Tweaked Aerial
Tweaked Aerial

Willkommen in der Königsklasse des Wellenabreitens - wer diesen Sprung beim Wellenritt beherrscht ist endgültig angekommen im Olymp der Wellenschlitzer.

Nichts ist eleganter als beim Wellenritt nach Lee aus einem tiefen Bottom Turn heraus die Lippe einer brechenden Wellen anzupeilen und zum Aerial anzusetzen. Eine große Portion Erfahrung und ein gutes Timing sind erforderlich, um den perfekten Punkt für den Absprung nicht nur zu erkennen, sondern auch zu treffen.

Richtig getroffen katapultiert die steile Lippe dich nicht nur nach oben, sondern auch schräg nach vorne in Richtung der laufenden Welle. Dieser Kick ist erforderlich, um den Aerial wieder in der selben Wellen zu landen. Rausfliegen wäre einfach, der Re-Entry macht dich zum Meister.

Mit der Bezeichnug 'Aerial' ist meist immer ein Frontside Aerial gemeint. Die andere Variante nennt sich Backside Aerial und wird beim Ritt nach Luv mit dem Rücken zur Welle gesprungen.

Auf den Fotos seht ihr eine Sequenz von Jason Polakow, der den Kick des Absprungs für einen Tweaked Aerial (verdrehter Aerial) nutzt: Gewicht ans Segel hängen und gleichzeitig den Körper zum Gabelbaumende eindrehen, um bei einer Art 'Table Top unter dem Schothorn hindurch' die Boardnase möglichst steil in Richtung Wasser zu drücken. Die Kraft des Absprungs seht ihr auch am massiven Spray. Dieser Move ist nicht nur eine Augenweide für den Fotografen, auch an der Gabel brennt sich dieser Moment in die Erinnerung ein.

Der Weg dorthin ist gar nicht so schwer... die grundlegende Bewegung beim Wellenabreiten nach Lee, also der Bottom Turn mit anschließendem Frontside Cutback, sollte sicher sitzen. Allerdings sind die idealen Bedingungen in unseren Breiten eher selten: Schrägablandiger Wind und saubere, kraftvoll brechende Wellen bieten die besten Voraussetzungen für Frontside Aerials. Mit viel Speed auf der Welle und einer freien Sicht nach Lee fühlt man sich dann wie ein Stuntman, der den idealen Weg zur Start- und Landerampe anpeilt.

Tweaked Aerial

Freestyle Motocrosser haben es tatsächlich einfacher, denn deren Rampen bestehen aus festem Element. Während sich dort die Fahrbahn nicht von der Stelle rührt, muss ein Windsurfer permanent die Bewegung des Untergrunds vorausahnen.

Mit dem Wind im Rücken und dem Gesicht zur brechenden Wellen wartet man also, bis diese sich langsam steil aufbaut. Dann geht es los: Speed ist wichtig, deshalb im Bottom Turn nicht zu weit vor die Welle (ins Wellental) fahren - so verliert man Geschwindigkeit - sondern immer schön am steilen Hang bleiben und den Schub der Welle nutzen.

Der Blick schweift an der Welle entlang und schätzt ab, wann und wo die Lippe sich steil aufbauen wird. Dabei natürlich nicht das Umfeld vergessen - andere Wellenreiter, Windsurfer oder je nach Spot auch Felsen oder Riffe könnten im Weg liegen.

Gesucht ist der Moment, wenn die Welle 'zu macht', die Lippe sich also senkrecht aufstellt und anfängt zu brechen. Jason erwischt hier sowohl den perfekten Moment als auch die perfekte Absprungposition: Genau die Section unter ihm bricht brodelnd zusammen, während er auf eine perfekte Landerampe an der Wellenschulter zufliegt. Aufsetzen auf einem Hang mit 45 Grad Neigung liefert sofort Speed für den nächsten Turn.

So ein Glück hat man nicht immer. Auf Nord- und Ostsee wird man oft über eine Section springen, die dem eigenen Ritt entgegen bricht. Der Absprung genau im Pocket - der Punkt, wo die Lippe ins Weißwasser übergeht - muss sitzen, die Landung erfolgt dann meist im brodelnden Weißwasser.

Grundsätzlich gilt: Zum Aerial den Griff an der Gabel nicht verändern. Anders als beim Cutback versetzt man den Griff nicht weiter nach vorne, sondern behält eine breite Griffhaltung bei, um beim Sprung die volle Kontrolle über das Rigg zu haben. Beim Absprung hängt alles von der Kraft der Wellenlippe ab. Je weniger Druck die Welle liefert, desto aktiver muss der Absprung erfolgen. Gewicht ans Rigg hängen und den Blick unter der Schulter hindurch in Richtung der Landezone richten. So steht dem Re-Entry nichts mehr im Wege.

Schwieriger wird es bei schrägauflandigem Wind, hier surft man im Windschatten der Wellen, was das Abreiten nach Lee erschwert. Durch die Windabdeckung hat man weniger Geschwindigkeit zur Verfügung, man greift die Gabel breiter und hält das Segel weiter geöffnet als bei Sideshore- oder Crossoffshore-Winden. Genau nach dem Absprung greift der Wind mit voller Kraft ins Segel und reißt dich samt Material herum. Dabei ist Kontrolle gefragt, sonst droht ein ordentlicher Waschgang.

Tweaked Aerial

Zum Abschluss noch ein paar Tipps zum Training, die den Weg zum ersten gestandenen Aerial verkürzen:

# Aerials hinter der Welle landen
Der beste Tipp für den Anfang: Versuche dich zunächst auf den Absprung zu konzentrieren. Das Ziel 'in der Welle zu landen' stellt man dabei erst einmal zurück. Aus dem Bottom Turn kommend leitest du einen Cutback ein, versuchst dabei aber nicht einen kompletten Turn in die Welle zu zirkeln, sondern mit weniger Belastung auf dem Heck einen Sprung entlang des Wellenrückens zu starten. Dies gleicht einem Sprung auf tiefem Raumwindkurs.

Starte mit kleinen Sprüngen, denn anfangs besteht die Gefahr bei der Landung einen Spin Out zu erleben (man springt zu seitlich und hat deshalb bei der Landung viel Druck auf der Finne). Mit ein wenig Übung wirst du es schaffen parallel zum Wellenrücken über die Welle zu schweben. Nach der Landung kannst du dann zur Halse abdrehen oder - eine gut Vorübung zur Landung in der Welle - versuchen über den Wellenrücken wieder in die brechende Wellen bzw. das brodelnde Weißwasser zu gleiten.


# Aerials über das Weißwasser
Nachdem du eine Welle abgeritten hast läuft das Weißwasser meist noch eine Weile in Richtung Strand. Falls das Wasser dort nicht schon zu flach ist: Setze noch einmal zu einem engen Bottom Turn an und lege den ganzen Schwung in einen aggressiven Cutback, bei dem du versuchst das Board mit der Finne aus dem Weißwasser springen zu lassen. So kann man in sehr kleinem Maßstab und ohne die Gefahr eines Waschgangs den Bewegungsablauf üben.

# Ablandiger Wind und Miniwellen

Reviere mit schrägablandigem bis ablandigem Wind und kleinen Wellen eigenen sich bestens für die ersten Versuche. Selbst steile 30-Zentimeter-Wellen lassen sich dann als Sprungrampen nutzen. Ein gutes Training für Absprung und Landung auf 'raumen' Kursen, wie sie später auch auf großen Wellen vorkommen.

# Cutback off the Lip
Der Cutback off the Lip ist eine Vorstufe des Aerials. Dabei wird der Top Turn sehr aggressiv in den steilsten Teil der Welle gesetzt. Das steil angestellte Board ragt über die Wellenlippe hinaus, während man selbst mit dem gesamten Gewicht am Segel hängt. Man springt dabei nicht ab, sondern lässt das Board von der Kraft der Wellen zurück ins Wellental drücken. Zum Aerial fehlt dann nur noch der Schwung, der sich mit einer schnelleren Anfahrt erzielen lässt.

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