West Australien

Mitbewohner gesucht - 5m², mit Dachterrasse und Meerblick

So in etwa hätte meine Suchanzeige ausgesehen, wenn der Zufall mir nicht schon vorher einen Mitbewohner besorgt hätte. Während einer gemütlichen Runde Wodka – Red Bull erzählte ich von meinen Plänen, im Winter Westaustralien unsicher zu machen. Jonas, mein Nachmieter in Kiel erwähnte, dass sein Bruder Jakob den Winter auch nicht im kalten Deutschland verbringen will.

So kam es, dass Jakob und ich uns, obwohl wir uns noch nie gesehen hatten auf einen gemeinsamen Winter im australischen Sommer einigten. Gesagt, getan,…da ich schon im November, also einen Monat vor Jakob los konnte, war es meine Aufgabe ein Auto zu suchen und dieses zum Campervan umzubauen. Also fuhr ich am siebten November mit dem erworbenen Mitsubishi Expressvan von Perth die 500 Kilometer Richtung Geraldton, um endlich in Shorts aufs Wasser zu kommen.

In Geraldton angekommen, traf ich auf Jojo aus Bielefeld, der gerade in einer Bar als Gläsersammler die Kohle für den nächsten Gnaraloo-Trip verdiente. Nach 10 Tagen Wind und kleinen Wellen am Coronation-Beach war es soweit. Jojo hatte das Geld zusammen und es ging endlich ab nach Gnaraloo.

750 Km, einem erlegtem Emu und unzählige Liter Kühlwasser später waren wir da. Was für ein Wahnsinn: 40 Grad, mindestens eine Milliarde Fliegen und masthohe Wellen. 4.7 aufgezogen und ab aufs Wasser. Ein Traum!

Selten so schöne Wellen gesehen und gesurft. Leider mussten wir in der Folge feststellen, dass dieses nicht der Normalzustand ist. Eine Woche später, in der nur noch Leichtwind mit schulterhohen Wellen serviert wurde, hatten die Fliegen gewonnen. Jojo fuhr weiter nach Norden und ich fuhr 1200 Km Richtung Süden, um Jakob am 1. Dezember vom Flughafen abzuholen.

 

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Nachdem Jakob „eingezogen“ war, ging es dann auch gleich wieder Richtung Wasser, um keinen Swell zu verpassen. Deshalb fuhren wir umgehend wieder nach Geraldton und studierten jeden Morgen den Wind und Swell–Bericht für Gnaraloo und Margaret River.

Dennoch war Geraldton in den ersten beiden Dezemberwochen wohl der „Place to be“. So verbrachten wir einige Tage am Point Moore und am Coronation Beach, bis eine Woche vor Weihnachten der Mann mit dem roten Mantel einen großen Swell und reichlich Wind auf den Weg nach Margaret River schickte.

Jojo war inzwischen auch wieder an Board und zusammen machten wir uns auf den Weg nach Süden. Nach 900 Km und einer Partynacht in Perth waren wir am Surfers Point in Margaret River und damit schneller als der Wind, der sich noch bitten ließ.

Zwei Wochen später blickten wir auf viele Windsurfsessions und die wohl größten Wellen unseres Lebens zurück. Wahnsinn, welche Konstanz dieser Spot bewies. Bis Mittags hatten die Wellenreiter leichtes Spiel aber pünktlich um ein Uhr fing die Seabreeze an zu arbeiten. Danach hieß es bis in den frühen Abend abreiten, abreiten,…abreiten. Die Wellen waren immer masthoch bis deutlich höher und forderten allerhöchste Konzentration, da ein Waschgang neben dem Ende für Segel und Mast auch mit Gefahren für das leibliche Wohl verbunden war.

Da Jakob erst nach der Gnaraloo-Tour angekommen war wollte er natürlich auch noch in das Fliegenland reisen. Deshalb beschlossen wir wieder nach Geraldton zu fahren und dort auf den passenden Swell für Gnaraloo zu warten. Zwei Wochen ohne Wind und Wellen wurde die Hoffnung kleiner und die Bedenken größer, da inzwischen einige Tigerhaie den Weg nach Geraldton gefunden hatten und dort jeden Morgen über die Titelseiten der lokalen Zeitungen schwammen.

Anfang Februar, an einem Dienstag, kam der Wind für kurze Zeit wieder. An den Dienstag kann ich mich so gut erinnern, da ich in fünf Minuten auf dem Wasser zwei Haie und einen Seelöwen gesehen habe. Jojo ergänzte um einen weiteren Hai. Nach der kurzen Session standen wir zu dritt vor dem Gedenkstein von Werner Schonhöfer, der an diesem Ort vor Jahren einem Hai zum Opfer gefallen war und fragten uns, ob Geraldton momentan vielleicht der falsche Ort sei.

Also ab ins Internet und Wetter checken. Kurz darauf saßen wir im Auto auf den Weg nach Esperance. Zwei Tage Fahrt und ein kurzer Stopp am „WaveRock“….

 


West Australien

Wow, das ist geil, das ist Australien wie ich es mir vorgestellt habe. Traumhafte Strände, türkises Wasser und genug Wind. Also ab an der „Observatory Beach“, dem besten Windsurfspot der Region. Die nächsten zehn Tage verbrachten wir zu dritt oder zu viert auf dem Wasser und hatten eine herrliche Zeit. Jeden Tag Wind und wunderschöne Wellen von Kopfhoch bis vier Meter. Absoluter Wahnsinn!

Der Rückweg nach Perth führte uns an der Südküste entlang, an der wir noch die eine oder andere Wellenreitsession mitnahmen. Danach hieß es: „unverhofft kommt oft“, …obwohl wir eigentlich noch sechs Wochen Zeit hatten waren wir schon am übernächsten Morgen, nach nun vier Monaten Australien wieder in Deutschland. Da passte alles zusammen. Das Windsystem an der Westküste brach unter Zyklonen zusammen, das Auto gab auf und Jakob wurde zu Hause in der Praxis erwartet.

Umbuchen, einchecken – und schon war man in Frankfurt im Regen…

…aber der nächste Winter kommt bestimmt!

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