Night Session
Windsurf Night Session auf der Kieler Förde
"Morgen Abend werden wir versuchen mit einem Generator und Licht die Ostsee zu rippen...", diese Mail landete vor knapp einer Woche in meinem Posteingang. Spannende Sache, ein strammer Nordwind sollte wehen, wenn auch bei Temperaturen knapp über Null.

Also fix zugesagt und auf Jans Anruf gewartet. In Bülk, Strande, Falkenstein oder Friedrichsort sollte das ganze stattfinden, je nach Windbedingungen.
Donnerstag der 29. November, um kurz nach sechs am Abend kam das Go. Der Falkensteiner Strand sollte die Location sein - auch mit der Hoffnung, dass der Leuchtturm dort eine Extraportion Licht spendiert.

Bei meiner Ankunft sah ich schon von weitem den Schein einer Stirnlampe über den Deich huschen. Ricki leuchtete das Szenario aus, während Jan und Mo ihre Segel aufriggten. 5,3er und 90-Liter-Boards, das sollte reichen.
Night Session
Vom Deich aus waren es rund 50 Meter bis zum Wasser, dort hatten die Drei schon einen Generator mit zwei Baustrahlern installiert. Es wurde hell am Strand, auch eine gute Gelegenheit die schon eisigen Finger im Licht der Lampen aufzuwärmen.

Würde der Wind zum Gleiten reichen? Zusammen mit Torge und Moritz, die inzwischen auch als Zuschauer am Strand erschienen waren, konnte wir zwar das Anpumpen sehen, aber dann verschwanden die Segel in der Dunkelheit. Der Strand war voll mit Seegras, ungewöhnlich für den späten November, aber der Nordwind hatte wohl den verfügbaren Restbestand in die Förde gespült.

Dann blitzten die Segel auf, beide waren im Gleiten und versuchten Air Jibes und Willy Skipper dicht unter Land im Licht der Scheinwerfer zu platzieren. Das war nicht so leicht, denn das Seegras zog unnachgiebig an den Finnen. Fotografieren war ebenfalls schwierig, im Dunkeln hatte der Autofokus Zielprobleme und permanent spritzte Gischt auf die Objektive.

Der Wind legte etwas zu, Höhe halten war jetzt kein Problem mehr. Wieder ein Move, ein Wellenritt an der Sandbank, wie viele andere im Dunklen nur zur erahnen... Vorbeifahrende Schiffe sorgten für die richtige Hintergrundbeleuchtung - LIVE ein geiles Szenario, auf den Bildern durch die lange Belichtungszeiten verfremdet.
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Dann begann es zu regnen, der Wind ging runter. Schnell alles eingepackt und ab in den Bus.

Jan zieht ein Resume: "Das war eine richtig gut getimte Session. Rechtzeitig zur Dunkelheit auf dem Wasser, dann hat es noch ein bisschen angezogen, so dass man im Rutschen war. Mit der Durchfahrt der Stena noch den Höhepunkt gesetzt - wirkt immer noch wie von Salvador Dalí gezeichnet. Auf dieser schwarzen Fläche dahin zu gleiten, wie im Nichts.
Kaum Führung und ein dauerndes Sliden dank der meterdicken Seegrasschichten. Aber eigentlich ziemlich perfekte Bedingungen, recht ungewöhnliches Surfen, so ohne Chop, absolut ruhig, kein geknatter am Brett. Klar, ein bisschen mehr Welle und Wind wäre gut gewesen. Für mich aber einer der besten Tage des Jahres, vor allem mal was anderes..."
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