Weihnachtsgeschenke 2.0
Weihnachtsgeschenke 2.0 - oder auch schöne Bescherung
Mitte Dezember - Wintereinbruch in Deutschland, gefühlte zwei Meter Schnee lagen auf den Gehwegen, die S-Bahn versank im üblichen Winterchaos und stellte vorsorglich den Betrieb ein. Die Seen waren teilweise schon zu, also Zeit das ganze Material winterfest zu machen.

Ein ähnlich milder und windreicher Dezember wie 2011 rückte in weite Ferne. Auf der Beobachtungsliste bei Ebay reihten sich schon die Langlaufski neben Schlittschuhen und verschiedenen Snowboards. Doch der Gedanke die zahlreichen Kilometer in die falsche Richtung zu fahren, um dann auf einem Berg zu stehen, reizte noch nicht genug - die Verzweiflung war also noch nicht groß genug.
Nach einer Weile rutschte der Pfeil auf dem Bildschirm aber instinktiv auf Windfinder und siehe da, es waren milde Temperaturen und Wind prognostiziert. Windfinder lügt, das war die einstimmige Meinung nicht nur von mir und meinem Bruder Max.

Nach dem enttäuschenden Herbst durchaus nachvollziehbar, niemand glaubte daran - Frühlingseinbruch und dazu noch Wind? Da man als Windsurfer neben Motorsportler (bei all den Kilometern im Jahr zum Spot) auch noch Hobbymeteorologe ist, behielten wir die Situation aber im Fokus.
Weihnachtsgeschenke 2.0
Im Internet mehrten sich die Bilder von den Kollegen in Süddeutschland, die bei gutem Föhn schon teilweise ohne Handschuhe und Haube surfen konnten. Zu Weihnachten schien die Situation nun letztendlich doch zu eskalieren. Nach einer Telefonkonferenz mit der Verwandtschaft wurden sämtliche Weihnachtsessen verschoben oder abgesagt.

Tag ist frei, Wind soll kommen – what‘s the problem? Was an der Bar für einen guten Begleiteffekt sorgt ist beim Windsurfen eher hinderlich – Eis. Also wurde das Hobby zum Beruf, Windvorhersage beobachten und dazu einen eisfreien See in der Nähe finden, da unser „Homebodden“ auf Rügen auch unter Kompletteis stand.
Nach einiger Recherche von Wassertiefen und Strömungsverhältnissen und durch einen Local Tipp wurde der Schwielowsee in der Nähe von Potsdam auserwählt. Dort angekommen stellte sich ungläubiges Staunen ein, See eisfrei und Wind.

Also Segel aufbauen und los? Pustekuchen.
Bei all der Langeweile an windlosen Tagen kam niemand mal auf die Idee, Schlaufen und Neoprenkram auf Wintermodus zu stellen. Bei böigem Wind artete es schon fast in Arbeit aus, mehrere Boards auf 5mm-Neoprenschuhe einzustellen, um alle möglichen Windentwicklungen abzudecken.
Weihnachtsgeschenke 2.0

Egal – here we go. Schnell Segel und Board ins Wasser und mit Erstaunen stellten wir fest, dass es doch für die Jahreszeit mit bis zu 11°C Luft und der richtigen Neokombo angenehm war auf dem Wasser. Zu uns gesellten sich wenig später noch zwei Kitesurfer und so kamen wir zu dem für diesen Tag großem Glück einige Schläge zu fahren und uns auf dem Wasser „Frohe Weihnachten“ zu wünschen.

Doch war es das schon mit den nachträglichen Weihnachtsgeschenken? Im Gegenteil, die guten Temperaturen trugen dazu bei, dass unser Homespot, der Müggelsee fast eisfrei war. Somit konnte es am 29.12.2012 auch dort auf’s Wasser gehen.

Welche Gefahren das „Wintersurfen“ so mit sich bringt merkte ich, als ich mit dem GPS am Arm auf Raumwind beschleunigte. Gut angefeuert machte ich einen selten erlebten Abflug, nach einem kurzen Tauchgang hing nur noch ein Holm von meinem Gabelbaum an meinem Trapez. Die Gabel machte also eine Zellteilung – keine gute Idee bei drei Grad Wassertemperatur.

Kurze Zeit später war schon ein anderer Surfer und mein Bruder Max zur Stelle. Per Hand- und Rufzeichen wurde sich verständigt, dass alles noch einmal gut gegangen ist. Nachdem ich langsam am Ufer angetrieben war, begann der Fußmarsch zurück zu einem Ausstieg. Dieser wurde leider unfreiwillig verlängert, da genau die Bucht in der ich landete noch voller Eis war.
Weihnachtsgeschenke 2.0

Eine gute halbe Stunde „Eiswasserwandern“, das nennt man dann wohl Denkzettel. So richtig sauer konnte ich aber auch nicht sein, alles gut gegangen, Spaß gehabt und wieder eine gute Geschichte beim „Aftersurfbier“. Da der Forecast bei Windfinder weiterhin relativ anständige Bedingungen für die nächsten beiden Tage versprach, wurde schnell eine Ersatzgabel organisiert und sich für die nächsten Tage verabredet.

Der Wind traf die kommenden Tage ein und wir konnten mit immer weniger bis hin zu gar keinem Eis im Wasser und steigender Mitsurferzahl bis in den Silvesternachmittag surfen.

So sah man ein breites Grinsen und etwas müde Augen auf der anschließenden Silvesterfete, was aber definitiv nicht am Bier lag.

Ein perfekter Jahresausklang, vier gute Surftage zwischen Weihnachten und Silvester – Danke Weihnachtsmann oder Christkind – uns egal wer ;)


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