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Brasilien

„Was fällt ihnen ein, die Absperrung auf diese Art und Weise zu durchqueren? Stellen sie sich gefälligst hinten an! Laufen sie jetzt bitte schön Außen herum, und noch mal von hinten durch die Absperrung!! In ihrem Alter muss man das mit der Ordnung wohl noch lernen!!!“

Wo bin ich? Wer ist das?? Langsam kehren die Erinnerung in meinen schlaftrunkenen Kopf zurück! Das aufgeblasene grüne Männchen muss ein Zollbeamter sein!! Ich bin in Deutschland!!!

„Sorry, ich bin gerade sehr lange in Brasilien gewesen, da ist man so etwas nicht gewohnt“, murmele ich verwirrt, während ich mich auf den Weg mache, um eine Absperrung zu umrunden, in der sich gelegentlich eine Menschenschlange zu befinden scheint, auf Grund derer man die Absperrung wohl auch nur auf eine Art und Weise passieren darf…

„Ach in Brasilien, die deutsche Ordnung wird sie bald wieder einhohlen“,

meint der überlegen wirkende Zollbeamte und gibt mir mit einer unfreundlichen Geste meine Dokumente zurück.

Immer noch verwirrt steuere ich durch die großen Hallen des Frankfurter Flughafens, sehe gehetzte Menschen, kein Gruß, keine nette Geste, Eiseskälte!!!

Begonnen hat es alles im Herbst. Am 17. Oktober ging es nach Brasilien und es kam mir vor wie ein Traum. Bis zu jenem Zeitpunkt, an dem man nach langen Flug- und Fahrstunden mit viel zu viel Gepäck und viel zu wenig Schlaf ankommt, in jenem wunderbaren Dörfchen Jericoacoara.

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Doch kaum rücken die ersten Häuschen ins Blickfeld und der Fahrer sagt mit verklärten Augen: „Bemvindo a nosso pequeno paraiso““, traut man seinen Augen nicht mehr. Weißer Sand im Hinterland so weit das Auge reicht, riesige Dünen, endloses mit Schaumkronen bespicktes Meer und dazwischen ein kleines und farbenfrohes Paradies, welches das Dorf beheimatet.

Palmen, hübsche Häuschen, kleine Sandsträßchen und überall freundliche Gesichter. Hier können die größten Erwartungen nicht enttäuscht werden! Denn hier blüht das Leben!
Es bedarf hier keiner Eingewöhnung, hier fühlt man sich zu Hause!!! Schnell beginnt man Teil dieser wunderbar entspannten Atmosphäre zu werden und sämtliche Sorgen zu vergessen.


„Hallo!!!“, eines der vielen bleichen Gesichter hier scheint sich bedrängt zu fühlen.
Ich wache wieder auf aus meinen Träumen. Es ist vorbei, ich bin zurück!! Damit muss ich jetzt klar kommen!!! Ab in die deutsche Gesellschaft, in die Ordnung, in den von Sekundärtugenden geprägten Alltag.

Die Surfspots:
Der erste Tag auf dem Wasser trübt all diese Eindrücke dann ein wenig. Böig, verdammt kabbelig und voll...
„Ich konnte doch mal ein wenig surfen“ dürfte ein typischer Gedanke jedes Jeri Neulings sein. Wie an alles, gewöhnt man sich daran aber auch schneller als gedacht und nach ein paar Tagen kann man beginnen die unendlichen Möglichkeiten dieses Spots zu erforschen.



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Um dem Trubel auf dem Wasser zu entfliehen, gibt es direkt mit dem Surfbrett erreichbar drei Alternativen zum „Praya Principal“.

Bei starker Ebbe, lohnt es sich am Hauptspot zu bleiben. Der Wind ist gut, das Wasser schön flach, und die guten Surfer auch am Start. Sobald es voll wird fährt man einfach 150m weiter in Lee.

Steigt das Meer dann aber immer weiter an, macht der Hauptspot keinen Sinn mehr. Am Ufer steckt man in der Windabdeckung weiter draußen ist es verkabbelt.

Bei Flut ist die Zeit für eine Downwindfahrt zum Spot „La Duna“ gekommen. Wo die große Düne in Lee von Jeri zur mega Düse wird und den Sideoffshore Wind um einige Knoten verstärkt. Der Spot ist der Hammer zum Freestylen, aber auch die Welle läuft hier an „Big Days“ sehr schön und lässt einige Turns zu.

Die guten Bedingungen muss man dann allerdings, will man wieder zurück nach Jeri, mit einigen Amwindschlägen bezahlen.



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Ebenfalls eine Erfahrung wert ist der „Wave Spot“ in Luv, den man durch zwei Schläge nach Luv erreicht. Hier erwarten einen super raue, crazy verkabbelte Wavebedingungen. Manchen scheint es Spaß zu machen.

Ist der Wind besonderst stark, lohnt es sich einen Buggy mit Fahrer zu mieten, oder mit den dortigen Taxi Fahrern einen guten Preis aus zu handeln. Die wohl besten Ziele für einen Trip mit dem fahrbaren Untersatz sind dann die „Lagoa Azul“ oder der neue Spot „Icaraizinho“, den man nach zwei stündiger Fahrt Richtung Fortaleza erreicht.

Während ein Tag für die Lagune, an der man flaches Wasser und böigen Wind vorfindet, völlig reicht, lohnt es sich Icaraizinho in einer mehrtägigen Reise zu erleben. Kommt man in Icaraizinho an, findet man ein wunderbares Dörfchen vor, welches der konsumierende Westen weitestgehend verschont zu haben scheint.

Keine Einkaufsmeilen, keine „Barstreet“, keine „Nightclubs“ niemand, der daran denkt mit den Touristen Geld verdienen zu können. Icaraizinho ist ein Ort der Ruhe. Es gibt eine Handvoll kleiner Pousadas, welche teils urig, nur aus Strandgut, Palmen und Bambus zusammengeflickt wurden.

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Und es gibt nur ein Restaurant, in dem man anderes als direkt vor Ort Gefischtes bekommt.
Das Beste: Der Surfspot ist genial! Ein riesiges Riff erzeugt einen großen Flachwasserpool, in welchem sich Freestyler und Anfänger wie zu Hause fühlen. Vor dem Riff gibt es dann eine nette Welle.

Zwei kleine Surfschulen bieten hier Leihmaterial an. Bereist man Jeri für mehr als vier Wochen, sollte man sich einen mehrtägigen Ausflug nach Icarazinhio nicht entgehen lassen!!

Da wir alles außer Geld besitzen, galt es die drei Monate preiswert zu verbringen. Unsere Tipps den Aufenthalt in Jeri und Icaraizinho günstig zu verbringen, möchten wir euch nicht vorenthalten.

Am meisten Geld lässt sich wohl bei der Unterkunft sparen. Über Internet lässt sich in Jeri nur „Pousada Isabell“ richtig günstig buchen. Das Pousada direkt am Meer ist sehr einfach gemacht. Mit acht vierbett Zimmern ausgestattet, welche jeweils 60 Reals kosten, punktet dieses Pousada mit dem günstigsten Preis, einer super Lage und inklusive Materiallagerung.

Frühstück ist dabei, und wir konnten uns die Erlaubnis einhohlen in der Küche zu kochen.
Hiermit wären wir beim zweiten Punkt: Wer selbst kocht spart verdammt viel Geld. So kann man sich ein vollwertiges Abendessen für vier Personen für locker 15 Reals finanzieren. Essen gehen kostet mindestens das Vierfache.

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Vor Ort kann man sich dann auch ganze Häuschen zum Spottpreis von 500 Reals pro Monat mieten. Zu finden sind diese Häuschen immer hinter den Worten „Aluga: Se Casa“, welche einfach auf die Hauswände geschrieben werden… Hier hat man dann auch immer eine eigene Küche.

In Icarazinhio gibt es ein preiswertes Pousada und Restaurant namens „Acaraí“. Das ganze Gebäude gleicht eher einer großen Hütte, gebaut nur aus Bambus und Palmen. Hier vermietet eine große Familie vier Zimmer. Dazu gibt es jeden Morgen Frühstück und abends kann man dort „alles aus dem Meer“ essen.

Nachts schläft die ganze Familie um die luftigen Zimmer herum in Hängematten. Abschließen kann man nicht und auch die eine oder andere beißende Ameise verirrt sich ins Bett. Doch die Familie ist sehr lieb, man kann vollstes Vertrauen haben und das Haus liegt wunderbar direkt am Strand, sodass bei Flut das Wasser bis unter die Balkone schlägt.

Alles in allem, hat man die Möglichkeit Brasilien für sehr wenig Geld zu bereisen und es dabei umso intensiver und authentischer zu erleben. Wir nutzten diese Möglichkeit, so dass wir bei erscheinen des Artikels erfüllt von wunderbaren Erinnerungen, dem Irrsinn des deutschen Alltages schon wieder entflohen sind.

Vielen Dank an meine Mitreisenden Anna und Jo, für Fotos, Videos und sonstigen Support.

Kamoana (www.kamoana.de), F2 (www.f2.com) und der Surfstation aspc (www.alacati.de), danke ich für ihre großzügige Unterstützung.

Adrian Beholz (G888)

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