei Nacht hier ankamen. Man sieht auch noch überall die arabische Geschichte des Landes. In den alten Bauten und auch in der modernen Architektur, werden gerne noch arabische Elemente verwendet.

Schon 200 km vor Almería wird man von Schildern, die den Weg zu den Fähren weisen, auf arabisch begrüßt. Die Wüste Europas wird Almería oft genannt, auf Grund seines wüstenhaften Hinterlandes, des wenigen Regens und dem Staub, der in der Luft und auf den Palmen liegt. Seit einigen Jahren kennt man Almería eher als das Gewächshaus Europas. Bis zu 4 Mal im Jahr wird in so einem Gewächshaus geerntet.

Auf dem ersten Blick mögen die Einheimischen vielleicht etwas mürrisch wirken und wortkarg. Wenn man sich aber die Mühe macht, ihnen freundlich zu begegnen und ihnen mit ein paar Brocken Spanisch entgegen kommt, erlebt man die nettesten und gastfreundschaftlichsten Menschen, die auch schon mal extra nach Hause fahren, um einen ein größeres Longboard zu besorgen und dabei selbst auf gute Wellen verzichten, weil sie wissen, dass diese ja wieder kommen.

Bis vor kurzem wurde Schwarzcampen geduldet. Nachdem die Folgen der unkontrollierten Entsorgung von Müll und Toiletten, durch Regen aufgeschwemmt, zu einer größeren Schweinerei führten, griffen jetzt die Behörden ein und verweisen Camper auf die offiziellen Stellplätze im Hafen (7 Euro). Also bitte: Nutzt die offiziellen Stellplätze.

Almerimar ist so zwiespältig wie das Meer. Die Landschaft ist nicht jedermanns Sache. Es ist nach längerer Regenpause staubig, es gibt keinen Sandstrand, sondern Kies.

Almerimar will den feinen Ferienorten nacheifern, aber es ist in seiner Seele, in seinen Einwohnern, doch das kleine Fischerdorf von einst geblieben. Auch hier wurde und wird wie fast überall in Spanien viel gebaut und wer den Ort von früher kennt, weiß, dass die Flamingos jetzt nicht mehr da sind. Und dennoch kann man hier, wenn man sich auf den Ort einlässt, eine sehr schöne Zeit mit tollen Bedingungen verbringen.


Almerimar

Spot Infos:

Bei Poniente (westliche Winde):
Wenn im Winter der Poniente bei sonnigem Wetter durchkommt, dann meistens richtig. Der Wind ist dann deutlich stärker als in den Vorhersagekarten und kann sehr schnell sehr stark zunehmen. Man sollte auf jeden Fall auch die ganz kleinen Segel mitbringen. Wind und Wellen nehmen meistens im Tagesverlauf zu.

Bei Levante (östliche Winde):
Der Wind kommt etwa in etwa in der Stärke wie vorhergesagt. Im Winter ist er zudem oft kälter als der Poniente.

Spot Übersicht:

Club de Playa bei Poniente:
Der Spot liegt zwischen zwei Molen an der Westseite des Hafens von Almerimar.
Geparkt wird auf dem Parkplatz am „Campo de Rugby“ dem örtliche Rugbyplatz und aufgebaut wird auf einer Wiese.

An den Tagen mit sehr starkem Poniente baut sich eine beachtliche Welle und ein hoher Shorebreak auf. Durch die Luvmole ist der Start etwas einfacher als am Camping. Die Welle eignet sich an den Sahnetagen auch für Fontsideritte und hohe Sprünge.

Der Spot ist vor allem interessant, wenn der Wind zu nordwestlich kommt und an den anderen Spots der Wind im Uferbereich nicht reicht. Auch wenn die Welle am Camping wegen Niedrigwasser nicht genug hergibt, sollte man hier mal einen Blick riskieren. Ansonsten sind am Club de Playa die meisten Kiter und auch Wellenreiter unterwegs.

Der Spot eignet sich außerdem gut für die Tage, an denen man sich eine Freestyleoption offen halten möchte. Nach starken Regenfällen treibt im Wasser manchmal allerhand Müll rum. Man sollte dann aufpassen wo man herfährt bzw. wo man nach einem Sprung landet.

Almerimar
Almerimar

Camping bei Poniente:
Der Spot liegt etwa 1km westlich vom Club de Playa. Am Kreisverkehr an der großen roten Apartmentanlage biegt man direkt auf den vorhandenen Parkplatz ab. Aufgebaut wird auf einer Wiese. Bei starkem Poniente nur für Leute geeignet die mit hohem Shorebreak zurechtkommen. Am besten läuft die Welle bei Hochwasser. Dann sind im Shorebreak radikale Frontsideritte und Aerials möglich. Ansonsten baut sich weiter draußen eine sehr gute Welle zum Springen und Abreiten auf. Der Spot ist perfekt bei sideonshore und sideshore Bedingungen. Dreht der Wind zu sehr auf NW ist im Uferbereich kein Wind. Bei schwächerem Poniente ist das Revier auch für Welleneinsteiger geeignet.

Culoperro bei Poniente:
Der Spot liegt am letzten Kreisverkehr westlich von Almerimar. Geparkt wird auf den dort vorhandenen Parkplatz direkt am Kreisverkehr. Es kann auf einer Wiese aufgebaut werden. Im Normalfall ist das Revier auch bei starkem Poniente noch für Wellenaufsteiger geeignet. Hier kann man relaxed auf die Welle zufahren und springen. Shorebreak ist kaum vorhanden. Die Welle lässt sich gut abreiten, hat aber deutlich weniger Power, als an den anderen Spots. Da es hier in Luv keine Hotels gibt, kann man hier auch noch Windsurfen, wenn der Wind etwas offshore kommt. Wunderbar als Ausweichspot geeignet, wenn es an den anderen Spots einfach zu extrem wird.


Culoperro bei Levante:
Der Spot liegt am westlichem Ende der Bucht, circa 800m von dem Parkplatz entfernt, der bei Poniente genutzt wird. Geparkt wird direkt am Strand an einem einzelnen Haus. Bei Levante der Spot der Wahl in Almerimar. Mit Wellen zwischen 1 und 2 m ist nur zu rechnen, wenn der Wind relativ auflandig und stark genug ist. Diese eignen sich dann gut zum Springen und sind auch für Welleneinsteiger geeignet. Vereinzelt ist mit Seeigeln zu rechnen, daher wären Schuhe empfehlenswert.

Hotels Richtung Punta Entinas bei Levante:
Der Spot liegt am östlichsten Parkplatz von Almerimar. Der Wind ist hier sideshore bis sideoffshore.

Durch die Abdeckung der letzten Mole gute Freestylebedingungen bei wirklich glatten Wasser. Der Wind ist im Uferbereich allerdings etwas böig.

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