home  :::  travel  :::  Teneriffa Report - Februar 2009  
Teneriffa Report

Am 5. Februar waren die Spots der Nordwestküste unsurfbar - zu groß waren die Wellenberge, zu schwach der Wind.
Wie ihr schon im Januar Report lesen konntet, sorgte ein Tief für einen Bigday in LA. Solche Störungen ziehen normalerweise flott durch und verabschieden sich mit einem Westwindtag in Médano. Dieses Tiefdruckgebiet verweilte aber eine ganze Woche nordwestlich der Kanaren, was den Westwindspot La Fitenia in Las Americas dauerhaft ordentlich belüftete und täglich mehr Windsurfer aus El Médano anlockte.

Eine Ausnahme bildete nur der 5. Februar: An diesem Tag drehte der Tiefdruckwind auf West und wehte beschleunigt durch den Roten Berg auch passend für kleine Segel schräg ablandig über die spiegelglatten Médanobucht. Alex Mussolini, Jochen Stolz und ich hatten an diesem Tag aber keine große Lust auf Freestyle, zumal ganz dicker Nordwestswell gemeldet war und so machten wir uns auf den Weg zur Spotsuche im Norden der Insel.
Jochen kennt die wenigen windsurfbaren Spots sehr gut und so lotste er uns zuerst nach Caleta de Interian - ziemlich westlich an der Nordküste gelegen. Als wir über die Berge des Tenogebirges kamen, sahen wir schon von 1000m Höhe deutlich breite weißen Streifen vor den Felsen der Küstenlinie.

Dieser Eindruck verstärkte sich, als wir uns über die endlosen Kurven der Serpentinen dem Ort des Geschehens näherten. Gischtschwaden zogen durch die Gassen von Caleta und ziemlich weit draußen brachen die großen Monster. Leider reichte der Windwinkel nicht, um mit kleinem Material die Brandungszone zu erreichen und so beschlossen wir ein paar Kilometer in Luv, in der Nähe von Los Silos, die Bedingungen zu checken.
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Offroad legten wir vier Kilometer nach Garajoda zu einem felsigen Küstenvorsprung zurück, wo Dany Bruch am 19.12.2007 für legendäre Bilder in doppelt masthohen Wellen sorgte. Obwohl Ebbe war krachten auf die Stelle, von der Dany damals ins Wasser gesprungen war, masthohe Schaumwalzen. Die Höhe der heute ziemlich ungeordnet brechenden Riesenteile konnten wir nicht schätzen, aber es war klar, dass da keiner raus konnte. Die dichte Bewölkung tat ihr Übriges zu diesem gewaltigen, einschüchternden Szenario. Noch wollten wir nicht aufgeben und Jochen machte uns neuen Mut mit seinem Vorschlag, einen Blick auf El Socorro zu werfen, einen Strand westlich von Puerto de la Cruz (nicht zu verwechseln mit den gleichnamigen Spot Nähe Güimar). Dort waren die Bedingungen schon gemäßigter, aber hier bildete die steile Küstenformation einen dicken Luvstau, also wieder zu wenig Wind direkt unter Land. Außerdem war der ganze Strand weiträumig abgesperrt und die Lifeguards meinten, dass wir besser keinen Gedanken ans Rausgehen verschwenden sollten.

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Der plötzlich einsetzende, starke Regen ließ diese dann auch gar nicht aufkommen und so ging es mit auf schnell geschalteten Scheibenwischern auf die Autobahn - zurück nach El Médano. Unterwegs klingelte Jochens Handy - am anderen Ende der Leitung war Local Giacomo der sagte, dass der Wind jetzt wieder auf Nordwest gedreht habe und LA funktioniert. So machten wir die Inselrunde an diesem Tag komplett und düsten direkt durch nach Las Americas.

Tatsächlich hatte der Wind hier schon die Regenwolken beiseite geschoben und es wurde schnell aufgeriggt. Kaum hatten wir die Brandungszone gequert, schaltete der Wind auf Null! Ich hatte Glück und ließ mich nach einer Chickenjibe von einer großen Weißwasserwalze zum Ufer tragen. Schnell eilte ich Jochen zur Hilfe, der panisch schwimmend den Abstand zur Molenwand zu vergrößern versuchte. Er schaffte es ebenfalls unversehrt zurück an Land.

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Alex hatte weniger Glück - ihn hatte eine große Welle samt Stuff gegen die Mole "gespült". Er selbst hatte nur ein paar kleine Schürfwunden, doch das Brett war auf dem Deck über die ganze Breite eingedrückt, Mast und Gabel gebrochen und Segel ebenfalls zerstört.

Alex Mussolini: "Das war eine Lektion für mich. Leider wurde bei dieser Aktion das Board zerstört, das ich extra für den PWA Wold Cup auf den Kapversen im Gepäck hatte. Ohne diesen speziellen Shape lief es dann am Ponta Preta nicht ganz so optimal..."
Nach dieser Nordwestperiode gab es nach kurzer Pause ein paar 18-Knoten-Tage für den Freestyler und weiter gings mit einer schönen Woche mit Wellen und Viersiebener.

So kamen wir letztendlich wieder auf 14 Windsurftage im Februar und damit zu den winterüblichen 50% Gleitwind. Absolutes Highlight im Februar war natürlich wieder der zweitgrößte Karneval der Welt - eine Woche drängten sich Hunderttausende durch die Straßen der Hauptstadt Santa Cruz.
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