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Sotavento - Fuerte Süd
Alexander ist ein ganz normaler Surfer wie die meisten von uns. Viel Boardzeit im Urlaub und daheim oft auf Entzug.

Wie man als Windsurfer ohne Wind über die Runden kommt und warum Windsurfen trotzdem der geilste Sport bleibt, erfahrt ihr in dieser Story, die euch gleichzeitig Alexanders Top Spot Sotavento vorstellt.

Einen Reisebericht über Fuerte Süd schreiben? Wie langweilig, kennt doch eh jeder! Und überhaupt - wer geht heute schon noch Windsurfen? Eine ganze Reihe alter Surfer sind zum Kiten gewechselt, wahrscheinlich um noch einmal den Kick des Neuen zu erleben. Die Jüngeren wollen alle ‚richtig' Surfen lernen und stürzen sich mit Wellenreitern in die Fluten.

Viele neue Sportarten kommen in Mode und ist ein Trend erstmal kreiert, dann wird er von der Sportartikelindustrie gezielt gepusht und alle rennen wie die Lemminge hinterher. Letztendlich war es beim Windsurfen vor 20-30 Jahren auch nicht anders.

'Time on board' ist das, was aus meiner Sicht zählt, um Spaß zu haben, gut zu werden bzw. im Training zu bleiben. Ausschlaggebend ist natürlich auch, welche Spo(r)t-Möglichkeiten vor der eigenen Haustür vorhanden sind. Nach meinem Geschmack darf sich auch ruhig mal die gefrorene Variante von Wasser unter dem Board befinden.
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So verbringe ich über das Jahr hinweg viele Wochen auf Brettern: beim Windsurfen, Wakeboarden, Snowboarden, Skilaufen und gelegentlich beim Wellenreiten. Dennoch gehe auch ich natürlich einem ganz normalen Beruf nach, der sogar zumeist viel Einsatz und Zeit fordert, aber den kleinen Feierabendsurf lasse ich mir nicht entgehen, vorausgesetzt es hat Wind. Auch den Spaß am Wasserskilift als Ersatzdroge lasse ich mir nicht entgehen.

Der gegenseitige Input, den man aus den verschiedenen Brettsportarten bezieht, ist nicht zu unterschätzen. Ich kann nur jedem fanatischem Brettartisten raten: Scheuklappen runter, geht so oft als möglich auf's Brett und ihr werdet bei allem besser und habt öfter Spaß!

Mein persönlicher Favorit ist und bleibt aber das Windsurfen, am liebsten in der Welle. Einen Vorteil hat es hier gegenüber dem reinen Wellenreiten, man spart sich das lästige Paddeln. Hat es genügend Wind kann man beim Rausfahren springen und beim Reinfahren viele Wellen abreiten! Aber auch im Flachwasser kann man reichlich Spaß haben.

Genug philosophiert über die verschiedenen Brettsportarten, hier kommt ein Report zu meinem Top Spot Sotavento auf Fuerteventura, der gerade zu Pfingsten ein ideales Reiseziel darstellt und für mich nach den ersten frostigen Sessions am See beim Wakeboarden und Surfen die jährliche Sommerurlaubszeit einläutet.


Sotavento - Fuerte Süd

Diesmal steige ich um 4:00 Uhr morgens ab Hannover in den Flieger, so kann man bereits am Mittag auf dem Wasser sein. Die Müdigkeit der kurzen Nacht hat man spätestens nach der ersten Wasserung abgestreift und Schlafstörungen wird es in der folgenden Nacht ganz bestimmt nicht geben.

Wo aber liegt der Reiz, immer wieder als ‚Wiederholungstäter' in den Süden Fuerteventuras an die Playa de Sotavento zu kommen? Für einen fanatischen Windsurfer ist das eigentlich recht einfach zu beantworten. Zunächst einmal der Wind, denn um Pfingsten herum gibt es kaum einen Spot mit so guter Erreichbarkeit, der auf der Windstatistik bessere Werte vorzuweisen hat.

Dazu kommen kurze 4,5 Flugstunden - praktisch täglich von vielen deutschen Flughäfen, so dass man meist auch den An- oder Abreisetag zum Surfen ausnutzen kann.

Der Küstenabschnitt bietet reichlich Platz, mit eigenem Material muss man nicht im abgesteckten Surfgebiet der Center bleiben und kann die ganze Weite der Playa de Sotavento oder auch der nördlich gelegenen Costa Calma genießen.

Dem Naturschutz sei Dank, ist das Hotel Melia Gorriones weiterhin das einzige direkt am Spot, so dass der Wind relativ ungestört die sandigen Hügel hinabwehen kann. Nach der Grundsanierung vor einigen Jahren hat das Hotel stark an Ambiente und Qualität zugelegt. Die Eingangshalle mit den Chill out Ecken der Bar und der gleichartig gestylten Terrasse ist wirklich sehr ansprechend gestaltet. Das Essen ist nach wie vor keine Gourmetküche, aber guter Standard. Fisch, Fleisch und Pasta kann man sich immer frisch zubereiten lassen und leere Auslagen sind auch während der Rush Hour nicht zu entdecken.
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Am meisten reizt aber die geniale Lage des Hotels, bei Zimmern mit Meerblick - insbesondere nach Süden - der unverbaute Blick auf die Lagune und der schön angelegte Garten.

Das abendliche Unterhaltungsprogramm nimmt man lieber an der Costa Calma oder in Jandia wahr - auch wenn das Angebot in Fuertes Süden eher beschränkt ist. Anreise am besten per günstigem Taxi, da Kontrollen relativ häufig sind. In der Fuerte Action Bar ist immer was los und ab Mitternacht geht es dann in's Catas - zumindest Donnerstags und an den Wochenenden.

Aber eigentlich kommt man ja wegen des Windsurfens nach Fuerte. Beeindruckend ist die Windstatistk. Im Mai und Juni liegt diese bei 70% - 90% mit 4 und mehr Beaufort - meine Erfahrung bestätigt das.

Mit 75kg Kampfgewicht geht mit 78er und 98er Wave Freestyleboard plus einer Segelpalette bestehend aus 4.1er, 4.7er, 5.3er und 5.8er praktisch immer was.
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Sotavento ist darüber hinaus nicht ausschließlich der Flachwasserspot, als der er oft eingestuft wird. Gerade im Mai und Juni läuft an manchen Tagen bei aufkommender Flut ein bis zu 1,5m hoher Beachbreak, der zusammen mit der genialen side-off Windrichtung auf einigen Wellen sogar mehrere Turns zulässt.

Insbesondere in Lee des abgesteckten Surf-/Kitegebietes laufen dann die Wellen besonders schön und man kann das dann ganz stressfrei und zumeist auch alleine genießen. Gerade um diese Jahreszeit sind solche Tage gar nicht so selten.

Insbesondere noch nicht ganz sattelfeste Waverider können hier gefahrlos trainieren und sich das Gefühl für Welle holen, da selbst 1,5 Meter hohe Wellen hier sehr harmlos brechen und es nie schwierig wird, gegen die Wellen rauszusurfen.

Im Bereich des Pro Center II an der etwas weiter südlich gelegenen Düne können die Wellen sogar in richtig schönen Lines laufen, dazwischen glattes Wasser - ideale Bedingungen, um beim Raussurfen richtig hoch zu springen und beim Reinsurfen lange Ritte zu genießen. Vor einigen Jahren hatte ich das Glück einen solchen Tag zu erwischen. Das bleibt unvergesslich!

Dreht der NO-Passat auf N und ballert es dabei so richtig, dann kommt die legendäre Speedpiste von Fuerte in Höchstform.

Im letzten Jahr habe ich leicht überpowert, mit meinem 4,1er Wavesegel und einem 78er Wave/Freestyleboard meinen (gefühlten) persönlichen Geschwindigkeitsrekord bei spiegelglattem Wasser in Ufernähe aufgestellt. Ich war erstaunt wie gnadenlos schnell man selbst mit diesem Material über die Speedpiste ballern kann und dabei einen Höllenspaß hat.

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Nach 2 Kilometern leitet man die Halse ein und kann dann aufgrund der besondern Windablenkung an der Playa Barca, in einem Schlag hart am Wind die gesamte verlorene Höhe wieder aufkreuzen und danach zum nächsten 'Höllenritt' starten. Für Speedfreaks ist das eine echte Empfehlung!

Eines sollte man jedoch beachten: Haltet die Augen auf nach den wenigen Schwimmern auf der Speedstrecke! Erholungsuchende Rentner nehmen in der Einsamkeit gerne ein Bad und freuen sich über einen ausreichend großen Abstand zu windgetriebenen Geschossen.

Ein echtes Highlight am Sotavento Beach ist der professionelle Fotodienst von Roger Protzen, der seit 3 Jahren am Spot lebt, selbst begeistert surft und seine Fotografendienste allen Surfern gegen Bares anbietet. Roger, ein sehr sympathischer und entspannter Mensch, hat Deutschland vor drei Jahren den Rücken gekehrt und betreibt seitdem am Pro Center I seinen Fotoservice.

Man kann den Fotografen entweder für eine bestimmte Zeit exklusiv mieten oder muss Roger im Laufe des Tages, wenn er mit seiner Kamera am Strand ist, oft genug vor die Linse fahren und dabei das persönliche Lieblingsmanöver zelebrieren.

Mit digitaler SLR und Superteleobjektiv vom Strand aus, bzw. mit kurzer Brennweite und wasserdichter Verpackung auf seiner 'Rettungsinsel' schwimmend, entstehen so Fotos, die auch den ‚Otto Normal Surfer' richtig gut aussehen lassen.

Neben der professionellen Ausrüstung hat Roger natürlich auch das geschulte fotografische Auge und weiß als guter Surfer selbst sehr genau, wann der richtige Moment zum 'Abdrücken' gekommen ist. Braucht Roger dann mal eine Pause vom Sandstrahlen bzw. ist die Speicherkarte voll, geht es an die Strandbar.

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Hier hat er sein Büro mit PC und großem Flatscreen Monitor an der Wand, so dass die aktuellen Bilder sofort hochgeladen und als Diashow gezeigt werden können. So kann sich jeder gleich seine Bilder raussuchen und bestellen.

Alternativ legt Roger für jeden, der seine Bilder des ganzen Urlaubes sammeln möchte, einen Order im PC an, dann kann man am Ende die Auswahl treffen und sich eine CD brennen lassen. Alle Bilder werden darüber hinaus für 2-3 Monate unter www.spot-shot.com ins Internet gestellt, so dass man sie auch zu Hause noch in Ruhe anschauen und auf Wunsch bestellen kann, Lieferung erfolgt per eMail oder CD.

Was macht man, wenn der Wind mal ausbleibt oder die müden Knochen eine Pause brauchen?!

Für die, die noch Kraft haben, liegt gerade einmal ca. 5 km entfernt auf der anderen Seite der Insel der Wellenreitspot La Pared. Hie läuft fast immer eine Welle. Vier Wellenreitschulen haben sich dort inzwischen angesiedelt. Man kann sich von den Schulen im Shuttlebus abholen lassen oder die kurze Fahrt mit dem eigenen Mietwagen antreten.

Wer die Insel noch nicht kennt, sollte auf jeden Fall zwei bis drei Tage für Sightseeing einplanen, z.B. einen Tag der Süden, einen Tag der Norden. Sehenswert sind Punta de Jandia, Cofete, Betancuria, ein paar Fischerorte wie Cotillo und die Strände von Corralejo.
Die Insel ist zwar spärlich bewachsen, aber gerade diese bizarre Kargheit hat durchaus auch ihre Reize und ist zum Teil sehr fotogen.

Für Familien mit Kindern dürfte der Oasis-Park eine willkommene Abwechslung sein, ein botanischer Garten und Vogelpark, von dem aus auch Kamelsafaris starten.

Auch wenn es 'Bewegungsjunkies' meistens schwer fällt, kann man zwischendurch auch einfach mal 'richtig Urlaub machen', am Surfcenter oder im Hotel auf der Liege abhängen, ein wenig Surferlatein an der Beachbar anhören oder selbst dazu beitragen. Man trifft hier eigentlich zumeist ganz nette Zeitgenossen und Gleichgesinnte.

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Auch wenn das Essen im Hotel inklusive ist, sollte man sich dennoch einen Besuch im Fischrestaurant, das über den Felsen von La Pared thront, nicht entgehen zu lassen. Angestiftet von meinem Reiseleiter Mattias haben wir dort einen sehr schönen Abend in geselliger Runde bei gutem Wein verbracht. Die angenehme Art, mit der Mattias sich um 'seine' Gäste kümmert, ist wirklich bemerkenswert.

Nach 19 Tagen ging's dann wieder nach Hause, diesmal mit 16 für Fuerte eher moderaten Windtagen für 4.7er, 5.3er und 5.8er Segel im Gepäck - unterm Strich eine ganz ordentliche Statistik. Zu Hause werden es auch während der Saison wohl nur drei bis vier Tage pro Monat werden, aber zum Glück gibt es ja noch die Ersatzdroge Wakeboarden, womit wir wieder am Anfang wären.

Was zählt, ist die Zeit auf dem Wasser und der Lift läuft jeden Tag bis Sonnenuntergang! In diesem Sinne 'see you on the water'.
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