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Big Mondy - Rock'n Roll inSüdafrika

Milan Schnabel berichtet aus Südafrika von einem ziemlich guten 9. März, der als Big Monday in die südafrikanische Sommersaison 2009 eingehen wird...

Das Kap der guten Hoffnung, begehrtes Ausflugsziel der Busunternehmer und für viele Windsurfer ein Höhepunkt in dem Spotrepertoire der Kaphalbinsel. Ich habe schon vor meiner Ankunft unzählige Fotos von diesem Spot gesehen , aber selber hier zu stehen ist schon etwas ganz anderes. Es ist ein sonniger Spätsommer Tag am Kap und bei Ankunft berichtet Schorsch (Name von der Redaktion geändert) von seiner Sonnenaufgang Session, während er sich aus dem Anzug pellt.

Über masthoch seien da die Wellen und der Wind konstant gewesen, und wenige Leute auf dem Wasser. Was ich jetzt sehe mutet eher einem Windsurfkrimi an, denn mit der Flut steigt der Wasserspiegel, der Atlantik drückt mit vier Meter Dünung ungebremst an die schroffen Felswände. Dort wo der Einstieg ist, oder eigentlich sein sollte, sehe ich nur Shorebreak, dann noch mal Shorebreak, dahinter Weisswasserwalzen, die sich in vierer bis fünfer Formation durch die ganze Bucht ziehen und eine irre Strömung verursachen.


Dazu kommt, dass innerhalb der Bucht, die als Ausgangspunkt zu meiner Session dienen sollte, teilweise nur ein laues Lüftchen weht, wobei draussen auf dem Meer die „Whitecaps“ auf 6 Windstärken schliessen lassen.

Meine Tage am Kap sind gezählt und ich habe wirklich das Verlangen diesen Spot zu surfen. Was ist wenn ich heute echt zu spät dran bin und dieser Tag war meine letzte Chance, oder soll ich es einfach...

Ich werde abrupt aus meinen Gedanken gerissen als ich hinter mir auf dem Parkplatz Geschrei und Gejohle höre. Ich laufe zurück zum Wagen und dort liegt meine Freundin auf dem Boden die Türen stehen weit offen und unsere Habseligkeiten verstreut auf der Strasse. Affenüberfall!

Mit Schreien, Steinwürfen und dem Einsatz von Stöcken versuchen andere Surfer das Alpha Männchen der wilden Affenfamilie die sich um unser Auto versammelt hat in die Flucht zu schlagen. Es stellt sich heraus, dass der Affe hatte selbständig die Tür geöffnet und sich über unseren Rucksack hergemacht hatte.

Big Mondy - Rock'n Roll inSüdafrika

Als er es sich Bonbonlutschend so richtig gemütlich machen wollte, wurde er von meiner Freundin überrascht, die ahnungslos zurück zum Wagen gekommen war. Sie wurde attackiert und kam zum Glück nur mit einigen Schürfwunden und Kratzern davon. Es sollte sich bei einem späteren Arztbesuch herausstellen, dass am Kap weder Gefahr von Tollwut gemeldet ist noch das diese Affen HIV übertragen. Aber der Schock blieb.

Nachdem sich die Aufregung gelegt hat, konzentrieren wir uns wieder auf die Bedingungen. Der Wind hat zugelegt und die Wellen laufen geordneter, aber es sind immer noch Brecher dabei. Wir müssen zusehen wie ein Kiter erst sein Board zerlegt, dann fast seinen Schirm, als der im Windloch dropt und dann gefährlich nah an die Felsen treibt. Das trägt natürlich nicht dazu bei, die Skepsis der an Land gebliebenen zu mindern.




Ich nehme dennoch wenig später mein Material und wage mich zum Einstiegspunkt. Von der Erhöhung des Parkplatzes aus hatte man ja noch einen Überblick über die anrollenden Wellenberge. Vom Strandlevel aus ist jedoch alles nur noch eine undefinierbare weisse tobende Wassermasse.
Traditionell mache ich ein paar Aufwärmübungen und tauche erst einmal ohne Material unter, um mich an die Wassertemperatur zu gewöhnen.

Im Falle eines Waschgangs ganz am Anfang hilft es, um nicht auch noch von der Kälte überrascht zu werden. Da braucht man seine Konzentration für anderes. Beim ersten Versuch zu starten werde ich von den Fluten rücksichtslos zurück auf die vorliegende Steinplatte gepresst und schlage mir den Zeh auf, mir bleibt nichts anderes übrig als mein Material zusammenzusammeln und aus dem Shorebreak zu flüchten. Mein Puls rast und ich versuche tief zu atmen und mich nur auf meine Aufgabe zu fokusieren:“Du willst da raus“.


Big Mondy - Rock'n Roll inSüdafrika

Der zweite Versuch gelingt besser. Es gilt eine der letzten grossen Wellen eines Sets brechen zu lassen und dann das Weisswasser zu überwinden. Da ist die Wahrscheinlichkeit am grössten nicht von einer anrollenden Welle überrascht zu werden.

Dann gilt es möglichst früh anzugleiten und dem nächsten Set zuvorzukommen. Dafür muss im Zweifelsfall enorm Raumwind gefahren werden. Die Höhe kann man, wenn man einmal über die brechenden Wellen rüber ist, draussen bei genügend Wind locker wieder gutmachen.

Falls man dann doch noch ein Set durchkreuzen muss, lieber mit weniger Geschwindigkeit, mit offenem Segel, aus dem Trapez ausgehakt mit dem Brett genau vertikal auf die brechende Welle zufahren.





Es ist wichtig niemals in die impact zone zu geraten, also dort wo die Welle steil und hohl bricht, denn da ist sie am kräftigsten. Lieber vor einer brechenden Welle in Wartestellung gehen und das Weisswasser möglichst lange auslaufen lassen bevor es einen erreicht, da hat es schon deutlich an Druck verloren.

Einmal draussen, wird mir erst die landschaftliche Grösse dieses Spots bewusst. Ich erkenne die umliegenden Berge des Kaps, sehe die Zuschauer auf dem Parkplatz und die Fotografen auf dem vorstehenden Felsen. Das Licht. Und die Wellen. Sie schieben sich wie dunkle, schwere Vorhänge eine nach den anderen in die Bucht, die nun dem Zuschauerraum eines tragischen Schauspieles in einem Amphitheater gleicht.

Es gilt nur sich eine von den grösseren rauszusuchen, in sie reinzuhalsen, auf ihr zu reiten bis zum steilsten Punkt, dann schnell zwei Turns in die Wand reinzufahren und dann bevor sie bricht rauszufahren oder mit viel Geschwindigkeit vor ihr wegzufahren und hinter sich brechen zu lassen.

Big Mondy - Rock'n Roll inSüdafrika

Dieses Spiel ist enorm anstrengend, man fährt die meiste Zeit ausgehakt und überpowered und die Wellen haben ein Format dass jedes Mal den Adrenalinspiegel steigen lässt und einiges an Mut verlangt, um bis an die Lippe hochzufahren.

Ich soll an diesem Tag Gück haben und meine zwei Waschgänge verlaufen glimpflich. Das Material bleibt unbeschadet. Der 9. März wird als einer meiner Surftage mit den radikalsten Bedingungen in den persönlichen Kalender eingehen. Zum Abend hin wird sich das Wasser mit mehr Surfern füllen, die Wellen werden sauberer laufen und spektakuläre Fotos werden die Action verewigen. Da sollte ich schon längst mit meiner Freundin glücklich und zufrieden in der Kalkbay in einer chilligen Bar am Hafen sitzen und bei einem kühlen Drink einen spektakulären Mondaufgang geniessen.

Nachtrag:
Capetown befindet sich schon voll im WM Fieber für 2010, es gibt zig Baustellen und das Polizeiaufgebot ist riesig. Während unseres Aufenthaltes haben wir uns zu keiner Zeit bedroht gefühlt. Die Freizeitangebote, Gastronomen und Dienstleister leisten Top Service zu gemässigten Preisen und sind in Ihrer Fülle schier unschlagbar. Davon kann sich manch europäische Großstadt ein Scheibchen abschneiden.

Um von den landschaftlichen Eindrücken und charakterlichen Vorzügen der Südafrikaner gar nicht zu sprechen.
Eine gute Anlaufadresse ist das Surfhostel & Lodge (Surfhostel.de) von Bernd & Chris in Tableview. Es liegt zentral zu den Spots und hat ein schönes Ambiente. Die beiden verstehen es die Gäste gut zu betreuen und leisten super Beratung bei Autovermietungen, Spotguiding, Restaurantips, Safaris und und und.

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Der Autor Milan Schnabel verdiente sich sein täglich Brot nach einem unterhaltsamen aber wenig erfolgreichen Studium der Geisteswissenschaften in Kiel mehrere Jahre als Windsurf – und Kitelehrer, zuletzt auch als Centermanager in einigen der schönsten Wassersportdestinationen der Welt.

Rechtzeitig, um dem unausweichlichen Burnouteffekt zuvorzukommen, wechselte er jedoch in die Hotelindustrie, wo er sich zur Zeit im Norden Fuerteventuras am Front Office durchschlägt und sich die Freizeit versüsst indem er so oft wie möglich Windsurfen, Kiten und Wellenreiten geht.

Wenn mal nichts auf dem Wasser geht, holt er sich beim Langlauf durch die berühmte Dünenlandschaft der Insel oder beim Tennis mir Arbeitskollegen einen klaren Kopf.
Zum Ende des Südafrikanischen Sommers erfüllt er sich einen lang gehegten Traum und stattete Kapstadt einen Besuch ab.

Big Mondy - Rock'n Roll inSüdafrika