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Sal - Cabo Verde

"Cabo Verde - no Stress" lautet das Motto der kreolischen Inselbevölkerung auf Sal. Als Aufschrift an nahezu jedem Souvenirshop und etlichen Hauswänden in den Straßen Santa Marias begegnet man diesem Aufruf zum Entspannen.
"Hey, no stress" hört man nicht selten als Begrüßung in den Gassen des verschlafenen Ortes. Tatsächlich geht hier alles ein wenig langsamer voran. So fällt es daher auch nicht schwer, die deutsche Alltagshektik abzulegen und sich dem entspannteren Rhythmus der Insel anzupassen. Auch bei der Bauplanung scheint alles andere als Stress angesagt zu sein. Von den vielen halbfertigen Gebäuden, die mir bereits in den Jahren zuvor aufgefallen waren, scheinen nur wenige fertiggestellt worden zu sein. Ganz im Gegenteil, es wachsen immer mehr Rohbauten aus dem sandigen Boden. Dass die Touristenzahlen in dieser Saison jedoch rückläufig sind, ist mehr als augenscheinlich. So klagen die Surfstationen, auf dem Wasser herrscht unverhältnismäßig wenig Verkehr und auch in den Touristenstraßen ist es deutlich ruhiger als noch im Vorjahr. Dazu hält sich hartnäckig das Gerücht, dass der Topspot Ponta Preta bald im Windschatten eines Gebäudekomplexes verschwinden soll. Und auch an der Landzunge des populärsten Surfspots Santa Maria Beach künden große Tafeln ein Bauvorhaben an, das sich mit konstanten Gleitwinden in der Bucht kaum vereinbaren lässt.

Sal - Cabo Verde

Als würden die Elemente Luft und Wasser zu einer Anti-Betonklotz-Unterschriftenaktion aufrufen wollen, gaben Wind und Wellen seit dem Tag meiner Anreise alles.
Da Ponta Preta zunächst für die Worldcupper reserviert war, wärmte ich mich mit einigen Freestylesessions in Santa Maria auf. Nach zwei Tagen mit Wind über 20 Knoten, baute sich dort eine nette Dünungswelle auf, die entlang einer langen Landzunge bricht und zu entspannten Wellenritten für Jedermann einlädt, da es keinen Shorebreak zu überwinden gibt und man einfach rein- oder raushalsen kann. No Stress eben.

Die nächsten Tage zog mich die Sehnsucht nach chaotischen Ostseebedingungen in die Sharkbay, oder auch Kitebeach genannt. Beide Namen sind dort leider durchaus berechtigt. Wenn nirgends auf der Insel Swell ankommt, aber genug Wind weht, findet man dort etwa Heiligenhafen-ähnliche Bedingungen. Den Rückweg mit dem Taxi kann man sich sparen, wenn man stattdessen etwa 15 Minuten downwind zurück nach Santa Maria surft. Obwohl ich normalerweise nur selten länger geradeaus fahre, fand ich diese rasanten fünf Kilometer durch die beachtliche Dünung sehr amüsant und kann diesen Schlag nur weiterempfehlen.


Sal - Cabo Verde
Irgendwann war es dann soweit, Ponta Preta war wieder für die Allgemeinheit freigegeben und auch die Swellrichtung stimmte. Zu meiner Überraschung kann man auch diesen zerstörerisch anmutenden Spot überleben, zumindest wenn man einmal den Shorebreak überwunden hat. Als ich eine Frau, die sichtliche Probleme bei der Powerhalse hatte, eine fast masthohe Welle hinunterjagen sah, kam ich mir nicht mehr ganz so heldenhaft vor. Erst nach ein paar ordentlichen Spülgängen in der Waschmaschine vor den Rocks steigerte sich mein Selbstwertgefühl langsam wieder.

Da zum Glück weder ich noch mein Material großen Schaden davontrugen, belohnten meine Crew und ich uns abends auf den Schreck ordentlich mit Caipis in der Bar Calemas, erfreuten uns an der ‚Karneval in Rio‘ Stimmung, tranken noch mehr Caipis, taten etwas für die Völkerverständigung und tranken zur Sicherheit noch ein paar weitere Caipis.
Getreu dem Motto ‚je mehr Kopfweh desto mehr Wind‘ zogen wir dieses Ritual fast jeden Abend durch, sodass der Wind bis kurz vor unserer Abreise mindestens für 5.4 reichte.
Sal - Cabo Verde
Auch einen guten Wellentag konnten ich noch scoren. NO-Swell ließ supercleane und sehr kraftvolle 2-Meter-Wellen direkt an der Landzunge von Santa Maria brechen, dem Ponta Leme. Leider fanden das auch ca. 30 Kiter und 20 Windsurfer heraus, und die eigentlich sehr entspannten Locals hatten ihr Inselmotto ausnahmsweise gegen "Hey, want some stress?" eingetauscht. Einem Kiter war mein Vorfahrtsrecht ziemlich egal und er berief sich lieber auf sein Heimrecht, was fast in einer amtlichen Klopperei geendet hätte.

Da die Wellen an dem Tag zu gut waren, verschoben wir die Aktion zum Glück, hauen kann man sich schließlich auch bei Flaute.

Als diese dann gegen Ende des Urlaubs einsetzte, war ich ziemlich froh wieder im Flieger nach Deutschland zu sitzen und freute mich auf die ersten Frühjahrsstürme mit relaxten Locals in Laboe und Weißenhaus.



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