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Capetown Report #4
"Es ist Swell und das ist auch gut so", sagte nicht etwa Kapstadts Bürgermeisterin, sondern war der allgemeine Tenor der Bewegungsjunkies am Strand.

Nach winterlichen Wochen ohne ernstzunehmende Wasserbewegung war das Brandungsrauschen, welches mich früh morgens auch ohne den obligatorischen Sound meines Mobiltelefons weckte, eine willkommene Abwechslung. Endlich wieder Südafrika.

Die üblichen Verdächtigen aus meinem Bekanntenkreis drückten sich auch dieses Jahr wieder aus verschiedenen Gründen am Kap herum: Essen gehen, Feiern, in der Sonne aalen und selbstverständlich auch Surfen und Windsurfen. Das eine mehr, das andere weniger.

Aus Sicht eines Windsurfers war die Saison wieder in gewohnter Premium-Qualität erhältlich, ähnlich wie der immer gleiche Sog des entweichenden Vakuums beim Öffnen einer Packung Kaffee. Und genau wie dessen Bohnen wurde auch die Haut fein geröstet.

Meine Theorie zur Wetterlage vor Ort: Wenn es in Europa schneit und selbst die dickste Winterjacke nach einer halben Stunde Wartezeit am windigen Bahnsteig immer dünner zu werden scheint, dann gibt der in Kapstadt vorherrschende, thermisch verstärkte Südost-Passat richtig Gas.

Capetown Report #4
Der gemeine Swell an sich rollt häufig aus der nahen Antarktis mit erfrischendem Sprudel an die Südspitze Afrikas heran. Das höchste Vergnügen ist die Kombination beider Naturgewalten, wie die Milch zum Müsli, die Sahne im Kaffee, die Kohlensäure in der Cola, der eiskalte Weißwein zum leckeren Hummercremesüppchen... und so weiter.

Die Faszination am Windsurfen und dem damit verbundenen Reisen in den südafrikanischen Sommer reißt nicht ab, es wird nie langweilig.

Ich sehe viele Leute am Wasser, viele neu, aber auch immer wieder die selben Gesichter. Die alten Bekannten äußern im Laufe des Jahres zwar ihre Reiseabsichten zu ändern, weil sie "doch schon so oft da gewesen seien und mal was anderes sehen müssten"... spätestens Heiligabend oder kurz danach stehen sie dann alle wieder am Sunset Beach, sitzen bei Yindees und züngeln gerade an der Vorspeise herum oder schwingen das noch immer bewegliche Tanzbein im Fashion TV.

Capetown Report #4
Das Kap macht süchtig, abgesehen vom US-Bundesstaat Kalifornien kenne ich dieses wunderbare Licht von keinem anderen Ort der Welt. Die Sonne arbeitet wie eine Duisburger Stahlschmelze, die Luft zirkuliert unentwegt und wird wie durch die Klimaanlage einer S-Klasse angenehm und unaufdringlich temperiert.

Ohne tropische Temperaturen wird der nächtliche Schlaf zum Vergnügen, kein Insekt ist weit und breit zu sehen, Stechmückenfreie Zone. Da machen auch Grillabende in der lauen Abendluft Spaß.

Wer Wein und gutes Essen zu schätzen weis, wird Südafrika lieben. So viele gute Restaurants und Weingüter sind selten auf engstem Raum zu finden.

Als Betreiber eines Gästehauses hatte ich in dieser Saison zum ersten mal mit bereits vor Abflug verängstigten Gästen zu tun, die zum ersten mal eine Reise nach Südafrika antraten. Zwar hatten sich deren Bedenken nach einer Woche Aufenthalt gelegt, aber dennoch, die paradiesartigen Zustände täuschen nicht über die allgegenwärtige Armut der emigrierten Afrikaner aus den nördlicheren Regionen hinweg.

Capetown Report #4
Dies schafft gemeinsam mit alten Apartheidgeschwüren Nährboden für eine zum Teil brutale Kriminalität, die häufig von Banden ausgeht. Die meisten Morde allerdings werden unter Drogen- und Alkoholeinfluss in den Townships verübt - das macht die Sache nicht besser, dort halten wir uns aber im allgemeinen nicht auf.

Kriminalität gibt es überall, man braucht sich im südlichsten Teil Südafrikas nicht unsicher fühlen, aber bekannte Gefahren sollte man meiden. Die Kapregion ist nicht der Nordwesten Dänemarks - woran einen aber glücklicherweise ständig die warmen Temperaturen das Zirpen der Grillen erinnert.

Mit nahender Fussball-WM wird Südafrika in der Medienwelt oft verzerrt dargestellt... die Welt scheint ja sonst ein sicherer Ort zu sein. Immerhin: Südafrika gilt als Tsunami-sicher, der Standard bei der Hygiene und beim Trinkwasser ist mit dem englischen zu vergleichen. Es gibt einen TÜV für Automobile. Abgesehen von zwei giftigen Schlangenarten und ein paar Weißen Haien existiert sonst keine Gefahr, die von Flora und Fauna an Land und Wasser ausgeht - abgesehen von Wilden Tieren in den Nationalparks.

Die Bedingungen waren auch diesmal wieder erstklassig, kraftvolle Wellen schossen mich nur so aus dem Wasser, der schwere Shiraz zum geräucherten Springbok lässt die schönen Tage in der 'Aubergine' ausklingen.

Capetown Report #4
Ich danke allen Airlines, die nach Südafrika fliegen und Wassersportgepäck zu einem erschwinglichen Preis transportieren. Die Flugpreise sind noch immer fair: Ein Business Ticket von Hamburg nach München kostet ca. 800 Euro, das selbe zahlt man in der Economy Class für einen Flug, der noch rund 10.000 Kilometer weitergeht.

Ich denke es hilft uns allen, wenn jeder ehrlich mit seinem Gepäck umgeht, die Regeln der Airline akzeptiert und freundlich mit dem Bodenpersonal umgeht. Dinge ändern sich schnell, ein generelles Ablehnen von Surfgepäck kann eine Reaktion sein. Eine Tonne Gepäck bedeutet auf dieser Strecke rund eine Tonne Mehrverbrauch an Kerosin. Cheers!