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Road Trip

Dies ist der Reisebericht zweier halb genesener Windsurfer, die sich für fünf Wochen mit dem Bulli auf einen Wellenreit-Reha-Trip durch Portugal, Spanien und Frankreich begeben haben.
Im April 2008 neigte sich für mich (Malte) die Zeit als Zivildienstleistender auf Norderney dem Ende zu und mir war klar, dass ich das Studium noch ein weiteres Jahr aufschieben würde, um noch ein wenig in der Welt herum zu kommen. Den Sommer verbrachte ich auf Norderney als Surflehrer. Kurz bevor es ins Ausland gehen sollte, brach ich mir unglücklich den Arm der aufgrund einiger Komplikationen (nie wieder eine OP auf Norderney!) erst Anfang März wellenreittauglich war. Heilfroh endlich wieder „gesund“ zu sein, machte ich mich am 28. Februar auf den Weg um den mit Fußproblemen geplagten Zivikollegen Hannes in der Nähe von Frankfurt abzuholen. Früh am nächsten Morgen verabschiedeten wir uns, um nach Biarritz aufzubrechen. Der Plan war zügig in den Süden Portugals zu fahren, um von dort aus die Küste entlang Richtung Norden die Surfspots abzuklappern und nebenbei Wellenreiten zu lernen. Da Hannes mich beim Autofahren motivierte, indem er Spotbeschreibungen aus dem Stormriders Guide vorlies schafften wir die Strecke von Frankfurt nach Biarritz in einem Rutsch, so dass wir am nächsten Morgen die erste Session des Trips starten konnten. Da wir die Nacht doch noch ziemlich gefroren hatten und Wasser- und Lufttemperatur noch alles andere als angenehm waren entschlossen wir uns zügig weiter Richtung Portugal zu fahren.
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Nach einer öden Fahrt mitten durch Spanien und einer kalten Nacht auf einer abgelegenen Pampa-Tankstelle erreichten wir dank Hannes, der die Navigation übernommen hatte, den Ort Peniche und den Spot mit dem viel versprechenden Namen Supertubos. Der starke sideoff wehende Wind trieb uns Tränen in die Augen. Nicht weil er so stark war, sondern weil die Bedingungen zum Windsurfen einfach so gut und zum Wellenreiten so schlecht waren.

Daher verabschiedeten wir uns nach einer kurzen Session wieder um uns in die (hoffentlich) windärmere Südalgarve zu begeben. Als wir kurz vor Sagres waren, saßen wir jubelnd im Auto, da wir glaubten schon schon die Lines der Wellen am Horizont auszumachen. Doch diese entpuppten sich dann leider als Stromleitungen. Nichts desto trotz waren wir froh unser vorläufiges Ziel erreicht zu haben und nisteten uns erstmal auf einem Campingplatz ein, um zu kochen. Da ich keinen passenden Gasschlauch und eine quasi kaputte Kühlbox eingepackt hatte verwarfen wir diesen Plan wieder und gingen im fünf Minuten entfernten Beliche surfen.

In den folgenden Tagen lernten wir den Komfort eines Campingplatzes zu schätzen und entschieden uns dazu, doch nicht den ganzen Trip über wild zu campen. Außerdem unternahmen wir Ausflüge an  verschiedene Spots in der Umgebung (Beliche, Praia da Luz, Tonell etc.) und begannen unser Surflevel zu steigern. Inzwischen hatten wir beide zumindest schon ein paar Wellen vernünftig abgeritten und trauten uns am Praia da Luz an unseren ersten (an dem Tag harmlosen) Pointbreak.

Die ganze Woche über war das Wetter sehr durchwachsen. Selbst so weit südlich war der Sturm noch deutlich zu spüren, die steile Felsküste blockte jedoch das meiste ab. Als sich ein Ende des Windes abzeichnete, packten wir unsere Sachen um (nach der kurvenreichen Küstenstraße der Hinfahrt) dieses Mal über die Autobahn nach Supertubos (Peniche) zu fahren, da der Strand und die Welle einen guten Eindruck bei uns hinterlassen hatten. Dort verbrachten wir eine weitere Woche in der wir eigentlich von Morgens bis Abends surfen waren. Meist jedoch etwas abseits der Sandbank über der die Tube bricht für die der Spot so berühmt ist, da unsere Surfversuche dort meistens mit üblen Waschgängen und Bodenkontakt endeten.



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Nebenbei versuchten wir vergeblich einen passenden Gasschlauch aufzutreiben. Der Campingplatz auf dem wir standen war mit vier Euro pro Nacht der günstigste des gesamten Trips und so kamen wir wieder in den Genuss sanitärer Anlagen.

Da die Wellen von Tag zu Tag kleiner wurden machten wir uns wieder einmal sehr spontan („abhauen? Joa lass ma abhaun...“) auf, Richtung Norden um nach ca. 300 Kilometern in Figueras da Foz auf einem bewaldeten Campingplatz mitten in der Stadt unter zukommen. Von hier aus waren die zwei Spots Buarcos (eine sehr lange Rechte) und Cabedelo (ein Beachbreak) in ca. 10 Minuten zu erreichen. Was die Wellen anging waren wir mit sehr viel Glück gesegnet, denn jeden Tag hatten wir sauberen und nicht zu kleinen Swell. Am Himmel zeigte sich so gut wie nie eine Wolke und nur die Suche nach dem Gasschlauch stand weiterhin unter einem schlechten Stern was dazu führte das wir uns in einem der zahlreichen Einkaufszentren einen Elektroherd zulegten, der leider alle drei Minuten eine Sicherung rausfliegen ließ. Da wir so gut wie alleine auf dem Campingplatz standen hatten wir aber genügend Steckdosen zur Auswahl.



Nach einer Woche intensiven „Trainings“ dachten wir es sei an der Zeit für uns auf Shortboards umzusteigen, die wir in der „l'escola de surf“ in Cabedelo kauften. Da die Neos hier alle um 40% reduziert waren rüsteten wir uns auch gleich noch für wenig Geld mit neuen Anzügen aus.

In Cabedelo entstanden auch die ersten Fotos des Trips die uns beim Surfen zeigen, da man hier von der Mole aus gut fotografieren konnte. Doch auch hier blieben die Wellen nicht ewig und als sich ein Ende des Swells abzeichnete brachen wir Richtung Spanien auf, da der Norden mal wieder bessere Bedingungen versprach. Uns wurde jedoch schnell klar das es schwer werden würde die vergangenen 10 Tage zu überbieten und so stellten wir uns darauf ein unsere Ansprüche zu reduzieren. Nachdem wir schon eine Menge Spots abgeklappert hatten fuhren wir schon etwas genervt und enttäuscht Richtung Nemina da hier der starke Nordostwind offshore wehen würde.

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Am abgelegenen Praia de Nemina angekommen sahen wir ca. 15 Surfer im Wasser sitzen. Nur Wellen waren kaum zu sehen. Wir trösteten uns mit Sandwiches und der sehr schönen Aussicht auf die Bucht, deren Küste stark an Irland erinnerte.
Am nächsten Morgen paddelten wir nach dem Frühstück ins Lineup da schon wieder eine Handvoll Surfer draußen waren.

Die Wellen die von unserem Standplatz aus winzig aussahen entpuppten sich als gar nicht so klein und wir hatten eine Menge Spaß, da das Wasser extrem klar, die Wellen sauber und die anderen Surfer nett waren. Das einige Spanier es jedoch nicht gern sehen wenn man an „ihrem“ Spot surfen geht sollten wir die folgenden Tage noch feststellen.

Gerade die Bodyboarder aber auch einige Surfer klauten uns regelmäßig Wellen und so wurde der ein oder andere Bodyboarder beim Rauspaddeln umgefahren, da die zwei surfenden Personen damit beschäftigt waren sich gegenseitig aus der Welle zu brüllen. Verletzt wurde zum Glück niemand und an Land ging es friedlich bis freundschaftlich zu. Ein eingewanderter Ire erzählte uns jedoch das einige „Locals“ (keiner der Surfer wohnt hier direkt am Spot) andere Surfer dazu anspornen uns in die Wellen zu droppen.

In der Woche hatten wir den Spot allerdings oft für uns alleine und so vergangen die Tage sehr schnell. Als Abschiedsgeschenk gab es zwei richtig große Tage vor denen wir uns mit einem Abstecher zum Beginn des Johannesweges entspannten.

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Eigentlich wäre uns noch eine Woche Zeit geblieben, doch wir machten uns auf den Weg nach Hause, da die Vorhersage für die gesamte europäische Atlantikküste schlecht aussah und wir noch eine Woche nach Norderney wollten.

Alles in Allem war das echt ein richtig geiler Trip. In den fünf Wochen waren wir bis auf vier oder fünf Tage immer auf dem Wasser und haben auch eine Menge gelernt.



Auch mit den Wellen hatten wir richtig Glück, das Frühjahr ist halt ziemlich perfekt für so einen Urlaub: Wenig los und viele Wellen. Beim nächsten Mal würde ich vielleicht gleich einen passenden Gasschlauch und eine funktionierende Kühltruhe einpacken. Klar ist zumindest, ein nächstes Mal gibt es definitiv.
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