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Tarifa & Getares

Worldcupperin Yoli de Brendt machte mit ihrem Mann Tom eine Reise nach Südspanien. Dabei wurde auch das Geheimnis um den neuen Spot Getares gelüftet.
Ein Bericht von Tom Brendt

Auf die Frage wie häufig ich bereits in den Süden Spaniens nach Tarifa gereist bin, konnte ich nur mit den Achseln zucken. Was mich immer noch an Tarifa interessiere, für diese Antwort hätte die gut zweistündige Fahrt vom Flughafen Malaga bis in die Wind – und Kitesurf Metropole an der Straße von Gibraltar kaum gereicht.

Unzählige Trips mit Dauerbelüftung, bei welchen ich mehr als einmal mit dem unglaublich starken Levante kämpfen durfte wie ein Torero mit seinem gehörnten Widersacher, hatte ich hinter mir, ebenso wie einige Aufenthalte ohne Luftbewegung.

Gedanken für Alternativprogramme konnte ich mir somit auch bereits genügend machen. Nach einem recht windlosen Aufenthalt im Frühjahr am südlichsten Punkt Kontinental Europas, wollte ich diesmal endlich wieder mit dem teils schwer zähmbaren Levante übers Wasser vor den Buchten und Stränden vor Tarifa, Bolonia oder Canos de Meca fliegen.

Allzu große Hoffnung auf Wellen konnte ich mir kaum machen, die größeren Swells treffen meist erst im Spätherbst und Winter auf die ewig langen Sandstrände zwischen Tarifa und Cadiz, aber die Tatsache das ich erneut pünktlich zum historischen Volksfest, der jährlichen Feria, in Tarifa sein würde, schürte die Hoffnung auf Levante, denn schon fast traditionell feuert der starke Ostwind während der Fe ria aus allen Rohren.

Tarifa & Getares

Diesmal konnten die 500 Reiter in historischen Trachten, welche ihre Pferde am Eröffnungstag der Feria in die Stadt reiten, auf spezielle Befestigungsvorrichtungen für ihre Hüte verzichten. Nicht das leiseste Lüftchen wehte durch die Straßen und Gassen Tarifas. Auch wenn wir die unzähligen Mountainbike Strecken rund um die Naturparks im Hinterland Tarifas bereits kannten, das komplette Kulturprogramm von historischen Ausgrabungen bis hin zu weltberühmten Stierkampfarenen und Flamenco Shows ebenfalls bereits durch hatten, und den Affenfelsen in Gibraltar schon mehr als genügend gesehen hatten, würde es auch diesmal nicht langweilig werden.

Während etliche hundert Kitesurfer beim vorherrschenden Westwind Poniente ihre Schirme starteten, und sich durch heftiges Kurvenfliegen ihren Wind auch noch selber erzeugten und wir das ein oder andere Mal nach einer sehr müßigen Poniente Session an den Strand trotteten, um dann auf die angeblich tollen Poniente Spots entlang der Mittelmeerküste aufmerksam gemacht zu werden, beschlossen wir uns dieses Mal selbst von der Güte dieser Spots zu überzeugen.



Tarifa & Getares

Auch wenn der Wind bei unserer Ankunft an den Spots in Sotogrande bis hin zu den Stadtstränden Malagas schwächelte, konnten wir das Potential der meisten Spots erkennen. Saubere, wenn auch noch relativ kleine, Wellen liefen an die Küsten und sollte der Poniente doch noch ein paar Knoten schneller eintreffen, kann man sicher ein paar sehr nette Sessions bei Sideshore bis Sideoffshore Wind von rechts geniessen.

Etwas enttäuscht aufgrund der mageren Windausbeute wurden wir auf unserem Heimweg doch noch überrascht, als wir am letzten Kreisverkehr in Algeciras nicht Richtung Tarifa sondern eine Abfahrt weiter zum Strand von Getares abbogen. In Getares selbst waren wir bereits bei Poniente und leichtem Wind auf dem Wasser. In den letzten Tagen hörten wir aber mehrmals von einem Geheimspot am Leuchtturm entlang der Felsküste zwischen Algeciras und Tarifa.

 


Als wir die Bucht von Getares passiert hatten, führte uns der Weg entlang zahlloser Ruinen, welchen man ansehen konnte, das sie einen wahrscheinlich mehr als 100 Jahre andauernden Kampf mit den Naturgewalten des Meeres hinter sich hatten, welchen sie schlußendlich nur verlieren konnten. Zahlreiche Hinweisschilder, welche vor den brüchigen Straßenkanten warnten, machten die Fahrt entlang der Serpentinenstraße zum Punta Carnero, dem Felsvorsprung des Schlachthofs sozusagen, zwar nicht gerade angenehmer, dafür wurden wir mit einem atemberaubenden Ausblick auf Gibraltar und die Bucht von Algeciras belohnt.

Vorbei am neuen Leuchtturm der Bucht von Getares, kamen wir nach etlichen weiteren Spitzkehren in die private Urbanizacion Getares. Eine geheimnisvoll anmutende Bucht, mit unzähligen Villen auf den Felsvorsprüngen und Blick auf Segelboote, welche sich durch die Brandung kämpften. Tatsächlich liefen gute zwei Meter Wellen über die unzähligen Felsen sauber an die Steinküste. Die Gischt der Wasserberge wurde von einem Wind mit sicherlich über 20 Knoten weggefegt.

Tarifa & Getares

Während in der gesamten Umgebung Flaute vorherrschte, bewies sich dieser Geheimtipp als wahr. Allerdings konnte ich keinen Platz ausfindig machen, der uns das Wassern der Boards ermöglichen könnte. Zu groß waren die Felsen und Felsplatten im Wasser. Erst unterhalb des alten Leuchtturms am Ende der großen Bucht und unzählige Kurven weiter gelangt man an einen kleinen Sandstrand, von welchem man fast problemlos ins Wasser gelangt. Die Entlohnung für alle Mühen folgt auf dem Wasser. Konstanter Wind und saubere Wellen zaubern sicherlich jedem ein Lächeln ins Gesicht.

Während in Tarifa die Kitesurfer ihre Riesenschirme in gewaltige Sinuskurven steuerten, um überhaupt in Fahrt zu kommen, begrüßten uns einige abgekämpfte Windsurfer, welche Rittern nach einer gewaltigen Schlacht, mit 5,0er Segeln als Waffen, glichen und welche bereits seit Stunden über die Wellen geflogen waren. Eine echte Poniente Alternative wäre somit wohl gefunden. Auf dem Rückweg fielen uns erstmals die Reihenhaussiedlungen der Hafenstadt Algeciras auf, wie Perlen auf einer scheinbar endlosen Kette wirkten die perfekten und von mir bisher noch nie in diesem Ausmaß gesehenen Häuschen.

Leider stellte der Poniente in den Folgetagen seine Arbeit komplett ein, ähnlich der Tarifeños, welche während der Feria Zeit ebenfalls keine Hand rühren, es sei denn in einem der etlichen Partyzelte.



Für uns war es jetzt an der Zeit zum relaxen, gemütliches Frühstück in einem der unzähligen Straßencafés, jedes völlig unterschiedlich, aber alle mit tollem Ambiente, gefolgt vom Besuch einiger Neuer Shops, wie dem WET Shop der Kite Legende Jaime Herraiz und Top Windsurfer Eduardo Bellini im neuen Poligono von Tarifa, oder dem neuen Windsurfcenter von Fabrice in Bolonia.

Pünktlich zu unserem Abreisetag flackerte eine Levante Periode in der Windvorhersage über den Bildschirm. Glücklicherweise konnten wir unseren Heimflug ein paar Tage verschieben, auch wenn die Vorhersage zwar starken Wind anzeigte, die Windrichtung aber keine perfekten Tage auf dem Wasser versprach. Nach langer Zeit führte unser Weg endlich wieder an unseren Lieblingsspot entlang der Küste, nach Bolonia und wir sollten Glück haben. Während an den meisten anderen Spots der Levante erst weit vor der Küste aufs Wasser traf, konnten wir wenigstens an zwei Tagen für mehrere Stunden ausgiebig an neuen Moves feilen. Ungewöhnlich war bei Levante die 5,0er und 4,2er Segel auf die Masten zu ziehen.

An normalen Levante Tagen wäre an diese Segelgrößen nicht zu denken. Nach zwei Tagen war diese Mini Windperiode auch schon wieder vorbei und uns blieb nur noch eine kurze Session am Playa de los Lances, direkt vor der Halbinsel Las Palomas in Tarifa. Nicht unbedingt mit einem begeisterndem Gefühl aber trotzdem mit der Gewissheit wieder nach Tarifa zurückzukehren, kam dann doch der Tag der Abreise, welcher uns diesmal nicht so schwer fiel wie bei etlichen Malen zuvor. Der Gedanke an gute und extreme Windtage führt uns aber eines Tages sicherlich wieder an den Südzipfel Europas.

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