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Südafrika

Seit 1998 war es nun das 10. mal an diesem schönen Fleckchen Erde. Manch einer mag wohl denken, wie kann man immer wieder an das gleiche Ziel reisen, zumal es selbst um diese Jahreszeit auch windsurftechnisch gesehen diverse Alternativen gäbe...

Die geniale Kombination und Zuverlässigkeit von Wind und Welle sowie das vielfältige „Rahmenprogramm“ von Kapstadt sprechen allerdings eine eindeutige Sprache. So ist auch meine nicht surfende weibliche Begleitung bei der jährlichen Abstimmung immer wieder für diese Location.

Surfen, schönes Wetter, gutes Essen, guter Wein, Shopping, Sightseeing, Nightlife und alternative Aktivurlaubsmöglichkeiten ohne Ende, dies alles konkurrenzlos günstig für europäische Verhältnisse.

Das leidige Thema Kriminalität wird meines Erachtens in den Medien und in der öffentlichen Meinung etwas zu hoch „gekocht“, zumindest was die Kapregion angeht. Die großen Gegensätze zwischen Arm und Reich, machen jedoch jeden, dem es besser geht für Kriminelle interessant.

So sollte man sich auch in Kapstadt mit dem so genannten gesunden Menschenverstand bewegen, z.B. keine Wertsachen im Auto lassen (Surfstuff ist kein Problem), auf keinen Fall ohne Führer in die Townships (wenn man denn dorthin will) und am Abend nur die notwendigen Wertsachen und das Geld, was man wirklich für den Abend braucht, mitnehmen und am besten nicht alleine losziehen.

Noch ein Thema, dass viele Surfer wohl abschreckt ans Kap zu reisen und dort auf`s Wasser zu gehen: „Gibt`s da nicht Weiße Haie?“ Das hört man eigentlich immer wieder wenn man sich in Surferkreisen über Südafrika unterhält. Aber in der Realität ist das kein wirkliches Problem, insbesondere für Windsurfer. Wellenreiter sind natürlich etwas mehr exponiert. Rational betrachtet dürfte man dann allerdings auch an vielen anderen Spots auf diesem Planeten nicht auf`s Wasser. Man sollte es pragmatisch sehen: Vergesst die Haie, es gibt genug Robben!

Und dann gibt es ja noch die Statistik: Weltweit werden jährlich 10 Menschen durch Haiangriffe, aber 150 Menschen durch herabfallende Kokosnüsse getötet.

Es ist 66-mal wahrscheinlicher, im Lotto einen 6er mit Zusatzzahl zu haben, und 1666-mal wahrscheinlicher, von einem Blitz getroffen als im Wasser von einem Hai getötet zu werden (Zitat aus: „Haiunfälle“ von E. K. Ritter/G. Wegner) .
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Und eines vielleicht noch für die, die bisher glaubten, dass Kapstadt nur für „Profis“ ist. Nicht jeder Tag ist ein „Big Day“ mit masthohen Wellen, es gibt auch viele „kleine Tage“ für Waveeinsteiger und wenn es einem zu heftig wird oder man sich beim „Freeriden oder Freestylen“ entspannen will, kann man an die Flachwasserspots wie den Rietvlei direkt in Table View oder die Lagune von Langebaan (ca. 1 Std.) fahren.

Der Fusion von Air Berlin und LTU sei Dank, kann man nun wieder aus dieser Ecke Deutschlands ganz stressfrei mit Windsurfgepäck an`s Kap kommen. Kein „Rumgezicke“ am Schalter, das Surfgepäck wird erst nach dem Einchecken an der Sperrgepäckaufgabe gewogen, so dass man nicht so auf jedes Gramm achten muss. Und wer schon mal von Hannover aus abgeflogen ist, weis wie relaxt man hier mit dem Surfstuff eincheckt: Kurzzeitparken, Material vom Dach, 20-100m zum Schalter, danach noch Material zur Sperrgepäckaufgabe (max. 50m), das war`s. Danach sieht man sein Material erst am Zielort wieder.

2 Waveboards (78l und 98l), 2 Masten (400 und 430), sowie 4 Segeln (4,1-4,7-5,3-5,8), 2 Wavegabeln und das Zubehör hatte ich diesmal wieder im „Sturmgepäck“, damit geht mit meinen 75kg Körpergewicht in Kapstadt fast immer was.



Wie im letzten Jahr kamen wir nach einem Nachtflug kurz vor 6:00 Uhr an. Die Landung in den Sonnenaufgang war wieder eine traumhafte Szenerie. Bei schönstem Sonnenscheinwetter und 28°C aber ohne windsurftechnisch nutzbareren Wind am Ankunftstag war zunächst Einkaufen für den täglichen Bedarf, Relaxen und Aklimatisieren angesagt.

Am 4. Tag kam er dann endlich, der langersehnte SO für Segel um 5,3m²/4,7m² mit 2-3m Welle. In der Folge lief er sich dann so richtig warm. Für 13 Tage sollte er fast pausenlos durchhalten, der legendäre „Cape Doctor“, dieses Jahr mit überwiegend 6-8 Bft. wieder mal ganz heftig! Leider waren jedoch die Wellen diesmal mit 1-2m, manchmal auch etwas höher, eher von der gemütlichen Sorte.

Dennoch war das Surfen trotz der kleinen Welle wieder ziemlich radikal, 4,1m² + 4,7m² mit 78 l war das meist gefahrene Material und der ruppige Wind und die Steine am Sunset Beach haben ihre Opfer gefordert (Löcher in Brett, Segel und Fuß). Mit dem richtigen Reparaturmaterial war es aber zu handeln.
Das Brett war wieder schnell mit "Mr. Ding" Epoxystick fitgemacht, die durchgescheuerte Lattentasche des 5,3er mal eben beim Sailrepair in einer Stunde für 8,50€, das große Fenster des 4,7er über Nacht für 33€ repariert, bzw. getauscht. Das sind Preise und ein Service, von denen man in Deutschland nur träumt.

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Mit der Zehe hat es natürlich etwas länger gedauert, aber auch in SA bekommt man die nicht ganz billigen "Hydrokolloidverbände" = Blasenpflaster (ca. 3€ für 5 Stk.), die auf der Haut sogar im Meerwasser halten! Man sollte sie an den Füßen beim Surfen aber noch mit dem silbernen Klebeband (Duck Tape) schützen. So heilen sogar im Salzwasser und unter Belastung ziemlich üble Wunden. Meine Füße sahen fast aus wie bei meinen Gefäß-Patienten, die ich in Deutschland tag täglich behandle, zum Glück sind sie schneller geheilt.

Jedes Jahr, wenn der Sommer kommt und der Cape Doctor bläst, ist auch wieder „Fireseason“ am Kap. Die extrem lange durchgehende South-Easter-Phase und die mit bis zu 35°C zum Teil schon ungewöhnlich hohe Temperaturen für diese Jahreszeit führten schon früh zu heftigen Feuern. Am 8. Dezember lag ein ungewöhnlicher Dunst in der Luft. Trotz heftigen South-Easter konnte man vom Sunset Beach aus den Tafelberg nicht mehr erkennen! Eine ganz unwirkliche Situation, die Sonne war nur noch als schwache Leuchtkugel zu erkennen. Eine Großfeuer auf den Hügeln von Gordons Bay am östlichen Ende der False Bay, dem einige Wohnhäuser zum Opfer fielen, hatte die ganze westlich davon liegende Kapregion in diesen Dunst gehüllt. Aufgrund des extremen Windes brauchte die Feuerwehr mehrere Tage um das Feuer endgültig zu löschen.




War man schon so oft am Kap wie wir, ist es jedes mal schon ein bisschen wie „nach Hause“ zu kommen, so vertraut sind einem viele Dinge. Sightseeing tritt dann natürlich etwas in den Hintergrund, da man ja schon „fast alles gesehen hat“. So geht man die Urlaubstage ganz locker an. Morgens erst einmal in aller Ruhe frühstücken und die „Cape Times“ lesen. So kann man seine Englischkenntnisse auffrischen und bekommt etwas vom südafrikanischen Alltag mit. Besonders interessant sind die Leserbriefe und Kommentare. So werden einem täglich die großen Gegensätze von Arm und Reich in diesem Land vor Augen geführt. Durch unsere vor Ort lebenden Verwandten, die wir natürlich jedes Mal besuchen, bekommt man zusätzlich einen tieferen Einblick in dieses Land.

Als nur kleines Beispiel dafür, wie sehr manche am Existenzminimum stehen, sei folgendes erwähnt. 1x/Woche, wenn der Hausmüll abgeholt wird, wird wirklich jede Tonne, die zur Leerung auf die Straße gestellt wird, von Farbigen, die mit Einkaufswagen umherziehen, auf Verwertbares komplett durchsucht. Vor unserer Abreise haben wir unsere ausgemusterten Lauf- bzw. Sportschuhe, die ohnehin nicht mehr mit nach Hause sollten, sauber in Plastiktüten verpackt auf der Mülltonne deponiert, sie fanden einen Abnehmer, wie wir von unserem Vermieter Reiner Fiddicke von der Makai Lodge später per E-Mail erfuhren. Für unser deutsches Empfinden kaum nachvollziehbar, kann man hier mit solchen Kleinigkeiten etwas „Gutes“ tun.
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Seit 1999 ist Kapstadt in den Randbezirken außerordentlich expandiert. Dies hat man auch in dem für Windsurfer als günstiges Basislager geeigneten Table View deutlich gemerkt. So schossen ganze Wohnviertel in der Region wie Pilze aus dem Boden. Eine Entwicklung, wie an fast allen touristisch interessanten Regionen auf der ganzen Welt, natürlich nicht oft zum Vorteil. Entsprechend verlängerten sich die morgendlichen und abendlichen Staus in und aus der City von Jahr zu Jahr. Die aktuelle Finanzkrise hatte dieses Jahr aber auch an diesem Ende der Welt zugeschlagen. Alles war ruhiger, weniger Staus und auch die großen Tanker in der Tafelbucht, die auf die Abfertigung Hafen warteten war nicht so zahlreich wie gewohnt.

Beim Surfen am Sunset Beach, Bloubergstrand in Big Bay und Melkbos (die angesagten Spots vor Ort) gibt`s auf jeden Fall nie Stress oder Hektik, es gibt einfach Platz ohne Ende. Allenfalls in der begrenzten Bucht von Big Bay kann es schon mal etwas voller werden, aber auch hier kann man problemlos nach Lee hinter die Felsen ausweichen, wenn es einem zu eng wird. Gerade zu Beginn der Saison im November/Dezember ist die Situation auf dem Wasser ganz entspannt.

Nach knapp drei Wochen war es schließlich wieder soweit, der Flieger nach Hause wartete. Von 19 Tagen war ich an 16 Tagen auf dem Wasser gewesen, davon am Stück unter “Hardcore-Bedingungen“ bei 5-8 Bft. und 1-2 m Welle, vereinzelt auch größer.

Alles in allem also, wie es sich ambitionierte Windsurfer wünschen. Am Abflugtag hatte der Wind nach zwei Tagen Pause wieder auf SO gedreht, so dass der Flieger in diese Richtung startete, eine große Rechtskurve über die False Bay und das Tafelbergplateau machte und noch einmal einen Blick auf meinen „Spielplatz“ in der Tafelbucht gewährte.

Zum Glück saß ich auf der richtigen Seite im Flieger, so dass ich diese grandiosen Eindrücke mit nach Hause nehmen konnte.
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