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Tiree
Next time you come to Tiree, I will bring you fresh lobster, ma ha!

Soweit die nur noch genuschelten Worte des Fischers, dessen Inhalt zu gleichen Teilen durch den schottische Akzent, durch die gälischen Worte, als auch durch die Wirkung des Alkohols nicht unbedingt einfach verständlich waren... aber irgendwie versteht man sich.

Speziell in einem der beiden Pubs auf Tiree, einer kleine Insel der Hebriden, wo wir an unserem letzten Abend die vergangenen zwei Wochen noch einmal Revue passieren ließen...

Nach Tiree zu kommen war allerdings eine echte Mission, wie wir noch feststellen mussten, nachdem sich dieses Ziel durch mehrere Berichte über das alljährliche Tiree Wave Classic auf britischen Internetseiten in unseren Köpfen festgesetzt hatte.

Zu verlockend waren die Bilder und Schilderungen von den einsamen Wellen - zudem die geografischen Lage, die neben den angeblich meisten Sonnenstunden auf den britischen Inseln auch reichlich Wind und Swell garantieren sollte.
Tiree
Ähnlich gedacht hatten wohl die Veranstalter der PWA, die das Saisonfinale des 2007er Wave Worldcups kurzerhand Anfang Oktober auf die Insel verlegten. Umso besser, dachten wir uns, denn nun war unser Plan, direkt nach dem Worldcup Finale auf die Insel zu kommen.

Denn, wie jeder weiß, sind direkt vor und nach jedem Wettkampf Wind und Wellen in ausreichender Menge da, während eines Contests dagegen schwächelt es meist...

Und so wuchs unsere Vorfreude in den Tagen vor dem Abflug aus zweierlei Gründen stetig an. Zum einen konnten wir jeden Tag aktuelle Bilder und Videoclips von Tiree im Internet finden, zum anderen ging unser Plan in Phase 1 schon mal auf - der Wind schwächelte während des Worldcups und die Nerven der Contestfahrer wurden strapaziert.

Das wurden dann allerdings auch unsere Nerven, angesichts des bevorstehenden Check Ins und den sich auftürmenden Gepäck- und Materialbergen von vier Surfern. Allerdings machten wir uns völlig grundlos Sorgen, denn während andere Fluggesellschaften zur Zeit dabei sind, Surfmaterial völlig vom Transport auszuschließen, erwies sich Ryanair als geradezu erschreckend unkompliziert.

Und so fanden wir uns nur 3h später mit unserem Materialberg in Glasgow wieder, womit aber nur Stufe 1 der Anreise bewältigt war.

Stufe 2 war die Fahrt durch die - eigentlich völlig untypisch sonnigen - schottischen Highlands entlang des Loch Lomonds zur kleinen Hafenstadt Oban, von wo die Fähre ablegen sollte. Die Fähre, auf der wir einen Platz reserviert hatten, aber kurz vor Abflug just diese Reservierungsbestätigung nicht mehr finden konnten...


Tiree
Es fand sich mit angeklappten Seitenspiegeln dann doch noch ein Platz auf der Fähre im Morgengrauen, nachdem wir uns mit dem Fährpersonal auf ein oder zwei Bier im örtlichen Pub verabredet hatten, um die Tücken des Buchungssystem noch einmal näher zu erörtern.

Bei - planmäßiger - Windstille und ruhigem Wasser konnten wir bei der Überfahrt den Schlaf der vergangenen Nacht nachholen, bis schließlich Tiree als kleiner Fleck am Horizont auftauchte - um dann allerdings auch nicht wesentlich größer zu werden, bis wir anlegten.

Nachdem Flo während der Fahrt durch die kurvenreichen Highlands schon für einige Schrecksekunden gesorgt hatte, konnte man sich auf Tiree relativ entspannt zurücklehnen, denn nur einspurige Strassen ließen einen den Linksverkehr beinahe vergessen.

Jeglicher Versuch, einheimischem Gegenverkehr zuvorkommend in eine der Haltebuchten auszuweichen, wurde von den mehr als freundlichen und entspannten Locals im Keim erstickt - und so stellte sich schnell Inselfeeling ein, bei dem Hektik ein Fremdwort ist.
Tiree
Auch der nicht gerade stürmische Wind lag noch völlig im Plan, denn es war der letzte Tag des PWA Contest, bei dem die Fahrer bei marginaler Luftbewegung rausdümpelten, um dann noch eine Welle zu erwischen.

So beendete dann auch - gemäß unserem Plan und getreu der Erfahrung - die Dunkelheit den Wettkampf, ohne dass die letzten 16 Plätze ausgefahren werden konnten. Keauli Seadi wurde Weltmeister in der Welle, der Worldcup-Troß packte zusammen und die PWA-Fahrer verließen die kleine schottische Insel, ohne deren volles Windsurf-Potential kennen gelernt zu haben...

Wir dagegen sollten mehr Glück haben, auch wenn Klaus zunächst partout darauf bestand, dass ein Trip nach Südfrankreich wegen der dort zu findenden perfekten Bedingungen (und vermutlich auch wegen des Rotweins) ohnehin die bessere Wahl gewesen wäre. Allerdings wurden seine Einwände dieser Art im Laufe der Zeit immer seltener.

Denn während quasi ganz Europa (inklusive Südfrankreich) unter herbstuntypischer Flaute litt, war der Wind auf Tiree zumindest ausreichend für die großen Waveboards und Segel. Und das bei kaum zu erwartendem Sonnenschein, milden Temperaturen und beinahe menschenleeren Stränden!

Und spätestens nachdem Yannick stellvertretend für das Team ein Windopfer gebracht und es zu ersten Verbrüderungsszenen im Pub gekommen war, konnte man bei beständig zunehmender Wellenhöhe bis zu Sonnenuntergang die Wellen nur mit wenigen anderen Surfern teilen.

Insbesondere Yannick zeigte, dass ihn weder Windopfer noch Schmerzen davon abhielten, ziemlich gnadenlos immer in den Teil der Welle zu halten, die am heftigsten brach... wobei wir manchmal davon profitierten, dass die Strände nach Klaus Worten über eine 'geeignete Auslaufzone' verfügten und so ein Anlanden nach besonders gelungenen Abgängen möglich war.

Tiree
So entwickelte sich in den nächsten Tagen eine gewisse Routine, sei es bei der morgendlichen Inselrundfahrt zwecks Spotchecks oder des Ausgrabens des festgefahrenen Vans am Strand.

Alternative Highlights waren die Besichtigung der örtlichen Sehenswürdigkeiten, etwa des sagenhaften 'Ringing Stones' der inmitten von im wahrsten Sinne des Wortes beschi..... Kuhweiden liegt und darauf wartet geklopft zu werden, oder der Umsatzsteigerung des einzigen lokalen Fish & Chips Shops, der unseren Besuch und das daraus resultierende Einkommen scheinbar zum Anlass nahm, für den Rest des Jahres den Laden zu schließen.

Bei dieser Gelegenheit sei allen, die es einmal auf die Insel verschlagen sollte, ein Studium des örtlichen Friedhofs ans Herz gelegt. Die geringe Auswahl an Familiennamen zeigt deutlich, das Tiree noch nicht seit allzu langer Zeit in den Fährplan aufgenommen wurde...

Wir konnten es vermeiden, den verwitterten Grabkreuzen einen neuen Namen hinzuzufügen, auch wenn die Liste der Blessuren bei beinahe konstanten Wind und Wellen langsam länger wurde - in etwa im gleichen Ausmaß, wie auch das zerstörte Material langsam mehr wurde.
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Die blauen Flecken sind inzwischen wieder verblichen, was bleibt ist die Erinnerung an einen genialen Trip auf ein abgelegenes Eiland mit fabelhaften Wind- und Wellenbedingungen, für die, die bereit sind, sich auf den etwas umständlichen Weg zu machen.

Und das Versprechen, das wir am letzten Abend im Pub gegeben haben:

Ma ha (gälisch: My friend!)
Spotinfos Tiree

Anreise

Meist erst einmal mit dem Flieger nach Glasgow, etwa mit Ryan Air oder Air Berlin. Die Insel wird nur mit kleinen Maschinen von England aus angeflogen, damit ist ein Materialtransport nicht möglich. Bei Anreise über Glasgow Airport ist daher ein Mietwagen notwendig, meist sind Vans am günstigsten zum Materialtransport, wir empfehlen: www.thrifty.com

Die Fähren gehen ab Oban, Fahrzeit 4h, Termine (ab Herbst nur noch unregelmäßig) und Tarife finden sich unter: www.calmac.co.uk

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Unterkunft
Am günstigsten ist es, ein kleines Haus anzumieten. Eine Auswahl in unterschiedlichen Größen und Preisklassen findet man unter: www.scotland-inverness.co.uk/tiree.htm 

Spots
Gemessen an der Fläche dürfte Tiree in Punkto Anzahl und Qualität der Spots ganz weit vorne liegen, beinahe bei jeder Windrichtung findet sich der passende Strand und durch die Lage fängt die Insel fast immer Swell.

(1) The Maze
Einziges Manko dieses Strandes ist die Anfahrt. Keine der verschiedenen Möglichkeiten ist besonders einfach. Abgesehen davon gibt es von uns 5 Sterne in jeder Kategorie - schöne Wellen die sich während Ebbe und Flut innerhalb kurzer Zeit gewaltig ändern können, sehr schöne Kulisse, kaum Strömung, Felsen an beiden Seiten. Während Ballevullin eine sehr spezielle Windrichtung braucht, um zu funktionieren, kann The Maze in einem recht großen Windfenster gefahren werden (Side-On bis Side-Off von links). Entsprechend ändert der Spot jeden Tag ein bisschen sein Gesicht, ist aber immer gut und eine Windsurfsession wert!

(2) Balevullin
In einem Spotguide wird Ballevullin als sexiest beach beschrieben; wenn man sehr schnelle hohlbrechende und kraftvolle Wellen als sexy empfindet ist dies definitiv zutreffend. Sicher ist der Spot kein Break für Einsteiger, da die Wellen in der sehr kleinen mit Felsen eingerahmten Bucht richtig Kraft haben und der Wind durch die hohen Ufer relativ böig ist. Auch bei kleinem Swell sollte man sich bei schwierigen Side-Off-Bedingungen seiner Sache schon recht sicher sein.

(3) Crossapole
Der lange Sandstrand bietet in der Regel bei SW gemäßigte Wellen und teilweise auch echte Freeride-Bedingungen bei Wind von rechts. Bei kleinem Swell ist der Spot grandios für Wave-Einsteiger und zum Üben und Lernen neuer Manöver. Fiese Steine oder ähnliches gibt es hier nicht. Gerüchteweise kann der Spot aber bei großem Swell auch allerfeinste Down-the-Line-Bedingungen liefern. Da der Spot bei normalen Bedingungen recht einfach zu fahren ist, kann es einem in Crossapole auch mal passieren, dass man mehr als 10 Leute gleichzeitig auf dem Wasser antrifft…

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(4) Gott Bay
Die große halboffene Bucht bietet in der Regel Freeride/Freestyle Bedingungen mit sandigem Untergrund und viel Rasenfläche an allen Seiten zum Aufbauen. Eng wird es hier selten, so dass sich die Bucht auch optimal für Kite-Lehrlinge und Windsurfanfänger anbietet. Am Tiree Lodge Hotel gibt es auch einen kleinen, aber recht ordentlich sortierten Windsurfshop mit Verleih.

(5) Ballephuil
Die Bucht funktioniert besonders bei nordwestlichen Windrichtungen sehr gut und produziert dann exzellente Side-Off-Bedingungen mit Wind von rechts.

Der Wind muss allerdings nördlich genug kommen, da er sonst durch den Berg auf der nördlichen Seite der Bucht verwirbelt und böig wird. Die Anfahrt erfolgt von der südlichen Seite über einen kleinen Feldweg.

(6) The Loch
Auf dem kleinen See finden vor allem Anfänger und Freestyler eine gute Alternative, besonders da nahezu jede Windrichtung funktionieren dürfte. Eine kleine Surfschule bietet alles, was das Anfängerherz sich wünscht.

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