home  :::  travel  :::  Bretagne - La Palue  
Bretagne - La Palue

Endlich Osterferien! Die letzten Leistungskursklausuren waren Geschichte. Da ich seit Februar endlich alleine Autofahren darf, war ich besonders heiß auf diese Ferien, weil ich mir dachte, dass ich nun alles machen kann was ich will und mit dem Auto ziemlich mobil bin.

Als ich dann zwei Wochen vor Ferienbeginn zum ersten Mal intensiv die Wetterkarten checkte und das riesige Hoch sah, das ganz Nordeuropa zu verschlucken schien, wurde mir bewusst, dass Führerschein haben nicht heißt, dass es windig ist.

Also lief es für Leon Jamaer, mit dem ich zusammen wegfahren wollte und mich wohl doch auf Fliegen hinaus. Als wir uns quasi entschieden hatten nach Marokko zu fliegen, um dadurch dem Hoch die kalte Schulter zu zeigen, wurden die Flüge leider nicht mehr bezahlbar…

Kurz vor der Depression entdeckte Leon dann doch einen dunkelgrünen Flecken über dem Atlantik vor der Nordwestküste Frankreichs. Nachdem er mir von seinem Trip in die Bretagne von vor 5 Jahren und dem nun angesagten Swell und Wind erzählte, zögerten wir nicht mehr lange. Einziges Problem war nur noch das Fehlen eines fahrbaren Untersatzes.

Bretagne - La Palue

Unter anderem führte dies dazu, dass Leon spontan Paul Meinardus anrief und fragte, was bei ihm die Tage anliege. Keine 10 Minuten später rief er zurück und meinte, dass er einfach‘ne Woche an seine gerade geendeten Semesterferien dranhänge und wir seinen T3 für den Trip quälen könnten. Damit war der Startschuss gefallen!

Irgendwie gab es durch ein paar Umständlichkeiten jedoch einen „leichten“ Fehlstart und so waren wir statt von Paul versicherten 10 Uhr ziemlich genau 11 Stunden später um 21 Uhr auf der A7 Richtung Süden. Es schien alles perfekt zu laufen und wir machten einige Kilometer gut, bevor wir dann kurz vor der belgischen Grenze eine etwas längere „Pinkel-Pause“ einlegen musste.

Ein immer lauter werdendes Schleifgeräusch am linken Vorderrad verlangte eine fachmännische Begutachtung, die auch dringend nötig war, wie uns der KFZ-Meister versicherte, „im schlimmsten Fall verliert ihr das Rad“.

Mit neuem Radlager, leerem Portemonnaie und 2 Stunden Verzögerung konnte es endlich weitergehen…Oder auch nicht, denn nach wenigen Kilometern begann die Temperaturanzeige des Kühlwassers mal wieder nervös zu blinken.

Achja, hatten wir doch glatt vergessen, dass der gute T3 Motor auch gerne mal ein kleinen Schluck Wasser nimmt – genau genommen etwa 2 Liter auf 300km. Was solls, rein damit und weiter geht’s. Wir schafften es schließlich ohne weitere Probleme mit einer durch die Berge beeinflussten Durchschnittsgeschwindigkeit von gefühlten 40km/h nach und durch Frankreich.

60km vorm Ziel, als man die Wellen fast schon hören konnte und gedanklich anpaddelte, wurde es plötzlich dunkel auf der unbeleuteten Landstraße. Der Lichtschalter brannte durch und so mussten wir erstmal ein paar Stunden bis zum Sonnenaufgang in einem kleinen Dorf verweilen.



Bretagne - La Palue

Wir waren glücklich, als wir am nächsten Mittag fast verdurstet Crozon am westlichen Zipfel der Bretagne passierten und endlich den Atlantik erblickten. Am Strand von Palue trafen wir alte Bekannte aus dem Norden. Alexi Mykoniatis und Stefan Kruse waren schon ein seit ein paar Tagen dort, schwärmten von den Sessions, die sie schon gehabt haben und amüsierten sich über unsere Anreise.

Wir wollten auch endlich ins kühle Nass und hatten unsere erste Longboard-Session im romantisch orange-roten Abendlicht. Nachdem der Anzug ausgezogen war, schliefen wir trotz des extrem abschüssig stehenden Busses mit feuchten Träumen vom morgigen Tag ein. Der, so versprach es jedenfalls der Wetterdienst, sollte nämlich 30 Knoten Wind und 3 Meter Welle mit sich bringen.

Als ich am nächsten Morgen leicht verplant den Kopf aus dem Fenster hielt war es tatsächlich windig. Nach zwei Weizentoasts mit Ketchup wagten wir uns aus dem Bus und mussten feststellen, dass wir nicht die einzigen waren, die die Windvorhersage gecheckt haben.

Rund herum liefen hektische Surfer auf der Suche nach Neo’s, Schraubenziehern, Trapezen und sonst was durch die Gegend und wollten so schnell es geht aufs Wasser.

Ein paar Toasts später riggten auch wir das 4,7er bzw. 5,0er Segel auf und gesellten uns zu den Franzosen ins Wasser. Durch die Ebbe brachen die etwa 2 Meter großen Wellen noch recht weit draußen und da auch der Wind noch relativ weit von der 30 Knoten Marke entfernt war, mussten wir ziemlich viel Pumpen um in die Wellen rein bzw. durch den Shorebreak raus zukommen.

Einige Stunden später machte sich dann beim Mittags-Toast-Ketchup-Salami Snack die Dauer flaute der letzten Monate in Kiel bemerkbar, denn wir drei hatten mit krassen Blasen zu kämpfen, wobei es Leon am schlimmsten getroffen hatte.

Bretagne - La Palue

Leon und ich zogen uns dann doch nochmal die Gummi-Pelle über, obwohl ich zuerst nicht allzu motiviert war. Doch wie es dann so ist, Überwindung zahlt sich aus. Durch die Flut brachen die Wellen nun näher am Steinstrand und machten das rauskommen durch den Shorebreak ein wenig tricky.

Inzwischen teilten wir uns zu dritt die cleanen, in geordneten Sets reinkommenden drei Meter großen Wellen. Nach den ersten Ritten waren die blutenden Hände vergessen und wir smashten eine Welle nach der anderen bis die Sonne das Meer rot färbte. Insgesamt eine unglaublich gute Session. Das Beste war noch, dass Paul die ganze Zeit in den Dünen chillte und die Speicherkarte von Leons Kamera voll ballerte.

Die restlichen 4 Tage über verbesserten wir tagsüber unsere Surfskills und vernichteten abends unsere 5.0er Vorräte. Letzteres verursachte bei den älteren Mitreisenden leichte Kopfschmerzen und Übelkeit am Tag danach. Ein weiteres Highlight des Trips war das Ausgehen des Toastbrots.


Nachdem wir schon Gefahr liefen Ausschlag von den ca. drei Packen, die wir am Tag verzehrten, zu bekommen, freuten wir uns immer, wenn wir morgens mit unserem deutschen Akzent in der Boulangerie sagen konnten „Bonjour Madame, neuf baguettes s’il vous plaît!“

Leider kamen wir nicht mehr in den Genuss einer weiteren perfekten Windsurfsession, denn der Wind blieb aus. Auch wenn wir nur an einem Tag die Gabel in der Hand hatten, hat sich der Trip in den Westen Frankreichs mehr als gelohnt. Das Wetter war super und die Stimmung auch.

Nun folgt der Standardsatz, welcher in diesem Fall aber zu 100% wahr ist: Sobald die Windsysteme Nordeuropas wieder mal streiken, und in Frankreich Aussicht auf Welle besteht, bin ich sofort dabei! Hoffentlich auch wieder Pauls Bus…

Bretagne - La Palue