WM-Teilnehmer Vincent Langer schildert, wie die Formula Windsurfing Weltmeisterschaft auf den Azoren für ihn gelaufen ist.

Weltmeisterschaft! Bei diesem Wort sträuben sich bei mir die Haare, der Puls wird schneller und die Pupillen weiten sich. Es ist das Event für die besten Formula Windsurfing Piloten im Jahr. Und wie auch in 2014 fand die WM wieder auf den Azoren im Atlantik statt.

50.000€ Preisgeld sollte eine Menge Fahrer anlocken, doch das frühe Datum im Jahr machte es vielen Surfen nicht einfach. Viele hatten noch nicht einmal ihr neues Material. Auch ich war von der Materialknappheit betroffen und bin nur mit einem 9,7er Slalom „Sturmsegel“ dort hingefahren. Nicht ideal wie ich noch feststellen sollte. Zusätzlich waren die Anreisemöglichkeiten mehr als schwierig. Bei mir ging es über Lissabon und Ponta Delgada auf die Insel Terceira. Gemütliche 25 Stunden Hinweg mit mehrmaligem Ein- und Auschecken machen nur bedingt Spaß. Nicht zu vergessen ist das Geschleppe des Surfgepäcks, sogar zur Propeller Machine, welche uns im Anflugmanöver auf die windige Landebahn ordentlich zum Schwitzen brachte.

Endlich angekommen, fühlte es sich gleich wie eine WM an. Airport Shuttle, gutes Hotel und ein riesiges Zelt für das doch recht große Material und natürlich alle großen Namen da, wie Allen, Dagan, Costa Hovel...

Am Montag war für mich der erste Tag auf dem Wasser. Die Aufregung wich der Routine. Board und Segeltrimm austesten, Finnen ausprobieren, versuchen Windanomalien festzustellen. Wir mussten uns auf das Revier einfahren. Ich kannte es zwar vom letzten Jahr, doch hatten wir damals nur westliche Winde. Für diese WM sollte es Nordwind geben, was alles änderte. Andere Winddreher, anderer Kurs und andere Positionierung der Tonnen.

Das Training verlief gut. Mein neuer Fanatic Formula fühlte sich immer besser an und auch meine Segel liefen. Lediglich mit dem Slalom Segel 9,7 gab es Probleme, denn Slalom Segel fahren keine Höhe. Sie sind zum Downwind-Fahren gebaut. Somit fehlte mir mein „kleines“ Segel.

Mittwoch ging es endlich los. Wie erwartet kam Nordwind mit 7-15 Knoten. Vier Races wurden vom spanischen Race Direktor, man kann sagen, durchgefeuert. In 4 Stunden waren wir durch für den Tag. Mit Platz 12 nach 4 Races war ich unzufrieden. Die anderen deutschen Basti Kördel und Nico Prien reihten sich auf Platz 5 und 19 ein. Somit ein starker Auftritt für die Deutschen.

Donnerstag schwächelte der Wind. Wir versuchten über den Tag verteilt 4 Rennen zu starten, doch der Wind war immer wieder zu unkonstant. So ein Tag ist oftmals härter als 4 Rennen am Stück zu surfen.

Freitag kehrte der Wind zurück und das sogar richtig stark. Und da fehlte jetzt ein schönes 10.0er Starkwindsegel. Für mich hieß es nur noch: Den 11,5er Lappen dichtnehmen und los. Erstaunlicherweise fuhr ich in 3 der 4 Rennen in die Top Ten. Ein super Ergebnis bei Wind bis zu 28 Knoten.

Der Samstag war der vorletzte Tag und die Windvorhersage sah nach Atomdruck aus. Und genau so kam es auch. Es wurden knapp an die 60 Knoten gemessen, sodass wohl alleine der Versuch die Segel aus dem Zelt zu holen in einer Katastrophe geendet wäre. Somit blieb das Zelt dicht und wir im Bett, zumindest einige der Fahrer.

Sonntag ging es noch einmal zur Sache. Wind bis 30 Knoten machten mit 11,5 definitiv keinen Spaß mehr. Und nachdem mich ein Estländer im dritten Rennen auf der Zielgerade abgeräumt hatte, war die WM für mich dort vorbei. Fazit: 12 Rennen, Platz 12 und ein kaputtes Board. Nicht überglücklich, aber zufrieden ging es für mich nach Hause - 27 Stunden Reisezeit!

Nicht zu vergessen ist jedoch die Leistung der anderen Teilnehmer. Gonzalo wird mit 8 Siegen überragender Weltmeister vor Janis Preiss aus Lettland und meinem Zimmergenossen und Freund Sebastian Kornum. Überragend gut fuhr auch Sebastian Kördel auf Platz 5.

Die nächste Formula WM wird wahrscheinlich wieder auf den Azoren stattfinden. Dann aber mit „kleinem“ 10,0er Segel ;-)

Euer Vinc

Formula Windsurfing WM