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Irland / Road Trip
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Wenn man regelmäßig die Wetterkarte von Europa beobachtet, dann fällt auf, dass eine Insel im Nordatlantik irgendwie mehr Wind und Wellen abbekommt als andere Länder. Das liegt daran, dass diese Insel genau in der Einflugschneise der gewaltigen 960er und 970er Sturmtiefs liegt, welche auf ihrem langen Marsch über den Atlantik eine stattliche Dünung aufbauen und sich dann an der Küste Irlands entladen.

Damit stand fest, dass wir diese Insel mindestens einmal in unserem Leben besuchen müssen. Und warum nicht gleich bei dem ersten Trip mit dem eigenen Bus?! Die Crew bestand aus Henrik, der sich beim Windsurfen im Herbst verletzt hatte, und somit genug Zeit hatte unser Reisemobil über den Winter einsatzbereit zu machen. Dann Jan, der nicht das dritte Mal in diesem Jahr in die Berge zum Boarden fahren wollte, sondern lieber das gefrorene Medium gegen den flüssigen Aggregatzustand eintauschen wollte. Und zu guter Letzt sollte Henriks kleiner Bruder Leon noch mit eingepackt werden, damit er seine Ferien nicht damit verbringt alle zehn Minuten den aktuellen Wetterbericht zu checken in der Hoffnung, dass vielleicht doch irgendwann einmal Wind in Deutschland kommt.

Also hatten wir uns für die Frühjahrsferien vorgenommen nach Irland zu fahren. Bevor es endlich losging haben wir im Winter etliche Stunden damit verbracht, Informationen und Bilder über Irland zu finden. Dabei stößt man immerwieder auf die gleichen Dinge. Neben viel Wind und Wellen wird gesagt, dass das Wetter ziemlich miserabel sei, die Menschen extrem freundlich, Kühe und Schafe auf den Straßen rumlaufen und irgendwie sieht alles ziemlich grün aus.

Mit diesen Erwartungen machten wir uns dann auf den Weg nach Frankreich zur Fähre. Bei dem nächtlichen Zwischenstop in Frankreich, hatten wir nach stundenlangem Suchen die Wahl auf einem Friedhofsparkplatz oder vor einem Misthaufen zu schlafen. Da wir es uns nicht gleich am Anfang der Reise mit den Göttern verscherzen wollten, entschieden wir uns für den Misthaufen, auch wenn wir diesen Platz am nächsten Morgen fluch(t)artig verließen, da durch die Sonneneinstrahlung alles so stark anfing zu stinken.
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Als wir am späten Nachmittag endlich auf der Fähre waren, machten wir die interessante Bekanntschaft mit einem Surfer aus Irland der gerade von einem 4-monatigen Surftrip aus Marokko wiedergekommen war. Mit ihm war ein junger Neuseeländer, den er in Marokko aufgegabelt hatte und der gerade um die ganze Welt reist, nur mit Surfboards und ´ner Menge Geschichten im Gepäck.

Zusammen machten wir Bekanntschaft mit dem ja weltberühmten Guinness Bier bis spät in den Morgen... Endlich in Irland angekommen sind uns als erstes zwei Dinge aufgefallen. Leon rief: “Fuck man! Da kommt ein LKW auf der falschen Seite auf uns zu!“

Nachdem wir uns kurz alle durcheinander angeschrien hatten und das ganze auf dem Seitenstreifen endete, waren wir uns dann einig, dass Linksfahren richtig sei. Es war nicht ganz leicht sich daran zu gewöhnen, dass man in Irland als Geisterfahrer unterwegs sein muss um nicht aufzufallen. Auch waren wir überrascht, dass wir statt von grünen Wiesen und miesen Wetter, von Palmen und Sonnenschein begrüßt wurden.

Also war irgendwie doch nicht alles so grün wie auf den Bildern?!? Die Landschaft hatte einen südlandischen Flair, was eher an Spanien oder andere Mittelmeerländer errinnert. Naja! Auf jedem Fall befanden wir uns windsurftechnisch gesehen auf der falschen Seite Irlands und mussten erst einmal rüber auf die „richtige“ Seite. Wir dachten uns, dass wir im Süden anfangen und dann die Westküste hochfahren.

So ging es an den wohl bekanntesten Spot Irlands - die Brandonbay. Dort wurden wir von einem Local mit einem freundlichen „Jaysis, you’re fuckin´ welcome“ begrüßt. So wird man in anderen Ländern, geschweige denn in Deutschland selten begrüßt. Die Menschen waren wirklich so freundlich und interessant, wie wir vorher gehört hatten. Und auch die Bucht empfing uns für ein paar Tage mit netten Windsurf -und Wellenreitbedingungen.

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Doch irgendwie stimmte nicht alles, damit die Bucht zeigen konnte, was sie wirklich kann. Wir mussten in den Norden... Auf dem Weg machten wir noch kurz halt in Spanish Point, doch der Wind wurde schnell zu schwach zum Windsurfen und so tauschten wir unseren Windsurfstuff gegen die Wellenreitausrüstung. Bis spät in den Abend wurden wir dann noch mit bis zu zwei Meter hohen druckvollen Wellen belohnt, doch da dort viele Kanuten einfach rücksichtslos in jede Welle paddelten, musste man sehr vorsichtig sein, wenn einem seine Frisur lieb war.

Am nächsten Tag hielten wir kurz in Lehinch, einem der bekanntesten Surfspots Irlands. Dort hatte jedes dritte Auto einen Surfboard auf dem Dach und es schien sich alles ums Wellenreiten zu drehen. Surfen ist hier so wie bei uns Fussball. Man trifft sich einfach nachmittags um ein paar Wellen anzupaddeln. Irgendwo läuft immer was. Angesichts der 20cm hohen Wellen und unserer Begierde endlich den hohen Norden zu besuchen, hielt es uns nich länger an diesem Ort.

So wurde die Küste westlich von Silgo für die nächten Tage unser Zuhause. Schon am ersten Tag unserer Ankunft fanden wir die besten und saubersten Wellen vor, die wir je hatten. Teilweise 3m hohe Wellen, ablandige 2-3 Windstärken und ein perfekter Point, der die Wellen zu sauberen Lines ordnete. Es muss schon einer der besseren Tage gewesen sein, denn neben internationalem Publikum aus Spanien, Schweden, der Schweiz, Indonesien und natürlich den Iren, wurden die Wellen von den wirklichen Locals der Meere geschlitzt: Delfine, die zu fünft in die dicksten Wellen des Tages direkt über dem Riff zu sehen waren.

Hätten die kalten Wassertemperaturen uns nicht auf den Boden der Tatsachen zurückgebracht, hätten wir wohl vergessen, dass wir uns in Irland befinden... Nach diesem perfektem Wellenreitag kündigte sich in der Nacht ein klassisches Tief an. Der Bus wurde, obwohl wir hinter einer alten Ruine standen, von oben bis unten durchgerüttelt und es pfiff um alle Ecken. Als wir am nächsten Tag aufs Meer sahen, rollte ein massiver Swell auf die Küste.
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Es war also Zeit einen geeigneten Ort zu finden, um unsere Windsurfboards zu wassern. Nach einem rekordverdächtigem Boxenstop am lokalen Sparmarkt, zwei Minuten später ausgestattet mit unmengen von Kellogs, Milch und Guiness, ging es an einen der bekanntesten Wellenreitspots dieser Gegend: Easky. Mit dem 4.7er gut angenagelt in knapp masthohen Sideshorewellen. Genau das richtige um nach dem langen Winter wieder richtig reinzukommen.

Das war auch nötig, da das Internet versprach, dass da am nächsten Tag etwas richtig Großes auf uns zukommen würde. Swells bis zu acht Meter waren vorhergesagt. Am nächsten Tag war dann fast alles wie am Tag davor. Selber schlafplatz, selber Blick auf die Küste, selber Spot. Nur diesmal war alles um einiges größer. An der gesamten Küste rollten riesige Wellen auf die Felsen. Wahrscheinlich hätte man entlang der Küste alle 200 Meter einen guten Spot finden können, doch erschien uns heute Easky wieder am besten.

Die einzige menschliche Gestalt, die man zwischen den riesigen Wellenbergen sah, war ein verrückter Ire, der auf seinem Wellenreitbrett gegen die extreme Strömung anpaddelte. Man konnte sehen, dass das da draußen wirklich kein Zuckerschlecken war. Nachdem er 30 Minuten lang paddelnd die letzten Kraftreserven aufgebraucht hatte, um nicht von der Strömung auf die Felsen gezogen zu werden, hat er es dochnoch geschafft die rettende Flussmündung zu erreichen. Als er aus dem Wasser kam, konnte man seinen herunterhängenden Schultern und keuchendem Atem ansehen, dass er da Draußen alles geben musste.

Doch nun war auch für uns die Zeit gekommen, aufs Wasser zu gehen. Das Aufriggen wurde mit verschiedenen Ausreden so lang wie möglich herausgezögert, denn niemand hatte Lust der Erste in den gigantischen Wellen zu sein, die mit jedem Set größer und größer wurden. Jan verpflichtete sich, das Spektakel zu fotografieren. Das Rauskommen war an diesem Tag auch um einiges schwieriger. War man jedoch erstmal draußen konnte man in Lee an den gewaltigen Wellen vorbeisurfen und draußen in ein neues Set reinhalsen.

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Dann war es Zeit für den ersten Buttomturn. Es war ein unglaubliches Gefühl sich in einer übermasthohen Welle in den Buttomturn zu schmeißen, um dann beim Cutback das richtige Timing zu finden, welches darüber entscheidet, ob der Ozean mit all seiner Kraft über dir zusammen bricht oder ob du die Oberfläche der Welle mit einem sauber plazierten Turn zerschlitzt und dem Monster entkommst. Wenn man da zwischen Weißwasserwalzen und Felsen seinem Material hinterher schwimmem muss und außer uns kein anderer Surfer weit und breit ist, fragt man sich, wie schnell die Küstenwache wohl brauchen würde einen daraus zu fischen.

Leon geriet am Ende des Tages in eine ähnliche Situation, wie der Ire am Morgen. Er verpasste aufgrund schlechter Navigation den sicheren Channel und wurde von der Strömung „straight to the rocks“ gezogen wurde. „Glücklicherweise fand ich zwischen den Felsen einen kleine Einbuchtung über die ich aufs rettende Land gelangen konnte“, erzählte Leon am Abend mit grinsendem Gesicht, “sonst hätte ich mein Material wohl vergessen können“.

Zehn Minuten später lagen alle im Bett und schliefen sofort ein, nachdem dem kleinsten im Bunde seine Gutenachtgeschichte erzählt wurde. Der nächste Morgen erwartete uns mit viel weniger Wind, dafür war der Swell noch geblieben und so waren Jan und Leon nach einem ordentlichen Frühstück auch ziemlich schnell wieder auf dem Wasser zu finden.

Abends trafen wir noch den Surfer vom Vortag, der vergeblich gegen das Abtreiben kämpfte. Es stellte sich herraus, dass er nur mit einem Fahrrad, einem Rucksack und einem Wellenreiter die komplette Westküste von Irland entlang reiste. „Ganz schön verrückt der Junge“, dachten wir uns. Doch er hat vermutlich auch das Gleiche von uns gedacht, dass sich zwei 18-Jährige und ein 16-Jähriger aus Deutschland den ewig weiten Weg nach Irland gemacht hatten, um gerade mal zwei Wochen Surfen zu gehen.



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Doch eins hat uns auf jeden Fall miteinander verbunden, das Reisen und Entdecken neuer Länder und damit neuer Surfspots. Außer einer Ausnahme, wo wir pefekte Windsurfbedingungen in Streedagh fanden, sollte uns der Wind für den Rest der Reise verlassen. So wurden die Windsurfer fest auf dem Dach verzurrt, da egal wie man die Windvorhersage versuchte zu interpretieren, beim besten Willen kein Windsurftag mehr rauskommen würde.

So hatten wir noch teils sehr gute Wellen in Strandhill, die am Abend meist mit einem schon kitschig wirkenden Windows-Desktophintergrund-Sonnenuntergang sein Ende fanden. Auf dem Rückweg zur Fähre nach Rosslare blieb uns noch ein ganzer Nachmittag, um Irlands Hauptstadt und Geschäftsmotropole Dublin zu besichtigen. Wir erlitten einen kleinen Kulturschock, als wir uns aufeinmal nicht mehr an einsamen Stränden und gemütlichen Pubs wiederfanden, sondern in der Zivilisation!

Es pilgerten Menschemmassen durch die Straßen, Geschäfte wurden gemacht und Ab und Zu wurde die Straße komplett gesperrt, da ein Mann in Kleid und Duddelsack vorbeizog, welchem eine großen Menschentraube folgte und irischen Folk zelebrierte. Auf der Fährrückfahrt tauschten wir dann die Gutenachtgeschichten gegen Saw 2 und Bier, damit wir einigermaßen gut schlafen konnten, denn uns standen am nächsten Tag 14 Stunden Autofahrt bevor.

Als wir dann endlich in Kiel um drei Uhr morgens in unsere Betten fielen und angesichts dessen, dass wir vier Stunden später schon wieder im Schulunterricht sitzen würden, waren wir im Traum schon wieder an der irische Küste mit ihrem rauen Charme, den bunten Häusern und den freundlichen Menschen. Zuguterletzt möchten wir uns noch bei Surf and Action (www.surfandaction.de) und Irlandtourismus für die überaus großzügige Unterstützung bedanken. Vielen Dank nochmal!!! Auch die Klamotten von Stylesucks (www.stylesucks.com) haben uns wetterfest und stilsicher an der rauen Westküste Irlands begleitet!!!

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text/fotos J. Rothkranz, Leon und Henrik Jamaer | © 2006 DAILY DOSE